22. Mai 2021 / 14:36 Uhr

Nach "halbgarer Performance": Final-Four-Träume bei den Recken verboten

Nach "halbgarer Performance": Final-Four-Träume bei den Recken verboten

Simon Lange
Hannoversche Allgemeine / Neue Presse
Ivan Martinovic ist nach der Niederlage gegen Ludwigshafen sichtlich gefrustet.
Ivan Martinovic ist nach der Niederlage gegen Ludwigshafen sichtlich gefrustet. © Florian Petrow
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"Katastrophal, eine Schande", sagte Recken-Coach Carlos Ortega nach der Niederlage gegen Ludwigshafen. Damit sich ein solcher Horrorstart wie in der vergangenen Partie nicht wiederholt, soll das bevorstehende Pokal-Final-Four aus den Köpfen der Spieler verschwinden.

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Klar schwirrt im Kopf von Carlos Ortega die Anfrage des FC Barcelona herum. Wer will es ihm verdenken. Dennoch: Der Spanier ist mit 100 Prozent noch Recke. Daran lässt er keine Zweifel. Entsprechend emotional waren seine Auszeiten während des zum größten Teil miesen Auftritts seiner Mannschaft beim 25:28 gegen Ludwigshafen. Und entsprechend schonungslos seine Kritik hinterher. „Katastrophal, eine Schande“, seien die ersten 20 Minuten der TSV Hannover-Burgdorf gegen die Eulen gewesen, urteilte Ortega. Nach 40 Minuten lag sein Team sogar mit sieben Toren hinten, kämpfte dann immerhin, holte fast den ganzen Rückstand auf, verlor letztlich aber doch verdient.

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„In manchen Momenten sind wir einfach da, da glauben wir an uns und wollen uns zurückkämpfen. Aber irgendwann – ich weiß nicht, ob die Kraft fehlt oder das Glück“, rätselte Ivan Martinovic, mit neun Toren bester Werfer einer schlechten Recken-Mannschaft.

Bilder vom Spiel der Handball-Bundesliga zwischen der TSV Hannover-Burgdorf und den Eulen Ludwigshafen

Mithilfe einer Mauer versuchen die Recken einen weiteren Gegentreffer zu verhindern. Zur Galerie
Mithilfe einer Mauer versuchen die Recken einen weiteren Gegentreffer zu verhindern. ©

Kritik an Führungsspielern und Nachwuchs

Das Team hinterließ nicht den Eindruck, 60 Minuten voll fokussiert auf die Aufgabe gewesen zu sein. Auch wenn Fabian Böhm (Quarantäne), Alfred Jönsson (Bänderriss im Knöchel) und kurzfristig noch Evgeni Pevnov (Wade, Einsatz am Sonntag in Minden fraglich) ausfielen – Ortega erwähnte ihr Fehlen hinterher in keiner Sekunde als Ausrede.

Die vielen Ausfälle und der vermeintlich schwächere Gegner – es war die Gelegenheit für Spieler, die sonst nicht im Fokus stehen, sich in den Vordergrund zu spielen. „Es war ein Spiel, bei dem ich gehofft hatte, dass einige Spieler einen Schritt nach vorne machen und sich zeigen. Aber das haben sie nicht gemacht“, sagte Ortega enttäuscht. „Schade, dass sie die Chance nicht genutzt haben, Akzente zu setzen“, ergänzte Sportchef Sven-Sören Christophersen. Konkrete Namen gab es von den beiden nicht zu hören.

Angesprochen dürfte sich der zuvor stets gelobte Nachwuchs fühlen. Aber auch die Profis, die in Abwesenheit der Führungsspieler Böhm und Pevnov Verantwortung hätten übernehmen können, waren gemeint. Wie zum Beispiel Nationalspieler Filip Kuzmanovski in der Rückraummitte oder wie Doppel-Weltmeister Johan Hansen auf Rechtsaußen. Ortega nahm ihn schon Mitte der ersten Hälfte raus.

Fokus auf das Spiel in Minden

Vielleicht ließ ja auch der Hintergedanke an das Pokal-Final-Four (3. und 4. Juni) die Recken ein bisschen vorsichtiger und unkonzentrierter agieren. Christophersen will das „keinem unterstellen, aber sollte das der Fall gewesen sein, gilt es, sich ab sofort zu fokussieren. Und zwar auf die nächsten Aufgaben in der Liga.“ Sonntag (13.30 Uhr) geht’s auswärts nach Minden, Mittwoch nach Nordhorn, am 29. Mai kommt Stuttgart. „Mit so einer halbgaren Performance wie gegen Ludwigshafen brauchen wir uns gar nicht mit dem Final Four beschäftigen. Das lässt keine Träumereien zu“, warnt Chris­tophersen sein Team.

Mehr zu den Recken

Anstatt die Erfolgsserie auszubauen und die Top 10 endlich in Angriff zu nehmen, bleiben die Recken in der Liga auf Platz 14. Direkt unter ihnen tobt der Abstiegskampf, den sie selbst mit der Pleite befeuert haben. Rein rechnerisch könnte es sie sogar selber noch erwischen. Ein Sieg in Minden ist daher umso wichtiger. Für die Tabelle – und das wackelige Selbstvertrauen der Recken.