26. Februar 2019 / 12:08 Uhr

Nach DFB-Amateur-Kongress: Neue Anreize für das Ehrenamt

Nach DFB-Amateur-Kongress: Neue Anreize für das Ehrenamt

Stefan Freye
Weser-Kurier
Symbolbild
Symbolbild © Leipzig report
Anzeige

Wie drei Bremer die Zusammenkunft von Vereins- und Verbandsvertretern erlebten

Anzeige
Anzeige

Drei Tage, 288 Delegierte und eine Frage: Wie kann sich der kleine Fußball für die Zukunft aufstellen? In Kassel fand der 3. Amateurfußball-Kongress statt mit einem mehr als umfangreichen Programm. Es gab jede Menge Referate und diverse Workshops, eine freie Minute für die Teilnehmer gab es eigentlich nicht. Aber eines war auch klar nach der großen Zusammenkunft von Vereins- und Verbandsvertretern: Die entscheidende Frage wurde nicht beantwortet. Noch nicht.

Zwar wurden all die Probleme der Amateurvereine behandelt, und es gab auch viele Ideen und Anregungen, wie sie zu lösen sind. Aber erst die Nachbearbeitung des Kongresses wird zu verwertbaren Ergebnissen führen – im 3. Masterplan Amateurfußball. „Aber die Veranstaltung hat trotzdem meine Erwartungen übertroffen“, sagt Gerrit Süßmann. Der Jugendleiter des ATS Buntentor war einer von insgesamt drei Delegierten aus Bremen. Ihm geht es wie Andreas Iversen (SFL Bremerhaven) und Stefanie Schäfer (TSV Lesum-Burgdamm): Die drei Tage von Kassel waren so voller neuer Eindrücke, das sie erst einmal verarbeitet werden müssen. „Das war manchmal schon zu überfrachtet“, findet Süßkind, und auch Andreas Iversen hat den Austausch mit anderen Delegierten angesichts des straffen Programms etwas vermisst.

Natürlich hätte er gern mal erfahren, wie die Vereine in anderen Regionen der Republik so arbeiten, wie sie die tägliche Arbeit stemmen und auf der Personalebene aufgestellt sind. „Aber das kam ein bisschen zu kurz“, sagt der Bremerhavener. Doch auch er ist sich sicher, dass der Kongress „den Amateurfußball nach vorn bringen“ wird. Das liegt an den nützlichen Informationen, die die Delegierten erfuhren in zahlreichen Vorträgen. Es liegt aber vor allem an den vielen Workshops. „Sie waren das Salz in der Suppe“, sagt der SFL-Abteilungsleiter. Mal im großen Kreis, also mit allen 288 Teilnehmern, mal in kleineren Gruppen wurden ganz konkret die Probleme der Vereine angesprochen und nach Lösungsmöglichkeiten gesucht. „Und dabei ging es auch um das Ehrenamt, das für mich akuteste Problem“, sagt Stefanie Schäfer.

Die Lesumerin zählt zwar zum Trainerteam der U 17 des JFV Bremen (TSV Lesum, SG Aumund-Vegesack, SV Grohn). Sie weiß aber nur zu gut, womit sich die Kollegen ihres Stammvereins täglich herumschlagen müssen – es sind ja nach wie vor auch ihre Probleme. Da geht es um ein Vereinsheim, das nicht bewirtschaftet wird, fehlende Plätze und Hallenzeiten oder die Suche nach Trainern – und am Ende immer darum, dass sich Leute dieser Missstände annehmen. „Das sind 1000 Aufgabengebiete, die zur Vereinsführung gehören“, sagt Stefanie Schäfer. Sie vergleicht die Arbeit eines Vereins deshalb gern mit der Führung eines Unternehmens, und die ist ja auch nur mit der nötigen Man-Power umsetzbar.

Mehr aus der Bremer Amateurszene

Auch Andreas Iversen bezeichnet die Pflege des Ehrenamts als „Hauptproblem“. Er erwartet deshalb auch konkrete Ergebnisse aus dem Kongress in Kassel, eine „Hilfestellung im Ehrenamts-Management“. Denn es ist eben nicht so leicht, die Leute bei der Stange zu halten oder gar neue Helfer zu generieren. Iversen: „In der Regel läuft es bei unseren Mitgliedsversammlungen doch so: Die Amtsträger machen weiter, weil kein anderer will und sie ihren Verein nicht im Stich lassen wollen.“ Es soll zukünftig darum gehen, wie sich Anreize schaffen lassen. Wie man Menschen dazu bringt, sich ehrenamtlich in einem Klub zu engagieren. „Wie können wir das professioneller angehen?“, fragt Andreas Iversen.

Die „Entwicklung der Spielstätten“ war für ihn ein weiteres großes Thema. In dieser Hinsicht müsste aus seiner Sicht mehr Lobby-Arbeit geleistet werden – durch die Verbände, aber auch durch die Vereine selbst. Für Gerrit Süßmann, den Jugendleiter aus Buntentor, sind dagegen noch ein paar andere Probleme von Interesse. Er findet, der Spielbetrieb könnte flexibler gestaltet werden. Denn es sei ja auch nicht so, dass die Kinder allen Vereinen die Türen einrennen. „Vielleicht sollte es deshalb auch mal möglich sein, mit neun gegen neun zu spielen“, sagt Süßmann.

Es gibt also eine ganze Menge Missstände und Lösungsansätze. „Aber ich habe nach dem Kongress das Gefühl, dass wir Einfluss nehmen können“, sagt Gerrit Süßmann. Denn eines ist ihm klar geworden: „Die Bereitschaft zur Veränderung ist überall vorhanden, auch in den Verbänden.“