23. Februar 2021 / 18:24 Uhr

Nach Führungswechsel bei Babelsberg 03: Das sagen Archibald Horlitz und Björn Laars

Nach Führungswechsel bei Babelsberg 03: Das sagen Archibald Horlitz und Björn Laars

Mirko Jablonowski
Märkische Allgemeine Zeitung
Björn Laars (r.) mit Babelsberg 03-Vorsitzendem Archibald Horlitz.
Archibald Horlitz (l.) übernahm im Frühjahr 2013 die Geschicke beim damaligen Drittligisten SV Babelsberg 03 und arbeitete im Anschluss jahrelang mit seinem jetzigen Nachfolger Björn Laars (r.) zusammen. © Jan Kuppert
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Regionalliga Nordost: Hinter dem SV Babelsberg 03 liegen turbulente Stunden, in denen der langjährige Vorstandsvorsitzende vom Ausichtsrat abberufen wurde. Horlitz will dem Verein trotzdem wohl gesonnen und möglicherweise in anderer Funktion erhalten bleiben.

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Sein Handy steht seit Montagabend kaum still. Unverständnis und ein Stück weit Enttäuschung klingen in seiner Stimme mit: Nach fast acht Jahren als Vorstandsvorsitzender des Fußball-Regionalligisten SV Babelsberg 03 wurde Archibald Horlitz am Montagabend vom Aufsichtsrat abberufen. Sein Nachfolger steht mit dem kurz zuvor aus diesem Kontrollgremium zurückgetretenen Björn Laars bereits fest. Nach der aus Sicht des 62-Jährigen lange „geplanten Übergriffigkeit“ des Aufsichtsrates will der Unternehmer aber „nicht den Stab über den Verein brechen“, für dessen Wohlergehen er in den vergangenen Jahren viel Zeit und Herzblut investiert habe. „Ich habe ein hohes Interesse daran, dass es dem Verein auch zukünftig gut geht.“

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Im Frühjahr 2013 übernahm er als Notvorstand die Geschicke beim damaligen Drittligisten, der wenige Wochen später in die Regionalliga abstieg und seitdem in der vierthöchsten deutschen Spielklasse auf Punktejagd geht. In den vergangenen Jahren erlebte er mit dem Kiezclub turbulente Zeiten und hatte großen Anteil an der finanziellen Sanierung des Vereins. Dass durch die kurzfristige und am Montagabend in einer Pressemitteilung des Vereins veröffentlichte Abberufung der Eindruck erweckt werden könnte, er hätte „goldene Löffel geklaut“ oder sich „anderweitig irgendetwas Relevantes vorzuwerfen“, bedauert Horlitz sehr. Das Vorgehen des Aufsichtsrates kann er nicht nachvollziehen.

In Bildern: Von Hermann Andreev bis Predrag Uzelac: Die Trainer des SV Babelsberg 03 seit 2003.

Von Hermann Andreev bis Marco Vorbeck: Die Trainer des SV Babelsberg 03 seit 2003. Zur Galerie
Von Hermann Andreev bis Marco Vorbeck: Die Trainer des SV Babelsberg 03 seit 2003. © Jan Kuppert

Als Gründe für die Abberufung wurden „unterschiedliche Vorstellungen bezüglich der Führung und Ausrichtung des Vereins und der damit einhergehende Vertrauensverlust“ genannt. Was genau diese unterschiedlichen Vorstellungen seien, blieb der Aufsichtsrat laut Horlitz auch ihm gegenüber – trotz mehrfacher Aufforderung – schuldig. Am Montagabend sei er um 20.12 Uhr durch den stellvertretenden Aufsichtsratsvorsitzenden Tobias Brauhart über seine Abberufung in Kenntnis gesetzt. In der gut eine Stunde später verschickten Vereinsmitteilung dankt Björn Laars seinem Vorgänger für „wichtige Verdienste um den Verein“ und führt weiter aus: „Seit Beginn der aktuellen Legislatur (Anm. d. Red., Sommer 2019) gab es Gespräche über eine zeitnahe Übergabe und einen Wechsel an der Vorstandsspitze. Seit geraumer Zeit hat sich jedoch abgezeichnet, dass es unterschiedliche Vorstellungen darüber gibt, wie ein solcher Wechsel durchgeführt werden kann. Um eine Blockade zu verhindern, mussten wir nun diesen Schritt gehen.“ Gerade mit Blick auf die Planung der kommenden Saison, für die jetzt viele Sachen – wie zum Beispiel eine Etatplanung – angeschoben werden müssten, hätte es keinen späteren Zeitpunkt für die Entscheidung geben dürfen, sagt Laars, der beim Training am Dienstag auch zur ersten Mannschaft sprach und sie über die kommenden Abläufe und Vorhaben in Kenntnis setzte. „Die Jungs sollen wissen, an wen sie sich im Falle von Fragen wenden können.“

Ob seine persönliche Demission, die laut Laars, der sich ebenso wie Katharina Dahme bei der Aufsichtsrat-Abstimmung enthielt, „breit getragen wurde“, ohne Abberufung des gesamten Vorstandes und Anhörung des Ehrenrates satzungskonform sei, bezweifelte Horlitz. Dennoch stellt er klar: „Ich werde keinen Rechtsstreit vom Zaun brechen.“ Vielmehr will er sich trotz seines abrupten Abschieds aus vorderster Front bei der nächsten Mitgliederversammlung für einen Posten im Aufsichtsrat zur Wahl stellen. So wie es ohnehin geplant gewesen sei. Bei dieser Veranstaltung – ob digital oder mit der Möglichkeit der Präsenz – soll von den teilnehmenden Mitgliedern auch über eine vom Aufsichtsrat vorgeschlagene Satzungsänderung – darüber wird Anfang März in seiner Satzungsversammlung beraten – abgestimmt werden.


Horlitz kritisiert geplante Doppelspitze

„Perspektivisch schlägt der Aufsichtsrat eine Doppelspitze für die Führung des SV Babelsberg 03 vor, der Björn Laars und Katharina Dahme angehören sollen. Als Grundlage dafür hat der Aufsichtsrat eine entsprechende Satzungsänderung beantragt, die bei der kommenden Mitgliederversammlung zur Abstimmung steht“, heißt es in der Babelsberger Mitteilung von Montagabend. Die Idee einer Doppelsitze sei in einer Kommission des Aufsichtsrates entstanden, die das Profil für einen möglichen Horlitz-Nachfolger erstellte. „Ich wurde dann im vergangenen April oder Mai angesprochen, ob ich mir das vorstellen könne“, verrät Laars. Erst habe er Abstand davon genommen, sich das in Zusammenarbeit mit seiner bisherigen Aufsichtsratskollegin Katharina Dahme dann aber gut vorstellen können. „Mir liegt der Verein einfach am Herzen und ich möchte zusammen mit meinen Mitstreitern auch etwas zurückgeben“, sagt der 46-Jährige, der getrost als Urgestein der Babelsberger bezeichnet werden kann. Zwischen 2000 und 2002 – also auch in der Zweitligasaison 2001/02 – sowie ab 2004 stand Laars für die Babelsberger auf dem Rasen. 2010 beendete er mit dem Aufstieg in die 3. Liga seine Karriere. Für seinen Jugendverein Hansa Rostock bestritt er im April 1999 ein Bundesligaspiel (2:0 gegen Dortmund). Nach seiner Spielerkarriere wechselte der ehemalige Defensivspieler zunächst in die Geschäftsstelle von Frauen-Bundesligist Turbine Potsdam, ein Jahr später wurde er Geschäftsstellenleiter bei Babelsberg. Zudem war er Geschäftsführer der Nulldrei Catering GmbH und Nachwuchstrainer bei den Potsdamern.

Horlitz kritisierte die geplante neue Form der Vereinsführung bereits bei einer digitalen Infoveranstaltung im vergangenen Dezember. „Da ich mich klar gegen die Idee einer Doppelspitze ausgesprochen hatte und auch Björn Laars als ungeeignet angesehen habe, die Position eines Vorstandsvorsitzenden wahrzunehmen, befürchtete der Aufsichtsrat, wie er selbst in seiner Verlautbarung freimütig einräumt, eine Blockade durch mich auf der nächsten Mitgliederversammlung“, vermutet Horlitz und führt aus: „Die unterstellte Blockade hätte allerdings nur darin bestehen können, dass ich mich auf der nächsten Mitgliederversammlung entsprechend erkläre und positioniere. Da war für den Aufsichtsrat offensichtlich eine Abberufung ohne wirkliche Gründe beziehungsweise Verfehlungen der schnellere und sicherere Weg, um ans Ziel zu gelangen. Dass dieses Vorgehen das Vertrauen in den jetzigen Aufsichtsrat schwer beschädigt und auch dem Verein zum Nachteil gereicht, hat man offensichtlich nicht bedacht oder bewusst ignoriert.“ Björn Laars sieht in der geplanten Doppelspitze mit ihm und Katharina Dahme hingegen große Chancen für den Verein. „Dabei geht es ja auch nicht nur um heute und morgen, sondern um die Zukunft, für die wir den Verein mit einer breiteren Aufstellung an der Spitze gut gewappnet sehen.“

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Horlitz selbst hält den ehemaligen SVB-Spieler und Geschäftsstellenleiter, der im Vereinsumfeld hohes Ansehen genießt, nicht für einen geeigneten Nachfolger. Zum einen befinde er sich als Vorstandsvorsitzender des von ihm vor gut eineinhalb Jahren gegründeten Vereins Black Bears Potsdam – der wie der SVB zum Beispiel Fußballcamps anbietet – in einem „Interessenkonflikt“. Zum anderen wirft Horlitz seinem Nachfolger vor, bereits am 11. Februar, als beschlossen wurde, ein Abberufungsverfahren gegen ihn einzuleiten, Predrag Uzelac, Trainer der ersten Mannschaft des Vereins, über „den offensichtlich schon feststehenden Ausgang“ des Verfahrens informiert zu haben.

Mit den beiden Vorwürfen konfrontiert sagte Laars gegenüber dem SPORTBUZZER: „Im Kinderfußball gibt es keine Konkurrenz und ohnehin mehr Nachfrage als Angebot. Mit dem Trainer konnte ich über solche Sachen gar nicht sprechen, weil das Abberufungsverfahren dort satzungskonform erst in die Wege geleitet wurde und ich als ein Neuntel des Aufsichtsrates überhaupt nicht in der Position gewesen wäre, darüber zu sprechen.“

Laars will „Wir-Gefühl“ wieder stärken

Inwieweit seine bisherigen Vorstandskollegen ihre Tätigkeit weiter ausüben werden, sei laut Horlitz offen. „Ich habe ihnen aber ans Herz gelegt, nicht das Handtuch zu werfen – im Sinne des Vereins.“ Ob eine vertrauensvolle Zusammenarbeit mit Laars möglich sei, vermochte Horlitz nicht einzuschätzen. Björn Laars habe inzwischen bereits mit fast allen Vorstandskollegen gesprochen und kann die Zusagen zur weiteren Zusammenarbeit von Isabelle Vandré, Barbara Paech und Thoralf Höntze bestätigen. Noch am Überlegen sei zum Beispiel Schatzmeister Kristian Kreyes.

Sein Nachfolger will den Blick gar nicht zurück, sondern in die Zukunft richten und gemeinsam mit seinen Mitstreitern „die Ärmel hochkrempeln“ – und das aus seiner Sicht zuletzt verloren gegangene „Wir-Gefühl“ wieder stärken.