14. Oktober 2021 / 16:13 Uhr

Nach dreijähriger Derby-Pause: TSG Wismar kommt als Außenseiter nach Rostock

Nach dreijähriger Derby-Pause: TSG Wismar kommt als Außenseiter nach Rostock

Stefan Ehlers
Ostsee-Zeitung
Sie gehört zu den Leistungsträgerinnen der TSG Wismar: Kreisläuferin Stefanie Laas (M.), hier im Pokal-Spiel gegen Blau-Weiß Neukloster.
Sie gehört zu den Leistungsträgerinnen der TSG Wismar: Kreisläuferin Stefanie Laas (M.), hier im Pokal-Spiel gegen Blau-Weiß Neukloster. © Fotos: Daniel Koch
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Endlich wieder Derby-Zeit in Rostock! Nach dreijähriger Pause treffen die Handballerinnen des RHC und der TSG Wismar aufeinander. Das Rostocker Juniorteam geht als Favorit in die Oberliga-Partie. Anschließend treten die Dolphins in der 3. Liga gegen Pfeffersport Berlin an.

Stefanie Laas ist die Vorfreude auf das Derby anzumerken. Am Sonnabend gastiert die Handballerin mit der TSG Wismar beim Rostocker HC. Wie oft die 36 Jahre alte Kreisläuferin schon gegen den Landesrivalen gespielt hat, weiß sie nicht genau, „aber das zehnte Duell ist es bestimmt“.

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Laas gehörte schon 2003 zum Aufgebot der TSG. Damals mischten beide Teams in der 2. Bundesliga mit. „Ob in Wismar oder in Rostock – die Derbys waren die Highlights des Jahres. Die Zuschauer waren mit Herzblut dabei, die Hallen ausverkauft“, erzählt die Schwerinerin. Über 1000 Besucher jubelten den TSG-Damen seinerzeit zu.

Doch das ist Schnee von gestern. Heute kämpft die TSG in der Oberliga Ostsee-Spree ums Überleben. Laas sieht ihr Team, das mit drei Niederlagen und einem Unentschieden in die Saison gestartet ist, gegen den RHC in der Außenseiterrolle. Dabei schicken die Gastgeberinnen, die in der Saison 2017/18 beide Duelle gegen Wismar verloren hatten, lediglich ihr Juniorteam (5:5 Punkte) ins Rennen. „Es ist eine Ehre, gegen Rostock zu spielen, auch wenn es nur die zweite Mannschaft ist. Wir brennen ziemlich darauf“, versichert die 1,70 Meter große Kreisläuferin.

Der Rostocker HC habe professionellere Strukturen, auch im Jugendbereich, anerkennt Sven Hünerbein, Abteilungsleiter der TSG. In Wismar sei in der Vergangenheit vieles gut gelaufen – allerdings sei die Nachwuchsarbeit vernachlässigt worden. „Das war ein bisschen sorglos. Dafür bekommen wir jetzt die Quittung. Uns fehlt das eigene Standbein“, meint Hünerbein.

Nach 20-jähriger Zugehörigkeit zur DDR-Oberliga, vier Spielzeiten in der Bundesliga (zuletzt 1996/97), 16 Jahren in der zweiten sowie sechs in der 3. Liga trat die TSG 2019 freiwillig den Rückzug in die MV-Liga an – auch aus finanziellen Gründen. „Es ist wichtig, dass der Frauen-Handball wieder eine gute Rolle spielt“, sagt Hünerbein. Mit dem Aufstieg in die Oberliga ist ein erster Schritt gemacht.

Auch der Rivale RHC wünscht dem Nachbarn eine erfolgreiche Zukunft. „Wismar war immer eine Hochburg im Frauen-Handball. Wir hoffen, dass sich die TSG schnell stabilisiert und wieder angreift – aber das muss nicht gegen unser Juniorteam sein“, sagt Klubchef Olaf Meyer.


60 Jahre nach der Gründung plagt die TSG ein massives Hallenproblem. Die Sporthalle an der Bürgermeister-Haupt-Straße steht auf Grund von Sanierungsarbeiten frühestens 2023 erst wieder zur Verfügung. Danach wird die alte Brecht-Halle, in der die Handballerinnen trainieren, abgerissen und neu gebaut. „Man muss schon ins Fernrohr gucken, ehe man Entspannung in der Hallensituation sieht“, meint Hünerbein.

Die Heimspiele werden im benachbarten Dorf Mecklenburg vor rund 120 Zuschauern ausgetragen. Wohnzimmer-Atmosphäre herrsche dort noch nicht, meint Stefanie Laas. „Wir sind dort nur Gast. Es ist nicht die eigene Halle.“

Dennoch hat sie den Spaß am Spiel nicht verloren. Im Gegenteil. „Wir genießen, dass wir wieder spielen dürfen“, meint Laas in Erinnerung an den Lockdown. Die vergangene Saison wurde bereits nach dem dritten Spieltag abgebrochen. „Als Amateure durften wir sieben Monate nicht in die Halle“, erzählt die Rechtshänderin, die als Verkäuferin bei einem Juwelier im Schweriner Schlosspark-Center von Kurzarbeit betroffen war.

Stefanie Laas ging, sobald es die Corona-Bedingungen zuließen, ins Fitnessstudio und entdeckte das Home-Workout für sich. „Ich lade mir Youtube-Videos herunter. Das macht mir Riesenspaß“, sagt die Spielerin und kommt zu dem Schluss: „Ich mache privat mehr Sport als in der Halle.“

Doch auf den Mannschaftssport möchte sie nicht verzichten. Durch Corona habe sie gemerkt, „dass uns der Handball so viel gibt“, sagt Laas, auch wenn sich ihr Team nach dem Neubeginn noch in der Findungsphase befindet.

Die TSG-Damen werden nach dem Spiel am Sonnabend in der Fiete-Reder-Halle (Anwurf 16 Uhr) am Ball bleiben – als Zuschauerinnen. Um 18.30 Uhr empfangen die Dolphins in der 3. Liga Pfeffersport Berlin. „Das Spiel werden wir uns anschauen“, kündigt Stefanie Laas an.