17. November 2021 / 13:57 Uhr

Fernbeziehung vorbei: Wolfsburg-Ass Melchiori feiert Wiedersehen in der Stadt der Liebe   

Fernbeziehung vorbei: Wolfsburg-Ass Melchiori feiert Wiedersehen in der Stadt der Liebe   

Jürgen Braun
Wolfsburger Allgemeine / Aller-Zeitung
Julian Melchiori von den Grizzlys Wolfsburg feiert das Tor zum 1:1 wŠhrend des Spiels zwischen den EisbŠren Berlin gegen die Grizzlys Wolfsburg am 07.05.2021 in Berlin, Deutschland. (Foto von City-Press GmbH)
Romantik-Urlaub: Die Saison 20/21 mussten Julian Melchiori, der Marathon-Mann der Grizzlys Wolfsburg, und seine Freundin Leslie Marie getrennt verbringen. Jetzt sind sie rundum glücklich und genossen Paris, bevor der Profi wieder massiv auf dem Eis gefordert ist. © City-Press Gmbh/Grizzlys Wolfsburg, privat
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Mit dem Spiel am Donnerstag gegen Augsburg beginnt für die Grizzlys Wolfsburg und die Konkurrenz im Eishockey-Oberahus wieder ein wilder Ritt . Ohne Pause, mit etlichen englischen Wochen. Die Deutschland-Cup-Pause tat Not, für Wolfsburgs Julian Melchiori war sie eine ganz besondere.

Mit dem Spiel am Donnerstag (19.30 Uhr) gegen Augsburg beginnt für die Grizzlys Wolfsburg und die Konkurrenz im Eishockey-Oberhaus wieder ein wilder Ritt . Ohne Pause, mit etlichen englischen Wochen. Die Deutschland-Cup-Pause tat Not, für Wolfsburgs Julian Melchiori war sie eine ganz besondere.

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Diese Zeit und vor allem diesen Ort hatte sich dieses Paar der Grizzlys redlich verdient. In der Deutschland-Cup-Pause ging es für Abwehr-Marathonmann Julian Melchiori und Freundin Leslie Marie in die Stadt der Liebe, ins romantische Paris. "Blauer Himmel, das Wetter war super", schwärmte der Verteidiger des Wolfsburger Eishockey-Erstligisten. Rund neun Monate vom Spätsommer 2020 bis ins Frühjahr 2021 hatten die beiden Liebe auf Distanz gehabt, eine Facetime-Beziehung. Sie in Toronto. Er in Wolfsburg.

Das war nicht der Plan gewesen. Wegen der unsicheren Corona-Lage hatte Melchiori seinen Vertrag im fernen Tatarstan im Sommer 2020 nicht angetreten, Wolfsburgs Manager Charly Fliegauf fasste bei dem Akteur, den er schon länger auf dem Zettel hatte, noch einmal nach. Melchiori unterschrieb. Leslie Marie sollte mitkommen, doch Corona bremste sie aus. Schließlich war sie keine mitreisende Ehefrau, hatte keinen Arbeitsvertrag in Deutschland. Es hieß am geplanten Abflugtag "No". Die Regeln waren auch in Kanada streng, es gab mehrere Anläufe, es reichte nicht. Fliegauf erinnert sich: "Ich glaube, wir hatten schon drei-, viermal einen Flug vorbereitet."

Im Februar hakten die beiden das Wiedersehen während der Saison ab. Also Facetime-Zeit. Täglich. Melchiori: "Immerhin passte es zeitlich ganz gut. Wenn ich ins Bett musste, war es in Kanada Nachmittag." Trotzdem blieb Sehnsucht. Auch nach Kätzchen Nonna. Die Scottish-Fold-Mieze (eigenes Instagram-Profil, fast 600 Follower, darunter natürlich auch die Grizzlys-Katzenliebhaber Fabio Pfohl und Dominik Bittner) tröstete die Freundin, fehlte dem Verteidiger auch. "Nonna war ein Weihnachtsgeschenk 2019 gewesen. Am 1. Januar haben wir sie dann bei einem Züchter in New York abgeholt", erzählt Leslie Marie. Nonnas Instagram-Profil - das habe sich zwangsläufig ergeben. "Wir hatten so viele Bilder von ihr."

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Katze
Endlich in Wolfsburg vereint: Julian Melchiori, Freundin Leslie Marie und Kätzchen Nonna. © privat

Melchiori musste weiter Bilder schauen. Immer weiter. Hatte es zwischenzeitlich so ausgesehen, als könnte die Saison für die Grizzlys mit der Hauptrunde zu Ende sein, oder früh in den Play-Offs, in die man als Außenseiter ging - es kam anders. Wolfsburg ging den langen Weg. "Die volle Distanz, bis ins Finale, aber leider nicht gewonnen. Deshalb war es eine bitter-süße Saison", sagt der Ex-NHL-Spieler.

"Es war schon eine seltsame Zeit", erzählt die Freundin. Aber: "Es war irgendwie auch schön." Denn in Kanada herrschten teilweise strikte Kontaktbeschränkungen. "Julians Spiele haben uns daheim in Toronto als Familie zusammengeführt. Wir haben oft die Spiele gemeinsam geschaut und mitgejubelt."

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Die Fernbeziehung - sie tat der Leistung des Verteidigers keinen Abbruch. Zwar schoss er nur zwei Tore, das zweite allerdings war ebenso schön wie wichtig, bescherte den Grizzlys einen Sieg beim Start in die Finalserie. Melchiori war aber der Ankerspieler in der Defensive, kein Grizzly hatte mehr Eiszeit, auch Liga-weit war der Hüne in dieser Hinsicht eine Ausnahmeerscheinung.

Lob von Coach Stewart

Mit durchschnittlich 22:46 Minuten ist er bei den Grizzlys immer noch am häufigsten auf dem Eis. Aber das ist ein normaler Wert, rund vier Minuten weniger als 2020/21. Coach Mike Stewart: "Ich hatte im Sommer lange mit ihm telefoniert, über seine Rolle und wie wir Eishockey spielen wollen. Und wie er weniger Eiszeit sehe. Denn eigentlich will ja jeder immer viel." Mit dem neuen Coach wollten die Grizzlys aber offensiver werden, selbst aktiver. Der Coach erläutert: "Wenn du an die 30 Shifts pro Spiel machst, über 25 Minuten Eiszeit, dann bist du nicht in jeder Situation voll da. Und du kannst im Training auch keine optimale Leistung bringen, musst dich da fast ausruhen."

Bereits vier Tore in dieser Spielzeit kommen wohl nicht von ungefähr. Oder liegt es auch daran, dass der Kanadier endlich seine Freundin wieder hat, die zu Saison-Beginn mit Nonna im Handgepäck endlich einfliegen durfte? Fakt ist jedenfalls: Der Profi fühlt sich wohl, die Freundin auch. "Ich liebe es hier. Endlich wieder mit Fans Eishockey zu gucken, dazu kommt, dass die ganzen Partnerinnen der Spieler wie eine große Familie sind. 22 Freundinnen. Es ist toll." Der kleine Urlaub in der Stadt der Liebe war ein Highlight nach vielen Entbehrungen. Und das gönnte natürlich auch der Coach seinem Führungsspieler. Stewart: "Julian ist auch menschlich herausragend. Nicht ohne Grund wählt eine Mannschaft einen Spieler zum Vize-Kapitän, der erst rund ein halbes Jahr mit ihr gespielt hat."

Fragezeichen hinter Furchner

Das erste Heimspiel dieser Saison gegen den Donnerstag-Gast Augsburg hatten die Grizzlys Wolfsburg gewonnen, das 6:5 n. V. nach 4:0-Führung war am Ende schwer erkämpft. Grizzlys-Coach Mike Stewart warnt: "Die Panther haben einen durchwachsenen Start in die Saison hingelegt, aber sie sind eine gefährliche Mannschaft." Wolfsburgs Trainer hat die Qual der Wahl, muss aber eventuell seinen Kapitän ersetzen. Hinter dem Einsatz von Stürmer Sebastian Furchner steht ein Fragezeichen. Der Routinier fühlte sich gestern krank, eine Entscheidung über seinen Einsatz fällt heute. Verteidiger Janik Möser und den Stürmern Phil Hungerecker und Valentin Busch waren zuletzt überzählige Ü23-Akteure, einer aus dem Trio könnte einspringen, ansonsten wird Stewart, dem zuletzt erfolgreichen Aufgebot (3:2 gegen Bietigheim) vertrauen. Das Tor wird Dustin Strahlmeier hüten. Die U23-Akteure Thomas Reichel, Steven Raabe und Jan Nijenhuis, die am Dienstag mit Oberligist Hannover Scorpions 5:2 bei den Hamburg Crocodiles gewannen, sind an Bord.

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