07. Juni 2021 / 16:24 Uhr

Nach dem besten zweiten Platz aller Zeiten: Bei den VfL-Frauen geht der Umbruch weiter

Nach dem besten zweiten Platz aller Zeiten: Bei den VfL-Frauen geht der Umbruch weiter

Jasmina Schweimler
Wolfsburger Allgemeine / Aller-Zeitung
Zwei von vielen Abschieden: Nicht nur Stephan Lerch und Lena Goeßling verlassen den VfL Wolfsburg jetzt im Sommer.
Zwei von vielen Abschieden: Nicht nur Stephan Lerch und Lena Goeßling verlassen den VfL Wolfsburg jetzt im Sommer. © VfL Wolfsburg (2) / Roland Hermstein
Anzeige

Zur Titelverteidigung in der Frauenfußball-Bundesliga hat es für den VfL zwar nicht gereicht, aber dennoch will in Wolfsburg keiner von einer schlechten Saison sprechen - auch weil noch nie ein Vize-Meister besser war. Ab Sommer gilt bei den VfL-Frauen vor allem eines: Meister Bayern will trotz des großen Umbruchs niemand aus den Augen verlieren.

Anzeige

Eine kräftezehrende Saison ging am Sonntag mit dem 8:0 gegen Werder Bremen für die Fußballerinnen des VfL Wolfsburg zu Ende. Nach dem letzten Spieltag reichte es in der Bundesliga nur für die Vize-Meisterschaft hinter dem FC Bayern München, der nach 1976, 2015 und 2016 seinen vierten Titelgewinn feierte. Mit dem Triumph im DFB-Pokal gegen Eintracht Frankfurt blieb die Mannschaft von Trainer Stephan Lerch in dieser Spielzeit aber nicht titellos - und in der Liga sind sie bester Zweiter geworden. Noch nie wurde eine Mannschaft seit Einführung der eingleisigen Bundesliga 1997/98 mit 59 Zählern nach 22 Spielen Vize-Meister. Von einer schlechten Saison wollte in der Autostadt trotz verpasster Titelverteidigung daher niemand sprechen.

Anzeige

Seit dem sensationellen Triple-Gewinn 2013 kam in jedem (!) Jahr mindestens ein weiterer Titel dazu, von den insgesamt 27 seitdem möglichen Trophäen in Liga, Pokal und Champions League holten die Wolfsburgerinnen satte 16. Die Niedersächsinnen haben die Messlatte hoch gelegt, die Konkurrenz schläft derweil nicht. In München hat man eine Strategie und einen Jahresplan ausgearbeitet, um langfristig die Nummer 1 in Deutschland zu werden. "Wir wissen genau, dass der FC Bayern seit Jahren aufrüstet und große Ziele hat. Es ist gut für den Frauenfußball, wenn man sich in München vornimmt, Wolfsburg als Seriensieger abzulösen", so Ralf Kellermann, Sportlicher Leiter der VfL-Frauen gegenüber dem NDR.

Mehr zum VfL Wolfsburg

Finanziell spiele der FCB in einer anderen Liga. "Wir machen beim internationalen Wettrüsten nicht mit und gehen einen anderen Weg, der zu uns passt", erläutert Kellermann. Karl-Heinz Rummenigge, Vorstandsvorsitzender beim FC Bayern, bekräftigte derweil auf der Vereinshomepage: "Ich finde die Entwicklung des Frauenfußballs beim FC Bayern extrem positiv. Wir machen das seit 50 Jahren, das darf man nicht vergessen. So wie die Entwicklung in den letzten fünf bis zehn Jahren abgelaufen ist, kann man nur den Hut ziehen." Präsident Herbert Hainer ging sogar noch einen Schritt weiter und sprach davon, "dass wir nicht nur in Deutschland sondern auch in Europa Spitze sein wollen. National haben wir das jetzt geschafft und international wollen wir den Weg natürlich noch weitergehen.“



Der VfL richtet sich neu aus

Der VfL richtet sich zur kommenden Saison neu aus und verjüngt seinen Kader weiter. Sechs Spielerinnen verlassen den Pokalsieger in diesem Sommer, darunter mit Lena Goeßling und Zsanett Jakabfi zwei langjährige VfLerinnen, die als Identifikationsfiguren gelten. Auch Lara Dickenmann, Ingrid Engen, Fridolina Rolfö und Friederike Abt gehen. Im Trainerteam wird es ebenfalls große Veränderungen geben: Trainer Lerch geht in den Nachwuchs von 1899 Hoffenheim, die Co-Trainerinnen Ariane Hingst und Theresa Merk, Analystin Donna Newberry sowie die Physiotherapeutinnen Ewa Gehring und Fee-Maresa Müller widmen sich neuen Herausforderungen.

"Die Entwicklung im Frauenfußball beim VfL ist cool, ist sehr professionell", resümierte Goeßling nach Abpfiff gegen Bremen im NDR. Als sie 2011 zum VfL kam "haben wir uns quasi in einer Garage umgezogen, das war unsere Kabine. Jetzt gibt es hier einen eigenen Trakt, in dem wir einen Fitness-Bereich haben. Daran sieht man einfach, welche Sprünge es gegeben hat in den vergangenen zehn Jahren." Die 35-Jährige weiß aber auch: "Es wird immer schwieriger, Titel zu gewinnen."

Stroot folgt auf Lerch

Lerch, der das Cheftrainer-Amt 2015 von Kellermann übernahm, trat einst in große Fußstapfen und hat nun seine eigenen hinterlassen. "Es müssen keine großen sein, aber es wäre einfach schön, wenn ich überhaupt welche hinterlasse. Wenn man es an den Titeln festmacht, war es eine recht erfolgreiche Zeit. Aber es geht nicht um Titel an sich", findet Lerch, sondern auch "um Dinge, die man zusammen erlebt hat, die einen zusammengeschweißt haben. Die Spielerinnen, die man begleitet hat, das Team hinter dem Team und wie man zusammenwächst und eine Einheit wird." Sein Fazit? "Ich bin sehr stolz darauf, wie meine Zeit hier verlaufen ist. Es war eine besondere und schöne Reise, die ich sehr genossen habe."

Beerbt wird er von Tommy Stroot, der parallel mit Twente Enschede die Meisterschaft in den Niederlanden klar machte. Als Co-Trainerinnen stoßen Ex-Nationalspielerin Kim Kulig und Sabrina Eckhoff zum VfL, Gerhard Waldhart wird Analyst. Mit Lena Lattwein (21), Tabea Waßmuth (24, kommen beide aus Hoffenheim), Lynn Wilms (20, Twente), Joelle Smits (21, PSV Eindhoven), Jill Roord (24, Arsenal) und Sandra Starke (27, SC Freiburg) verpflichtete der VfL junge und entwicklungsfähige, aber auch erfahrene und gestandene Nationalspielerinnen. Fakt ist, dass der VfL jede Menge neuen Input bekommt. Wie schnell die neuen Ideen greifen, wird sich zeigen. Eins ist jedoch sicher: Was der VfL sich über Jahre hinweg erarbeitet und nach Außen hin ausgestrahlt hat, ist für die Bayern nicht von heute auf morgen aufzuholen.

Doorsoun sagt DFB-Frauen ab

Die deutsche Frauenfußball-Nationalmannschaft steht vor ihren letzten zwei Länderspielen vor der Sommerpause. Für die Partien in Straßburg gegen Frankreich am 10. Juni (ab 21.10 Uhr, live auf sportschau.de) und in Offenbach gegen Chile am 15. Juni (ab 15 Uhr, live im ZDF) nominierte Bundestrainerin Martina Voss-Tecklenburg Felicitas Rauch, Lena Oberdorf und Svenja Huth vom Bundesligisten VfL Wolfsburg.

Ursprünglich mit dabei sein sollte auch Sara Doorsoun, die VfL-Verteidigerin musste ihre Teilnahme aber aufgrund einer Knochen- und Sehnenprellung am linken Fuß absagen. Beim 8:0-Erfolg gegen Werder Bremen am vergangenen Sonntag wurde die 29-Jährige verletzungsbedingt ausgewechselt.