23. September 2019 / 17:17 Uhr

Nach Bus-Unfall: Bürgerpreis für Initiator der VfB-Fair-Play-Aktion

Nach Bus-Unfall: Bürgerpreis für Initiator der VfB-Fair-Play-Aktion

Christian Meyer
Peiner Allgemeine Zeitung
Acosta-Coach Frank Mengersen
Acosta-Coach Frank Mengersen hatte die Fair-Play-Aktion angeschoben. Jetzt wurde er für seine Geste ausgezeichnet.
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Jugend-Fußball-Trainer Frank Mengersen vom Peiner Landesliga-Gegner BSC Acosta gewinnt den mit 20.000 Euro dotierten Bürgerpreis der deutschen Zeitungen. Mengersen war Initiator der bundesweit für Schlagzeilen sorgenden Solidaritätsaktion für die im Mai mit ihrem Mannschaftsbus auf der A7 verunglückten C-Jugend-Spieler des VfB Peine.

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Die Nachricht erreichte ihn, als er gerade seinen Fahrrad-Computer reparierte: Frank Mengersen, der Fußball-Jugendkoordinator des Braunschweiger Sport-Clubs Acosta wird vom Bund Deutscher Zeitungsverleger mit dem Bürgerpreis für herausragendes bürgerschaftliches Engagement ausgezeichnet. Mengersen war Initiator der bundesweit für Schlagzeilen sorgenden Solidaritätsaktion für die im Mai mit ihrem Mannschaftsbus auf der A7 verunglückten C-Jugend-Spieler des VfB Peine.

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Der BSC Acosta war schärfster Verfolger des Spitzenreiters aus Peine in der Landesliga. Dennoch bat ausgerechnet der Verein alle restlichen vier Gegner des VfB darum, nicht gegen die durch den Unfall dezimierten Peiner anzutreten und ihnen so die Meisterschaft und die Teilnahme an den Aufstiegsspielen zur Regionalliga zu ermöglichen. Diese Geschichte rührte auch die mehr als 250 Chefredakteure der Bürgerpreis-Jury, für sie ist Frank Mengersen „Deutschlands Bürger des Jahres“. „Das hört sich mächtig an und es ehrt mich“, sagte der Braunschweiger dem Sportbuzzer. Welche Wellen seine Fair-Play-Aktion bundesweit schlug, habe ihn aber selber überrascht. „Das habe ich unterschätzt.“

Hilfe für den VfB Peine: Die Bilder von der Übergabe des Vereinsbusses

Die Jungs vom VfB Peine freuen sich über den neuen Vereinsbus. Zur Galerie
Die Jungs vom VfB Peine freuen sich über den neuen Vereinsbus. ©

Mengersen ist ein bescheidener Mensch. „Ich habe es im Sinne der Sache gemacht und ganz bestimmt nicht aus publikumswirksamen Gründen. Für mich ist der größere Preis, dass die Jungs des VfB alle den Unfall überlebt haben. Das sind die wahren Sieger“, betonte der Jugendkoordinator und Jugendtrainer. Wen Mengersen zur Preisverleihung nach Berlin gerne mitnehmen würde, weiß er schon: Christoph Hasselbach, den Trainer der C-Junioren des VfB Peine. Erst vor zwei Wochen trafen sich die beiden zum Punktspiel in der Landesliga wieder und sprachen nach Spielende noch lange zusammen. „Der Kontakt ist immer noch fortwährend da.“

Den 12. März hat sich Frank Mengersen schon mal dick in seinem Terminkalender eingetragen. Dann steigt die feierliche Preisverleihung in Berlin. „Mein lieber Scholli, das wird spannend“, sagt Mengersen. Zumal: Der Preis ist mit 20.000 Euro dotiert.

Peter Konrad, der Vorsitzende des VfB Peine, ist überzeugt davon, dass das Geld bei Frank Mengersens Arbeit perfekt angelegt ist. „Die Auszeichnung ist auch eine Anerkennung für sein ehrenamtliches Engagement, ich weiß, wie viel Zeit da drin steckt.“ Den Preisträger würdigt er als bescheidenen Menschen, der sich seit Jahren in besonderem Maße für die Jugendarbeit einsetzt. „Sein zweiter Satz in unserem ersten Telefonat nach dem Unfall war, dass er sich mit der Aktion nicht profilieren will. Ich glaube, der ganze Rummel ist ihm etwas unheimlich.“ Und dennoch: Die Initiative sei alles andere als selbstverständlich gewesen. „Es war außergewöhnlich, denn der BSC Acosta hätte selbst noch Meister werden können“, hebt Konrad hervor.

Ein Großteil der C-Junioren des VfB Peine, die den Bus-Unfall nach ihrem Auswärtsspiel in Göttingen miterlebten, spielt inzwischen erfolgreich im B-Jugend-Landesliga-Teams des VfB Peine. Doch ein Spieler muss auf sein Comeback noch warten, zu schwer waren die Verletzungen, die er bei dem Unfall erlitt.

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Der Bund Deutscher Zeitungsverleger hat erstmals 2010 den Preis für herausragendes bürgerschaftliches Engagement ausgeschrieben. Gewürdigt als „Deutschlands Bürger/Bürgerin des Jahres“ werden Personen, die auch jenseits ihrer eigentlichen Profession Herausragendes für die Gesellschaft leisten. Vorschläge für den Bürgerpreis der Deutschen Zeitungen können ausschließlich durch die Zeitungen eingereicht werden. 

Die Jury besteht aus den gut 250 Chefredakteurinnen und Chefredakteuren der BDZV-Mitgliedsverlage. Die Würdigung von Fußballcoach Frank Mengersen geht auf einen Vorschlag der „Peiner Allgemeinen Zeitung“ zurück.

Potenzielle Preisträger können zum Beispiel Sportler, Künstler, Wissenschaftler oder Politiker sein, die im zurückliegenden Jahr Außerordentliches bewirkt oder geschaffen haben. 

Zuletzt als „Bürger des Jahres“ ausgezeichnet wurde 2018 übrigens das Ehepaar Friederike und Dr. Clemens Ladenburger - eine gemeinsame Nominierung von „Badischer Zeitung“ und „Kölner Stadt-Anzeiger“. Die Eltern der getöteten Freiburger Studentin Maria hatten als Reaktion auf die Ermordung ihrer Tochter durch einen Flüchtling aus Afghanistan eine Stiftung für Studierende an der Universität Freiburg gegründet und so ein Zeichen der Mitmenschlichkeit gesetzt.

Nominiert war im Vorjahr zum Beispiel aber auch der Astronaut Alexander Gerst, weil er vorbildlich seine mediale Präsenz in Fernsehen, Print und Online genutzt habe, um gerade auch junge Menschen für Forschung und Technik zu begeistern.