09. März 2021 / 21:39 Uhr

Nach dem Verletzungsschock – Saisonaus für Wolfsburgs Steffen? "Das ist völlig offen"

Nach dem Verletzungsschock – Saisonaus für Wolfsburgs Steffen? "Das ist völlig offen"

Engelbert Hensel
Wolfsburger Allgemeine / Aller-Zeitung
Die Schockszene: Renato Steffen vom VfL Wolfsburg verletzte sich im Duell mit 1899 Hoffenheim schwer.
Die Schockszene: Renato Steffen vom VfL Wolfsburg verletzte sich im Duell mit 1899 Hoffenheim schwer. © Getty Images
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Renato Steffen war in dieser Saison beim VfL Wolfsburg gesetzt, aber wegen einer schweren Bänderverletzung wird er dem Klub nun länger fehlen. Jetzt spricht Steffen über seine Verletzung und die Folgen.

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Fünf Tore, vier Vorlagen, nach Toptorjäger Wout Weghorst (15 Saisontore, vier Vorlagen) ist Renato Steffen zweitbester Scorer des VfL. Aber am Montagabend hatte der Klub mitgeteilt: Steffen fällt aufgrund einer schwerwiegenden Bandverletzung im linken Sprunggelenk mehrere Wochen aus. "Das ist bitter und tut natürlich total weh. Es ist die erste größere Verletzung in meiner Karriere", so der Flügelkämpfer des Wolfsburger Fußball-Bundesligisten im Gespräch mit der AZ/WAZ. Ob der 29-Jährige in dieser Saison noch mal spielen kann, "ist völlig offen".

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"Wir müssen jetzt gucken, wie lange es dauern wird, auf jeden Fall mehrere Wochen. Eine genaue Prognose kann ich nicht sagen, aber ich hoffe, dass ich in dieser Saison vielleicht noch mal zum Einsatz kommen kann", so Steffen. Der schweizerische Nationalspieler hatte sich die Verletzung am Samstag beim 1:2 bei 1899 in einem Zweikampf mit Hoffenheims Ryan Sessegnon zugezogen. Nach kurzer Behandlung ging die Partie in Sinsheim für den 29-jährigen nicht mehr weiter, er musste in der 71. Minute ausgewechselt werden. Steffen: "Im ersten Moment hab’ ich mir nichts Weiteres dabei gedacht." Er hatte nicht gedacht, dass es schlimmer sein könnte, zumal er am Sonntag "ohne größere Schmerzen" auf den Fuß steigen konnte, aber nach eingehenden Untersuchungen am Montag war dann klar: Steffen wird längerfristig fehlen.

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Läuft bei der Reha alles glatt, kann er "vielleicht zum Saisonfinale" auf den Platz zurückkehren. "Es kommt auf den Heilungsprozess an", sagt Steffen und betont: "Ich will unbedingt bei der Euro im Sommer dabei sein." Die EM wäre sein erstes großes Turnier mit der Nationalelf. Vor der letzten EM hatte er sich verletzt. "Es wäre schön, wenn es in diesem Jahr klappt. Es steht auf jeden Fall auf meiner To-Do-Liste.", hatte der quirlige Außenspieler jüngst gesagt. Am Dienstag wollte er sich mit Nationaltrainer Vladimir Petkovic über seine Verletzung austauschen. "Ich finde es immer gut, wenn man das persönlich macht", so Wolfsburgs Nummer 8, die viele Nachrichten mit Genesungswünschen bekam.

Nun muss Steffen sich erst einmal in Geduld üben, der erste große Frust nach dem Schock am Samstag ist aber weg. "Mittlerweile geht es mir besser", sagt er mit leiser Stimmen, "als die Diagnose kam, war das noch anders. Da war es hart für mich. Da sind die Emotionen schon durchgekommen. Ich war gut in Form, habe beim VfL regelmäßig gespielt." Und er wäre Ende des Monats, wenn Länderspiele anstehen, "gern bei der Nationalelf dabei gewesen, um mich noch mal für die EM empfehlen zu können".

Statt gegen Schalke, Bremen oder Bayern spielen zu können, wird Steffen in den nächsten Wochen "nur" vorm TV sitzen und seinen Kollegen die Daumen drücken können. "Die Jungs spielen zu sehen und selbst nicht dabei sein zu können, das wird wehtun", sagt Steffen, der seinen Mitspielern natürlich die Daumen drückt, damit der VfL die Saison erfolgreich zu Ende bringt. "Da oben zu bleiben – das wäre mein größter Wunsch", sagt Steffen und denkt an die Tabelle, in der Wolfsburg gerade auf Platz drei (reicht für die Champions League) steht.

Wer rutscht in die Startelf?

Steffen wird jetzt länger fehlen – wer ersetzt ihn? Im Training am Dienstag war das noch nicht absehbar. Dennoch: Kandidaten für den Flügel sind Admir Mehmedi, Josip Brekalo und Joao Victor. Letzterer trainierte zwar auf rechts, also da, wo Steffen spielt, aber Trainer Oliver Glasner scheint sich noch nicht endgültig festgelegt zu haben. Für den Flügel hat der Österreicher einige Alternativen, auf der Linksverteidiger-Position wiederum muss er möglicherweise improvisieren. Denn Paulo Otavio ist nach seinem heftigen Einsteigen am Samstag in Hoffenheim für vier Spiele gesperrt worden. Am Dienstag trainierte er gesondert mit Jerome Roussillon, ebenfalls einer für diese Position, der zuletzt jedoch wegen Wadenproblemen ausgefallen ist. Beide beendeten das Training vorzeitig. Glasner hofft, dass der einst gesetzte Franzose rechtzeitig fit wird.

Auffällig: Glasner ließ bei den Übungen Ridle Baku, eigentlich einer für rechts, hinten links ran. Neben ihm verteidigten der gesetzte John Anthony Brooks und Marin Pongracic, der am Samstag eine Gelb-Rot-Sperre abgebrummt hatte, innen. Normalerweise machen das Brooks und Maxence Lacroix zusammen, aber Letzterer hat seine fünfte Gelbe gesehen und ist nun gesperrt. Das Training beendete Lacroix übrigens vorzeitig, weil sein linker Oberschenkel zwickte. Bleibt noch die Frage, wer neben Maximilian Arnold auf der Doppel-Sechs spielt, Xaver Schlager (sah im Duell mit 1899 ebenfalls seine fünfte Gelbe) ist gesperrt. Im Training deutete vieles auf das Startelf-Comeback von Kapitän Josuha Guilavogui hin.