16. Juni 2020 / 18:02 Uhr

Nach der Corona-Krise: Bei Hannover 96 geht's wieder bergauf

Nach der Corona-Krise: Bei Hannover 96 geht's wieder bergauf

Maximilian Bosse
Hannoversche Allgemeine / Neue Presse
Mini-Volleyballer Janhannes Muschincky freut sich, dass das Training in der Halle wieder losgehen kann.
 Milena Wahlmann (kleines Foto) freut sich, wieder das Training der Kids zu betreuen.
Mini-Volleyballer Janhannes Muschincky freut sich, dass das Training in der Halle wieder losgehen kann. Milena Wahlmann (kleines Foto) freut sich, wieder das Training der Kids zu betreuen. © Debbie Jayne Kinsey
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Auch bei Hannover 96 sind die Auswirkungen der Corona-Krise noch zu spüren: Fitnessstudio und Sporthalle könnten besser gefüllt sein. Ein YouTube-Kanal wurde eröffnet und die Digitalisierung im Verein stark vorangetrieben.

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Nicht viel los in der 96-Halle an der Stammestraße. Zwei Kinder, eine Übungsleiterin. Mehr sind zum Training der Volleyballjugend nicht gekommen. So trostlos das klingt – die zwei Mini-Volleyballer Johannes Ebeling und Janhannes Muschincky sowie Kinder- und Jugendtrainerin Milena Wahlmann haben richtig Spaß an der Einheit. Baggern, pritschen – aber natürlich mit genügend Abstand.

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Fitnessstudio und Sporthalle fast leer

Die Corona-Pandemie hat auch den Trainingsalltag beim Hannover 96 e. V. verändert. Der erste Schritt ins Vereinssportzentrum genügt, um sich ein Bild der aktuellen Lage des Klubs zu machen. Mundschutzmasken und Desinfektionsmittel am Eingang sind aktuell der Standard im schwarz-weiß-grünen Alltag. Das fast leere Fitnessstudio und die Sporthalle zeigen an diesem Tag, dass viele Menschen den schnellen Lockerungen der Regierung noch kein volles Vertrauen schenken.

Es ist die harte Realität, der sich der Klub momentan gegenübersieht. Das Virus hinterlässt sichtliche Spuren im Konzept der Vereine. Trotzdem ist man bei 96 gewillt, sich gegen die Pandemie zu wehren.

Mit genügend Abstand: Milena Wahlmann überwacht das Training von Johannes Ebeling (links) und Janhannes Muschincky.
Mit genügend Abstand: Milena Wahlmann überwacht das Training von Johannes Ebeling (links) und Janhannes Muschincky. © Debbie Jayne Kinsey

YouTube-Kanal wurde eröffnet

Kreativität ist in der aktuellen Situation alles, was die Vereine am Leben und den Kontakt zu ihren Mitgliedern aufrechterhält. Und auch die 96er haben sich eine Menge einfallen lassen, um die Aktiven bei Laune zu halten. „Wir als Hannover 96 haben einen gewissen Qualitätsanspruch, den wir natürlich auch gewährleisten müssen“, sagt der Marketingverantwortliche Dennis Hoffmann.


Die rasche Reaktion auf den Corona-Ausbruch: die Eröffnung eines YouTube-Kanals. „Wir haben und werden den Kanal auch weiterhin mit viel Content füttern. Anfangs lagen die Zugriffszahlen dabei auch deutlich über unseren Erwartungen“, sagt der 32-Jährige. „Mittlerweile ist das Interesse an den Videos aber spürbar geschwunden.“

Aus dem positiven Feedback der ersten Wochen hat 96 im Vereinssportzentrum neue Eindrücke und Kraft gewonnen. Die Verantwortlichen wollen in Zukunft beim Thema Digitalisierung mehr bieten und von dem neuen technischen Wissen profitieren. „Unsere Idee dabei ist, mehr auf Social Media aktiv zu sein oder auch Live­streams und Podcasts zu machen. Den Schritt hätten wir ohne Corona so vermutlich nicht geschafft“, sagt Geschäftsführer Frank Feldmann.

30 Leute forderten Beitragsrückerstattung

Eine mögliche Mitgliederflucht war während des Shutdowns bei 96 kein Thema. „Es haben insgesamt nur unter 30 Leute eine Rückerstattung ihres Monatsbeitrags gefordert“, sagt Feldmann. Im Vergleich mit anderen Unternehmen, beispielsweise der Fitnessbranche, sei diese Zahl laut Hoffmann „ziemlich gering und die Solidarität der Mitglieder bei Weitem nicht so hoch wie bei uns“.

Um die Vorsichtsmaßnahmen und Hygieneregeln immer im Überblick behalten zu können, sind alle Mitglieder dazu angehalten, sich per Online-Registrierung für einen Termin einzutragen. Sowohl der Zu- als auch der Ausgang des Vereinssportzentrums ist über unterschiedliche Wege geregelt. Höchstens 16 Mitglieder dürfen an den Angeboten teilnehmen. Eine strenge Tagesordnung, die aber unter der Berücksichtigung der aktuellen Umstände ihren Zweck voll und ganz erfüllt.

Zuversichtlich in die Zukunft: Frank Feldmann (links) und Dennis Hofmann wollen vermehrt  am Programm der Fitnessabteilung arbeiten.
Zuversichtlich in die Zukunft: Frank Feldmann (links) und Dennis Hofmann wollen vermehrt am Programm der Fitnessabteilung arbeiten. © Debbie Jayne Kinsey

Sogar das Training mit den Kids funktioniert laut Volleyball-Trainerin Milena Wahlmann „mittlerweile sehr gut“. Und hier werden die Regeln sogar noch einmal verschärft. Die Kurse der Kleinen sind nach Altersgruppen geregelt. Je älter die Kinder, desto mehr dürfen teilnehmen. Bis zu acht Personen maximal.

„Anfangs brauchte es ein wenig Zeit, damit sich alle an den Sicherheitsabstand und die Hygienemaßnahmen gewöhnen. Ich muss zwar noch ab und zu etwas sagen und die Kinder auseinander halten, aber insgesamt lässt sich alles ziemlich gut einhalten“, sagt die 23-Jährige.

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Gewissheit über die Zukunft hat man bei 96 dennoch vorerst nicht. „In wiefern die Einstellung der Menschen, unbedingt in der Gesellschaft wieder Sport treiben zu wollen, im Vergleich zu dem Risiko, das jeder dafür hinnehmen muss überwiegt, können wir mit Sicherheit erst in zwei bis drei Monaten beantworten“, sagt Hoffmann.

96 versucht, den Mitgliedern weiterhin ein – zumindest halbwegs normales – Training zu ermöglichen. Leider ist Normalität in Zeiten der Pandemie ein Wort, das nicht allzu häufig fallen kann.