05. November 2019 / 18:41 Uhr

Nach Herrdum-Rückzug: Wie geht es weiter am Rhumekanal?

Nach Herrdum-Rückzug: Wie geht es weiter am Rhumekanal?

Jan-Philipp Brömsen
Göttinger Tageblatt
Finanzieller Schock bei Eintracht Northeim: Spieler und Trainer müssen auf Teile ihrer Aufwandsentschädigungen verzichten.
Finanzieller Schock bei Eintracht Northeim: Spieler und Trainer müssen auf Teile ihrer Aufwandsentschädigungen verzichten. © Ambs
Anzeige

Die Nachricht sorgte für einen Schock am Rhumekanal: Hauptsponsor Dietmar Herrdum stellt zum Jahresende seine großzügige finanzielle Unterstützung beim Fußball-Oberligisten FC Eintracht Northeim ein. Der Verein sieht die anstehenden Sparmaßnahmen als Chance.

Anzeige
Anzeige

Wir sprachen mit dem Vorsitzenden Tim Schwabe über die aktuelle Situation, die geplanten Maßnahmen und die künftige Ausrichtung des Vereins.

Herr Schwabe, wann und wie haben Sie vom Rückzug Herrdums erfahren?

„Ich wusste es seit etwa zwei Wochen, bevor wir die Öffentlichkeit informiert haben. Dietmar hat uns gegenüber persönliche Gründe angegeben, so dass er die Spendenvereinbarung nicht mehr aufrecht erhalten kann. Dies teilte er mir in einem persönlichen Telefonat mit. Natürlich war es zunächst ein echter Schock für mich. Es kam doch etwas überraschend, obwohl absehbar war, dass die finanzielle Unterstützung in den kommenden Jahren (3 bis 5 Jahre) nach und nach reduziert werden sollte.

Wie reagieren Sie und der Vorstand auf die finanziellen Einbußen?

„Klar ist, dass es zu einem finanziellen Einbruch führt, der so nicht vorhersehbar war. Wir sehen es als Verein aber auch als Chance, sich aus der Abhängigkeit von einzelnen Sponsoren lösen zu können. Der neue Vorstand ist so angetreten, um vieles nachhaltiger aufzustellen. Dazu gibt es jetzt die Möglichkeit.“

Welche Maßnahmen treffen Sie kurzfristig und längerfristig?

„Der Verein ist grundsätzlich liquide und schuldenfrei. Wir haben keinerlei Verbindlichkeiten. Die kommenden sechs bis acht Wochen können daher ohne Einschränkungen ganz normal bewältigt werden. Wir befinden uns derzeit in einer Kostenanalyse und wollen bis Ende November die Situation aufarbeiten. Allerdings muss das Budget ab dem 1. Januar angepasst werden – soviel steht fest.

Wir müssen uns längerfristig im Bereich Sponsoring breiter aufstellen. Die Stadionanlage soll künftig für mehr Veranstaltungen genutzt werden. Freundschaftsspiele, wie im Sommer gegen Paderborn, sind künftig regelmäßig denkbar. Wir müssen insgesamt kreativer werden.

Wie hoch ist das finanzielle Defizit?

„Es ist kein Geheimnis, dass Dietmar Herrdum mit seiner Spende einen großen Teil des Gesamtetats finanziert hat. Aktuell haben wir ein sechsstelliges Defizit. Ein Teil der Verpflichtung für die laufende Saison wurde aber schon bezahlt.

Wo genau muss eingespart werden?

„Letztlich wird jede regelmäßige Einnahme auf den Prüfstand gestellt. Es muss Einsparungen in vielen Bereichen geben. Das Wintertrainingslager der Oberligamannschaft findet nicht statt, Rückstellungen für Jugend- und Frauenbereich fallen weg. Natürlich werden auch die hauptamtlichen Stellen (Tim Schwabe, Philipp Weißenborn und Platzwart) genauer angeschaut. Was und wie genau verfahren wird, kann ich derzeit noch nicht sagen. Sicherlich wird es auch Entscheidungen geben, die weh tun werden. Die Spieler der Herren und Jugend wurden informiert. Auch bei den Jugendtrainern muss geschaut werden, inwieweit die Aufwandsentschädigungen weiterhin in dem Maße gezahlt werden können. Da haben einige Trainer bereits ihre Unterstützung signalisiert.“

Betreffen die Einsparungen auch das Oberligateam?

„Wir haben am Dienstag die Mannschaft informiert und mitgeteilt, dass die Aufwandsentschädigungen für die Spieler nicht in der bisherigen Form weiter gezahlt werden können. Diese müssen angepasst werden. Kein Spieler bei uns kassiert ein richtiges Gehalt. Wir werden mit dem Mannschaftsrat demnächst etwas detaillierter sprechen und weitere Informationen geben. Das Team war natürlich geschockt, aber wir können garantieren, dass der Spielbetrieb normal weiter läuft.“

Könnte die finanzielle Situation Einfluss auf den Klassenerhalt haben?

„Nun ja, nach der Information an das Team haben wir vier Punkte geholt. Natürlich streben wir an, das Team im Winter zusammenzuhalten. Wir haben weiterhin das Ziel, Oberliga zu spielen und den Klassenerhalt zu schaffen. Allerdings steckt man natürlich nicht drin, ob alle Spieler den neuen Kurs mitgehen werden. Sicherlich ist der ein oder andere Abgang nicht ausgeschlossen.

Ist der laufende Umbau des Gebäudes betroffen?

„Der Umbau und die Sanierung des Gebäudes sind vom finanziellen Einschnitt nicht betroffen. Die Finanzierung läuft unabhängig von den eigenen Mitteln. Wir haben mit der Stadt Northeim einen Pachtvertrag über 25 Jahre unterschrieben, der vorsieht, dass die Mittel ausschließlich für die Sanierung des Gebäudes verwendet werden. Die Gaststätte und das Erdgeschoss werden, wie geplant im Frühjahr, umgebaut. Der Kunstrasen ist von den finanziellen Einsparungen nicht betroffen.“

Mehr zu den aktuellen Themen im SPORTBUZZER

Ist spätestens im Sommer ein Schnitt im Verein zu erwarten?

„Nein. Sicherlich wird sich einiges verändern, aber ein radikaler Schnitt ist nicht angedacht. Wenn bei einem möglichen Abstieg einige Spieler nicht in der Landesliga spielen wollen, dann ist das so. Wir haben hervorragend ausgebildete Spieler in der U23 und in den Jugendteams, auf die wir künftig mehr setzten werden.

Wie ist die sportliche Ausrichtung für die Zukunft?

„Unser Ziel war es immer den Leistungsstand der Region abzubilden. Sicherlich werden wir künftig verstärkt die ausgebildeten Jugendspieler in den Herrenbereich einbauen. Fakt ist aber auch, dass wir gewisse sportliche Abstriche machen müssen und nicht mehr automatisch auf dem bisherigen Niveau weiter machen können. Das finanzielle Defizit kann sicher nicht so leicht ausgeglichen werden.

Was bedeutet die Situation für den Gesamtverein?

„Ich sehe die Situation als Chance, Dinge anders zu machen. Damit könnte auch ein wenig das Anspruchsdenken im und außerhalb des Vereins reduziert werden. Wir sollten ein normaler Fußballverein werden.“

Haben Sie Ex-Präsident Wolfgang Hermann um Hilfe gebeten?

„Wolfgang hat den Verein über mehr als 25 Jahre extrem unterstützt. Er wird uns in dieser Situation beratend zur Seite stehen, aber nicht das finanzielle Defizit ausgleichen. Das wäre auch nicht zielführend. Sicherlich werden auch dank seiner Unterstützung neue Strukturen geschaffen.“

Mehr anzeigen

Hier #GABFAF-Supporter werden

Wir kämpfen für den Amateurfußball! Trage Dich kostenlos ein und Du bekommst unseren exklusiven Newsletter mit allem, was den Amateurfußball in Deutschland bewegt. Außerdem kannst Du jeden Monat 2000 Euro Zuschuss für Deinen Verein gewinnen und entscheidest mit, wofür #GABFAF sich als nächstes einsetzt.

ANZEIGE: 50% auf dein Jako Herbst-Set! Der Deal des Monats im SPORTBUZZER-Shop.

Die aktuellen TOP-THEMEN