12. Juni 2022 / 18:53 Uhr

Nach Festnahme in Spanien: Was Stuttgart-Profi Karazor vorgeworfen wird – und was ihm drohen könnte

Nach Festnahme in Spanien: Was Stuttgart-Profi Karazor vorgeworfen wird – und was ihm drohen könnte

Redaktion Sportbuzzer
RedaktionsNetzwerk Deutschland
Atakan Karazor wurde auf Ibiza festgenommen.
Atakan Karazor wurde auf Ibiza festgenommen. © IMAGO/Laci Perenyi
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Atakan Karazor vom VfB Stuttgart ist auf Ibiza festgenommen worden. Der 25 Jahre alte Mittelfeldspieler bestreitet jede strafbare Handlung. Der Bundesliga-Klub ist mit seinen Anwälten in Kontakt.

Atakan Karazor vom VfB Stuttgart ist nach Angaben seines Vereins während eines Urlaubs auf der spanischen Ferieninsel Ibiza festgenommen worden. Der Mittelfeldspieler bestreite jede strafbare Handlung, teilte der Bundesliga-Klub am Samstag mit. "Der VfB ist mit seinen Anwälten in ständigem Kontakt“, hieß es weiter. Was ihrem 25 Jahre alten Mittelfeldspieler vorgeworfen wird, teilten die Schwaben nicht mit. "Da es sich um ein laufendes Verfahren handelt, bitten wir um Verständnis, dass sich der VfB vorerst nicht weiter äußern kann." Die Polizei auf Ibiza bestätigte auf dpa-Anfrage nur die Festnahme von zwei 25 Jahre alten Deutschen, die von einer jungen Spanierin der Vergewaltigung beschuldigt würden. Die Identitäten der beteiligten Personen würden vorerst nicht bekannt gegeben.

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Berichten spanischer Medien zufolge soll es in der Nacht von Dienstag auf Mittwoch in einer Villa nahe Sant Josep zu der mutmaßlichen Tat gekommen sein. Eine 18-Jährige habe sich später in einem Krankenhaus untersuchen lassen und bei der Polizei Anzeige erstattet. Die beiden Deutschen seien festgenommen worden, ein Richter habe Untersuchungshaft angeordnet. Die Möglichkeit einer Freilassung gegen Kaution habe er abgelehnt. Auf Vergewaltigung stehen in Spanien bis zu 15 Jahre Haft – in Deutschland sind es zehn Jahre. Die Höchststrafe könnte ausgesprochen werden, falls sich bestätigen sollte, dass sich beide Männer – und nicht nur einer – strafbar gemacht haben. Dann wäre es ein Fall von Gruppenvergewaltigung.

Sexualstraftaten werden in Spanien sehr ernst genommen. Das Strafrecht wird gerade mit dem "Nur Ja heißt Ja"-Gesetz verschärft. Sexuelle Übergriffe werden nach dem Inkrafttreten des Gesetzes als Vergewaltigung betrachtet – auch wenn sich das Opfer aus Angst nicht wehrt und eine Handlung geschehen lässt. Als Belastungsmaterial gibt es im aktuellen Fall nach Informationen der Lokalzeitungen einen ärztlichen Bericht des Krankenhauses Can Misses im Inselhauptort Ibiza, in das sich die junge Frau sofort nach der mutmaßlichen Tat begab. Solange kein entlastendes Beweismaterial auftaucht, können die Beschuldigten vorerst nicht mit ihrer Entlassung aus dem Gefängnis rechnen.

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Verschärftes Strafrecht auf Fall in der Vergangenheit zurückzuführen

Mit der Verschärfung des Gesetzes reagierte die linke Regierung in Madrid auf mehrere Fälle von Gruppenvergewaltigungen, bei denen Täter mit milden Strafen davongekommen waren. Große Empörung hatte 2016 die Vergewaltigung einer Frau in Pamplona durch eine Gruppe von fünf junger Männer ausgelöst. Ein Gericht sah den Tatbestand der Vergewaltigung als nicht gegeben an, weil es, wie es im Urteil von 2018 hieß, "weder Schläge noch Drohungen" gegeben habe und das Opfer passiv geblieben sei.

Das Urteil löste damals Proteste im ganzen Land aus. Politiker und Demonstranten im ganzen Land protestierten, weil sie die Strafe für zu niedrig hielten. In zweiter Instanz befanden die Richter, dass es sich nicht um Missbrauch, sondern um Vergewaltigung gehandelt habe und verhängten die Höchststrafe von 15 Jahren Haft. Mittlerweile steht eine Gesetzesreform kurz vor dem Abschluss, die nicht mehr zwischen Missbrauch und anderen Formen der sexuellen Aggression unterscheidet.