10. Dezember 2021 / 09:35 Uhr

Nach bundesweiten Protesten: NOFV erlaubt Trikotwerbung für Toleranz und gegen Rassismus

Nach bundesweiten Protesten: NOFV erlaubt Trikotwerbung für Toleranz und gegen Rassismus

Britt Schlehahn
Leipziger Volkszeitung
Sie Spieler von TeBe Berlin traten zwischenzeitlich aus Protest gänzlich ohne Werbung auf der Brust an.
Sie Spieler von TeBe Berlin traten zwischenzeitlich aus Protest gänzlich ohne Werbung auf der Brust an. © Imago/opokupix
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Als Tennis Borussia Berlin im Sommer den Schriftzug "CURA. Opferfonds rechter Gewalt" auf seinen Spieltagstrikots tragen wollte, lehnte der Nordostdeutsche Fußballverband das ab und sah sich in der Folge einer bundesweiten Protestwelle ausgesetzt. Nun haben die Verantwortlichen reagiert und den Weg frei gemacht für anti-diskriminierende Botschaften.

Leipzig. Was lange währt, wird doch irgendwann gut. Der Nordostdeutsche Fußballverband (NOFV) hat auf die zahlreichen bundesweiten Proteste reagiert und mit sofortiger Wirkung seine Spielordnung geändert. Betroffen ist Paragraf 25, der "Allgemeinverbindliche Vorschriften über die Beschaffenheit und Ausgestaltung der Spielkleidung" regelt. Dort hieß es bisher unter Punkt acht: „Die Werbung für politische Gruppierungen und mit politischen Aussagen wird nicht genehmigt.“

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TeBe brachte den Stein ins Rollen

Neu lautet es nun: "Werbung für politische Gruppierungen und mit politischen Aussagen ist grundsätzlich nicht gestattet, es sei denn, die Werbung dient oder ist dazu geeignet, rassistischen, verfassungs- und fremdenfeindlichen Bestrebungen sowie anderen homophoben, diskriminierenden oder menschenverachtenden Verhaltensweisen entgegenzuwirken oder den Grundsätzen des Paragraf 3 der Satzung des NOFV Rechnung zu tragen, insbesondere dem Vorgehen gegen jegliche Formen von Gewalt sowie der Förderung des FairPlay-Gedankens und der Pflege von Respekt, Anerkennung, Gleichberechtigung, Integration, Toleranz und Prävention. In Zweifelsfällen entscheidet hierbei auf Antrag das geschäftsführende Präsidium."

Der NOFV-Präsident Hermann Winkler äußerte sich am Donnerstag über die sozialen Medien zur veränderten Spielordnung: "Gut, dass wir auch diese Baulücke noch in diesem Jahr geschlossen haben."

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Ins Rollen gebracht hatte den Stein der Berliner Regionalligist Tennis Borussia (TeBe). Er beantragte im Sommer den Schriftzug "CURA. Opferfonds rechter Gewalt" auf den Spieltagstrikots tragen zu dürfen. Der NOFV lehnte ab. Daraufhin veröffentlichte TeBe gemeinsam mit der Amadeu Antonio Stiftung einen offenen Brief unter der Überschrift "Position beziehen für die demokratische Zivilgesellschaft".

Der Protest wie auch das Verbot hatten bundesweit für Aufsehen gesorgt. Fanforscher Gunter Pilz gehörte zu den Unterzeichnern des offenen Briefes und betonte im SPORTBUZZER-Interview: "Der NOFV bekennt sich in seiner Satzung ausdrücklich zu den Menschenrechten und verspricht sich entschieden gegen jede Form von Diskriminierung zu wenden. Dann erscheint es mir nur konsequent, dass er Werbung für gemeinnützige Organisationen, die genau dies im Fokus ihrer Arbeit haben, auch auf den Trikots erlaubt."

Verband handelt schneller als gedacht

Vor allem die Reaktion des Verbandes auf die Amadeu Antonio Stiftung verwunderte. Die setze sich laut NOFV "nur für gruppenbezogene Menschenfreundlichkeiten" ein und sich ganz offensichtlich nicht "mit den Opfern aller anderen - auch politisch motivierten - Gewalttaten" auseinander. Außerdem bereitete den Fußballfunktionären vor einigen Wochen noch Sorge, "dass sich eine bestimmte Gruppe von Personen durch die Werbung provoziert fühlen könnte."

Die Fans von TeBe machten ihrem Ärger über die Entscheidung des NOFV zwischenzeitlich auch mit Spruchbändern Luft.
Die Fans von TeBe machten ihrem Ärger über die Entscheidung des NOFV zwischenzeitlich auch mit Spruchbändern Luft. © Imago/Matthias Koch

Fanforscher Pilz irritierte diese Aussage sehr, denn dies bedeutete im Umkehrschluss: "Wer fühlt sich denn von einem Opferfonds gegen rechte Gewalt provoziert? Das können doch wohl nur Rechtsextreme sein, vor denen man mit dieser Argumentation quasi in vorauseilendem Gehorsam kuscht und das ist eine politische Botschaft, die ganz im Gegensatz zu den eigenen Werten und der eigenen Satzung steht.

Dass die Regelung nun doch so schnell geändert wurde, war nicht absehbar. Noch vor ein paar Wochen erklärte der Till Dahlitz, Mitarbeiter Spielbetrieb des NOFV, auf die SPORTBUZZER-Frage, wann sich der NOFV mit dem offenen Brief und der darin angesprochenen Thematik beschäftigen würde, mit den Worten "keine Hektik". Man wolle sich mit dem Antidiskriminierungsbeauftragten Mario Pinkert besprechen und dann über die "Anpassung der Spielordnung" beraten. Allerdings stand der Zeitpunkt dazu noch nicht fest. Vielmehr betonte Dahlitz, dass der Verband "auf jeden Fall keine Anpassung schon in der nächsten Präsidiumssitzung vornehmen werden."

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Ganz offensichtlich wirkten die Proteste nun ebenso wie die Gespräche mit dem Antidiskriminierungsbeauftragten und den Regionalligisten TeBe und SV Babelsberg 03. "Beide Vereine begrüßten die schnelle Änderung und Klarstellung für Werbung mit politischen Aussagen", erklärte NOFV-Vizepräsident Bernd Schulze. Hermann Winkler betonte zudem: "Für uns als Verband ist es wichtig, dort anzusetzen, wo es Veränderungsbedarf gibt. So ist es für uns gerade in heutiger Zeit selbstverständlich, gesellschaftliche Entwicklungen aufzugreifen und nach außen eine eindeutige Haltung einzunehmen, um jeglichem menschenverachtenden Verhalten entschieden entgegenzutreten."

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