12. April 2021 / 19:20 Uhr

Nach Corona-Wirbel um Weghorst: "Damit hat er sich und dem Verein keinen Gefallen getan"

Nach Corona-Wirbel um Weghorst: "Damit hat er sich und dem Verein keinen Gefallen getan"

Marcel Westermann
Wolfsburger Allgemeine / Aller-Zeitung
Gegenwind: Einige VfL-Fans fanden die Aussagen von Wout Weghorst im Sportstudio nicht in Ordnung.
Gegenwind: Einige VfL-Fans fanden die Aussagen von Wout Weghorst im Sportstudio nicht in Ordnung. © DPA
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Nach seinem Auftritt im ZDF-Sportstudio prasselte auf Wout Weghorst vom VfL Wolfsburg erneut ein heftiger Shitstorm ein. Auch einige Fans des Bundesligisten sehen seine fragwürdigen Corona-Aussagen kritisch.

Auf VfL-Angreifer Wout Weghorst prasselt seit Samstagabend erneut ein heftiger Shitstorm ein. In den sozialen Netzwerken wird Wolfsburgs Top-Torjäger nach seinem Auftritt im ZDF-Sportstudio unter anderem als "Corona-Verharmloser", "Verschwörungsdulli" und "Covidiot" betitelt. Auch einige Fans des Fußball-Bundesligisten fanden den TV-Auftritt des Niederländers zum Thema Covid-19 nicht in Ordnung - aber es gibt auch Kritik an Moderator Jochen Breyer.

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Erst im Dezember hatte Weghorst einen fragwürdigen Corona-Post einer amerikanischen Impfgegnerin geteilt – und ihn später gelöscht. Darin hieß es: "Stell dir vor, es gibt einen Impfstoff, der so sicher ist, dass du bedroht werden musst, ihn zu nehmen - für eine Krankheit, die so tödlich ist, dass man getestet werden muss, um zu wissen, dass man sie hat.“ Angesprochen auf diesen Beitrag sagte der VfLer im Sportstudio zwar, er habe keinem „damit schaden wollen. Ich habe mich bei den Leuten entschuldigt, die das vielleicht falsch aufgenommen haben. So habe ich das absolut nicht gemeint. Es ist ein wichtiges und sensibles Thema." Andererseits distanzierte sich der Stürmer auch nicht. Er habe für sich selber eine Entscheidung getroffen, „nicht nur für mich, auch für meine Familie, meine Kinder, meine Freundin“. Welche das ist, ließ er offen.

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Unter dem Artikel zu Weghorsts erneut fragwürdigen Äußerungen im TV gab's auf der WAZ-Facebook-Seite viele Kommentare. "Er darf sogar eine große, öffentliche Bühne nutzen, um seinen Blödsinn zu verbreiten. Jetzt muss man seinem Arbeitgeber allerdings auch die Freiheit zugestehen, das entsprechend zu würdigen", schrieb beispielsweise ein Nutzer. VfL-Manager Jörg Schmadtke hat bereits Gespräche mit Weghorst angekündigt. Andere User wiederum sahen es entspannter. "Die eigentliche Frage muss doch lauten: Wie politisch darf oder soll der Sport heutzutage sein? Und was hat so ein Thema im Aktuellen Sportstudio zu suchen? Und dann auch noch auf einem öffentlich rechtlichen Sender, für den wir alle teuer Gebühren zahlen", betonte ein User. Ein anderer fragte: "Warum darf man in diesem Land seine Meinung nicht mehr sagen?" Und ein wiederum anderer kritisierte Moderator Breyer: "Ich denke, Wout hat sehr souverän geantwortet und Herr Breyer hat wieder einmal nicht aufgehört immer und immer wieder die gleiche Frage zu stellen." In den sozialen Netzwerken war einiges los, auch in seiner Heimat, den Niederlanden, war einiges los - genauso wie bei einigen VfL-Fans.

Michael Günterberg (VfL-Dauerkartenbesitzer): "Ich fand seinen Auftritt im Sportstudio gut – bis das Thema Corona kam. Da hat Wout dann aus meiner Sicht herumgedruckst. Ich wünsche mir, dass er bei diesem Thema klar Stellung bezieht. Das hat er nicht getan. Dabei ist er doch jemand, der nach den Spielen die Dinge immer offen anspricht. Beim Thema Corona macht er das aber nicht. Trotzdem bin ich keiner, der jetzt sagt: Der VfL sollte ihn verkaufen, denn Wout ist für uns ein zu wichtiger Spieler.“

Lars „Lenny Nero“ Vollmering (VfL-Fan-Blogger und Buchautor): "Es war ein unglücklicher Auftritt von Wout, der jetzt eine Baustelle aufgetan hat, die es nicht braucht. Er hat sich und dem Verein damit keinen Gefallen getan, das hätte man geschickter lösen können. Er hat sich so geäußert, dass es zum einen auf Unverständnis stößt und zum anderen vor den weiteren Aufgaben Unruhe reinbringt. Das Gute ist, dass sich die Mannschaft bisher von äußeren Einflüssen nicht beeinflussen lassen hat."

Michael Böttcher (seit 1994 Mitglied des ältesten VfL-Fanklubs „Schlemmerbrüder“): "Wout ist eine Person des öffentlichen Lebens und sollte immer bedenken, welche Wirkung seine Aussagen haben. Wenn er sich so äußert und so einen Beitrag teilt, ist das aus meiner Sicht grenzwertig. Jeder kennt ihn und verbindet diese Aussagen nun vielleicht auch mit dem VfL. Jörg Schmadtke muss nun mit ihm sprechen und vielleicht muss auch eine Geldstrafe her."


Lothar Hilmer (Vorsitzender der „Aller-Ohre-Wölfe“): "Ich halte es für nicht in Ordnung, was Wout Weghorst in der Sendung gesagt hat. Ich habe selber negative Erfahrungen mit Corona gemacht, mein Schwiegervater hatte sich infiziert und ist kurz darauf verstorben. Ich halte das Thema daher für sehr ernst und hoffe, selbst bald geimpft zu werden. Wout sollte seine Meinung anderen nicht aufdrücken. Man muss ihm sagen, dass er sich zurückhalten sollte. Ihn zu verkaufen, halte ich für überzogen."