02. Oktober 2020 / 14:42 Uhr

Nach dem Athen-Frust: Wolfsburg-Trainer Glasner sieht Offensiv-Defizite

Nach dem Athen-Frust: Wolfsburg-Trainer Glasner sieht Offensiv-Defizite

Andreas Pahlmann
Wolfsburger Allgemeine / Aller-Zeitung
Muss sein Team nach dem Europa-League-Aus aufrichten: VfL-Trainer Oliver Glasner.
Muss sein Team nach dem Europa-League-Aus aufrichten: VfL-Trainer Oliver Glasner. © AP / VfL Wolfsburg
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Der VfL Wolfsburg spielt am Sonntag um 15.30 Uhr gegen den FC Augsburg. Bis dahin muss er den Frust nach dem Europa-League-Aus in Athen bewältigen. Trainer Oliver Glasner sagt: "Das Schlechteste wäre, wenn wir in Selbstmitleid verfallen und trauern." Ob sein Kader bis Montag noch verstärkt wird, ließ er offen.

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Während Oliver Glasner, Trainer des VfL Wolfsburg, auf der obligatorischen Pressekonferenz am Freitagmittag über das kommende Bundesliga-Spiel gegen den FC Augsburg (Sonntag, 15.30 Uhr) sprach, wurden in Nyon die Gruppen für die Europa-League-Gruppenphase ausgelost. Sein Klub war nach dem enttäuschenden 1:2 am Donnerstagabend bei AEK Athen nicht im Topf - und der Frust darüber sitzt tief. "Wir sind sehr enttäuscht, es fühlt sich heute auch noch nicht viel besser an", so Glasner. "Aber wir sind selber Schuld, dass wir verloren haben. Wir werden das Spiel aufarbeiten, es hinter uns lassen und den Blick auf Augsburg richten."

Kurz vor 6 Uhr war der VfL-Tross am Freitagmorgen aus Athen zurückgekommen, das Nachmittagstraining wurde auf 17 Uhr verschoben, damit die Spieler ein paar Stunden Schlaf nachholen können. Die Stimmung auf der Rückreise vom Europa-League-Aus war naturgemäß mies. Glasner: "Es gibt verschiedene Möglichkeiten, wie man mit einer Niederlage umgeht. Das Schlechteste wäre, wenn wir in Selbstmitleid verfallen und trauern. Es geht darum, den Blick nach vorn zu richten, die richtigen Schlüsse aus dem Spiel zu ziehen und gestärkt daraus hervorgehen."

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Was in Athen vor allem gefehlt hatte: Durchschlagskraft in der Offensive. "Wir hatten zu wenig Tiefgang im Spiel", beschreibt Glasner die Defizite. "Um gefährlich zu werden, musst du dich mal im Eins-gegen-eins durchsetzen, musst mal tiefe Laufwege anbieten, brauchst eine gute Besetzung in der Box – in allen Bereichen hat uns etwas gefehlt." Und: "Wir haben viele Spieler, die den Ball gerne am Fuß wollen." Was im Umkehrschluss heißt: Es sind zu wenig Spieler da, die mit offensiven Laufwegen den Gegner vor Probleme stellen können.

Bis Montag ist das Transferfenster noch offen, möglicherweise kommt für diesen Bereich noch Verstärkung - und möglicherweise darf dann Offensivtalent Omar Marmoush zum Linzer ASK wechseln. "Solange das Transferfenster nicht zu ist, werde ich in beide Richtungen nicht sagen: Es ist Schluss. Dafür ist zu oft auf den letzten Drücker noch etwas passiert. Dafür haben wir aber andere Leute im Klub, die sich darum kümmern", verweist Glasner auf Manager Jörg Schmadtke und Sportdirektor Marcel Schäfer. Bedarf ist offenbar da: "Wir kennen die Qualität unserer Spieler und wissen, was nicht so ihre Stärke ist..."

Dass der Kader angesichts des Verletzungspechs und des strammen Startprogramms mit zuletzt drei englischen Wochen generell zu dünn besetzt sei, wollte Glasner aber nicht als Erklärung für das Aus in Athen gelten lassen: "Das wäre eine billige Ausrede, ich will es nicht auf die Personalsituation schieben. Mit dem Personal in Athen war es durchaus möglich zu gewinnen."

Glasners Auswahlmöglichkeiten am Sonntag werden allerdings kaum größer sein als vor dem Athen-Spiel. Neben den Langzeitverletzten wird auch Joao Victor weiterhin mit einer Adduktorenverletzung ausfallen, ob Torwart Koen Casteels nach Knie-Problemen wieder dabei sein kann, ist offen. Dass Neuzugang Ridle Baku, der erst am Donnerstag verpflichtet wurde, gleich dabei sein kann, schloss Glasner nicht aus. "Er wird jetzt zum ersten Mal bei der Mannschaft sein, auch wenn die meisten Spieler nur im regenerativen Bereich arbeiten werden. Aber er wird die Jungs mal besser kennenlernen." Denkbar ist zudem, dass Maxence Lacroix (konnte beim Athener Siegtor seinem Gegenspieler nicht folgen), Xaver Schlager (wirkt müde) oder der eine oder andere Offensivspieler eine Pause bekommen.

VfL-Gegner FC Augsburg ist so etwas wie die Mannschaft der Stunde in der Bundesliga, startete mit Siegen bei Union Berlin (3:1) und gegen Borussia Dortmund (2:0) und könnte bei einem Sieg gegen Wolfsburg sogar als Bundesliga-Tabellenführer in die Länderspielpause gehen. Zu den Gründen für den starken FCA-Start gehört auch die Transferpolitik - die wichtigsten Neuzugänge standen bereits vor Monaten fest. Torwart Rafal Gikiewicz kam von Union Berlin, der Ex-VfLer Daniel Caligiuri von Schalke 04 und Tobias Strobl von Borussia Mönchengladbach. Zudem war frühzeitig klar, dass der FCA die Kaufoption für den zuvor aus Wolfsburg geliehenen Felix Uduokhai zieht.

Der Kader wirkt eingespielt, Manager Stefan Reuter lobt "Hierarchie und Stabilität" - und verweist auf einen gesunden Konkurrenzkampf. Gegen Wolfsburg drängen nun auch die zuletzt verletzen Ruben Vargas und Eduard Löwen wieder in die Startelf und erweitern die Möglichkeiten für Trainer Heiko Herrlich. "Die Mannschaft wird mit Selbstvertrauen kommen", weiß auch Glasner, "aber unser Fokus liegt auf uns, dass wir die Köpfe wieder hoch bekommen und vor der Länderspielpause noch mal alles raushauen".

Für das Spiel sind in der VW-Arena 6000 Zuschauer zugelassen, rund 4000 Tickets hat der VfL bisher verkauft. "Die Fans kommen ins Stadion, um die Emotionen mitzuerleben und gemeinsam mit uns zu feiern. Mit Abstand und mit Maske ist es etwas schwieriger, daher denke ich, sind die Fans etwas gehemmt", glaubt Glasner. Mit einem lustigen Erklärvideo, das die Hygieneregeln veranschaulicht, wirbt der Verein für das Spiel. "Ich hoffe, dass alle 6000 Karten weg gehen und wir dann seit langem mal wieder so etwas wie Heimspiel-Atmosphäre haben." Zum Bundesliga-Auftakt gegen Leverkusen durften nur 500 Fans auf den Rängen dabei sein.