24. November 2017 / 15:37 Uhr

Nach dem Leipziger Derby: Polizei wertet Videos aus – 330 Personen kontrolliert

Nach dem Leipziger Derby: Polizei wertet Videos aus – 330 Personen kontrolliert

Matthias Roth
Leipziger Volkszeitung
Hunde und Polizisten im Innenraum: Das erinnert ungut an frühere Zeiten.
Hunde und Polizisten im Innenraum: Das erinnert ungut an frühere Zeiten. © Christian Modla
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Für die Polizei bedeutet das Duell zwischen dem 1. FC Lok Leipzig und der BSG Chemie auch nachträglich noch einen Großeinsatz. Die Beamten rechnen mit mindestens wochenlangen Ermittlungen.

Leipzig. Das Derby zwischen dem 1. FC Lok und der BSG Chemie wird die Leipziger Polizei noch wochenlang beschäftigen. Die Beamten ermitteln wegen schwerer Körperverletzung, Beleidigung, Sachbeschädigung, schwerer Landfriedensbruch sowie Verstößen gegen das Betäubungsmittel- und Ordnungswidrigkeitengesetz. Die Auswertung der Beweise dürfte für die Polizei allerdings zu einer langwierigen Angelegenheit werden. „Das wird eine Sisyphosarbeit“, so Geyer.

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DURCHKLICKEN: Leipziger Derby am 22. November 2017

Das Leipziger Stadtderby zwischen dem 1. FC Lok Leipzig und der BSG Chemie im November 2017 beschäftigte Hundertschaften von Polizisten und bliebt trotz aller Bemühungen im Vorfeld und am Spieltag nicht friedlich. Zur Galerie
Das Leipziger Stadtderby zwischen dem 1. FC Lok Leipzig und der BSG Chemie im November 2017 beschäftigte Hundertschaften von Polizisten und bliebt trotz aller Bemühungen im Vorfeld und am Spieltag nicht friedlich. ©

„Die Ermittlungen richten sich gegen die Fans beider Vereine“, sagte Polizeisprecherin Katharina Geyer. Kurz nach Beginn der zweiten Halbzeit hatte der Schiedsrichter die Partie minutenlang unterbrochen, weil zunächst BSG-Fans Pyrotechnik zündelten. Lokfans beschossen später Polizisten mit Feuerwerkskörpern. Offenbar war auch ein Platzsturm geplant, weil Zäune am Lok-Ultrablock und der Gegengerade vorab mit der Flex bearbeitet wurden.

Noch wird Material gesammelt

Die Einsatzkräfte setzten gegen die Heimanhänger Pfefferspray ein und drängten in diesen Zuschauerabschnitt. „Insgesamt wurden von 330 Personen die Personalien kontrolliert“, erklärte Polizeisprecherin Geyer. Derzeit sammelten die Ordnungshüter noch das Material aus dem Bruno-Plache-Stadion. Bedingt durch freie Tage und Urlaub seien noch nicht alle Anzeigen und Erkenntnisse zusammengeführt worden. Wichtige Hinweise zu möglichen Straftaten sollen zudem die Videoaufzeichnungen der Polizei erbringen, wie Geyer bestätigte.


Derbyfieber in Leipzig

Zumindest straftrechtlich ungeahndet wird wohl der Bierübergriff aus dem VIP-Bereich bleiben. Ein Lok-Anhänger hatte kurz vor der Pressekonferenz nach dem Spiel Chemie-Trainer Dietmar Demuth mit Bier begossen. Demuth plant keine Anzeige, wie er betonte. „Dass man beim Fußball mit Bier bekippt wird, passiert schon mal. Wenn man durch die Fans geht. Ich kenne das aus St. Pauli, Uli Hoeneß hat da auch mal eine Dusche abgekriegt. Aber in einem VIP-Raum sollte das nicht passieren“, fügte Demuth an. Auch bei der Polizei ist laut Geyer nichts von Ermittlungen gegen den Lok-Fan bekannt. Der Verein verhängte gegen ihn noch am Mittwoch Hausverbot.

Neben der Polizei hat auch der Nordostdeutsche Fußballverband (NOFV) seine Ermittlungen aufgenommen. Beide Vereine müssen mindestens mit einer Geldstrafe rechnen.

mro/ukö