13. September 2021 / 19:17 Uhr

Nach Eskalation zwischen Chemie Leipzig und BFC Dynamo: Polizei verteidigt Vorgehen

Nach Eskalation zwischen Chemie Leipzig und BFC Dynamo: Polizei verteidigt Vorgehen

Redaktion Sportbuzzer
RedaktionsNetzwerk Deutschland
BSG Chemie beim Spiel gegen den BFC Dynamo
Die Partie zwischen Gastgeber BFC Dynamo und BSG Chemie Leipzig war eine heftige Angelegenheit. © Moritz Heidenblut
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Nach chaotischer "Nachspielzeit": Am Tag nach den Ausschreitungen im Rahmen des Gastspiels der BSG Chemie Leipzig beim BFC Dynamo steht einmal mehr Aussage gegen Aussage. Der Nordostdeutsche Fußballverband (NOFV) hat ein Sportgerichtsverfahren eingeleitet.

Leipzig. Die Regionalliga-Begegnung zwischen Tabellenführer BFC Dynamo und der BSG Chemie Leipzig firmierte schon vor Anpfiff unter „Risikospiel“. Der Nordostdeutsche Fußballverband (NOFV) entsandte deshalb einen offiziellen Spielbeobachter. Lutz Mende, Vorsitzender des Ausschusses für Prävention, verfolgte die 0:2-Niederlage der Grün-Weißen vor Ort und hatte Einiges zu protokollieren.

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500 Fans der BSG Chemie waren zugegen, um ihre Mannschaft zu supporten. Der Fanblock des BFC, direkt hinter der Gästebank angesiedelt, versuchte dagegenzuhalten. Während des Spiels schlug dann ein mit Steinen gefüllter Bierbecher an der Wand der BSG-Bank ein. In der Halbzeit nahm die Polizei einen Zuschauer vorübergehend fest, der nach dem 1:0 des BFC mit Hitlergruß Richtung Chemie-Kurve „jubelte“. Die Behörde betätigte den Sachverhalt auf SPORTBUZZER-Anfrage. Ermittelt wird wegen Verstoßes gegen Paragraph 86a Strafgesetzbuch, Zeigen von Symbolen verfassungswidriger Organisationen. Bei einer Aktion des eingewechselten Benjamin Luis in der 86. Minute waren einmalig vereinzelte Affenlaute zu hören.

DURCHKLICKEN: Die Bilder zur 0:2-Niederlage von Chemie Leipzig

In einem spannenden Spiel unterlag Chemie Leipzig dem BFC Dynamo mit 0:2. Den Grün-Weißen fehlte am Sonntag etwas die spielerische Note. Zur Galerie
In einem spannenden Spiel unterlag Chemie Leipzig dem BFC Dynamo mit 0:2. Den Grün-Weißen fehlte am Sonntag etwas die spielerische Note. ©

Nach dem Abpfiff eskalierte die Situation. Die Gäste wurden vor ihrer Bank beleidigt und mit mehreren Steinbechern, Holzlatten und anderen Gegenständen beworfen. Dem SPORTBUZZER liegt entsprechendes Bildmaterial vor. Wieder ertönten Affenlaute und massive Beleidigungen gegen Trainer Miroslav Jagatic, der unter anderem als „Kanake“ beschimpft wurde. Seiner Familie wurde mit „Vergasung“ gedroht. „Ich weiß es sind nicht alle, aber einige. Ich höre viel weg. Ich bin in Soltau geboren, habe einen deutschen Pass,“ sagte er später.

Polizei-Trupp stürmt BSG-Block

Gastgeber BFC nahm am Montag per Pressemitteilung Stellung, erklärte, die Provokationen hätten in den Reihen der Chemiker ihren Ursprung gehabt „Die gegenseitigen Beleidigungen mündeten schließlich im Werfen von Bierbechern und Gegenständen. Statt besonnen und deeskalierend zu reagieren und den Platz zu verlassen, heizte der Chemie-Trainer die entstandene Situation mit seinem Verhalten leider weiter an“, so der Viertligist. Ob Jagatic die Nerven vor oder nach den Beleidigungen verlor, erwähnten die Berliner nicht.

Klar scheint: Als die bereits abreisenden BSG-Fans die Situation bemerkten, kehrten einige von ihnen in den Block zurück. So beobachtete es Lutz Mende. Nach Polizeiangaben betraten BFC-Anhänger das Spielfeld. Chemie-Fans versuchten ihrerseits, die Sicherheitsabsperrung zu überwinden. Ein Polizei-Trupp stürmte daraufhin den BSG-Block, setzte massiv Pfefferspray ein. Im Weg stehende Personen, darunter auch die Mutter von Leipzigs Kicker Anton Kanther, wurden teilweise ohne jede Rücksicht umgestoßen. „Sie stand einfach nur da, der Polizist wollte an ihr vorbeilaufen und hat sie weggeschubst.“

Beide Fan-Gruppierungen mitverantwortlich

Die Polizei verteidigte das Vorgehen im Block am Sonntag. „Wir, als Einsatzkräfte, haben gegen relevante Störer Pfefferspray eingesetzt. Wir kennen die Gewaltbereitschaft. Um Festnahmen zu erzielen wurde entsprechend vorgegangen.“ Der Einsatz sei begründet gewesen. Chemie-Vorstandsmitglied Marc Walenta verstand die Vorgehensweise nicht. „Der Einsatzleiter hat mir im Nachgang attestiert, dass sich unsere Fanszene vorbildlich benommen hätte“, erklärte Walenta, der selbst eine Portion Pfefferspray abbekommen hatte. Ebenso wie Aufsichtsratsmitglied Stefan Schilde, der im Block stand und schlichten wollte und dabei die „volle Dröhnung“ Reizspray schluckte. „Die Polizei muss viel eher Präsenz zeigen bei den Leuten, die die Mannschaft beworfen und angegriffen haben. So eskalierte die Lage völlig sinnlos.“


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Die Behörde sieht das anders. „Beide Gruppierungen sind mitverantwortlich, dass sich die Situation so hochgeschaukelt hat“, so ein Sprecher. Die Polizei habe ein Strafverfahren gegen BFC-Fans wegen Hausfriedensbruchs und Körperverletzung eingeleitet. Wegen Angriffs auf einen Polizisten wurde ein Chemie-Fan festgenommen. Der NOFV hat seinerseits ein Sportgerichtsverfahren eingeleitet. Dabei fließen das Protokoll von Mende und der Bericht der Schiedsrichter ein. „Das Gericht wird sicherlich auch noch Zeugen anhören“, so Verbandspräsident Hermann Winkler, der die Aktionen verurteilt. „Wir wollen solche Begleiterscheinungen nicht.“

Jens Fuge und Stephanie Riedel