05. Mai 2018 / 16:57 Uhr

Nach Hitlergruß-Foto : Lok Leipzig schult Jugendliche in Demokratieverständnis

Nach Hitlergruß-Foto : Lok Leipzig schult Jugendliche in Demokratieverständnis

lyn
Leipziger Volkszeitung
Blick ins Bruno-Plache-Stadion samt Trainingshalle. (Archivfoto)
1. FC Lok Leipzig kämpft einmal mehr mit Negativschlagzeilen. © Archiv
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Der 1. Lok Leipzig will den Jugendlichen, die für ein Hitlerfoto posierten, noch eine Chance geben. Sie sollen Workshops zum Thema Demokratie, Antisemitismus und Holocaust besuchen.

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Leipzig. Nach dem Schock bei Lok Leipzig über das Hitlergruß-Foto von Teilen der B1-Nachwuchsmannschaft, die damit der Aufforderung eines Co-Trainers nachkamen, hat im Verein die Aufarbeitung begonnen.

„Wir vom Vorstand waren geschockt, dass so etwas passieren kann“, sagte Lok-Vizepräsident Alexander Voigt am Samstag gegenüber LVZ.de. Man sei davon ausgegangen, dass die Trainer das Leitbild von Lok kennen und danach handeln. Dazu gehöre die „blau-gelbe Nestwärme“, so Voigt. In sozialer Verantwortung sollen sich Jugendliche bei Lok entwickeln können. Stattdessen habe der Co-Trainer die jungen Leute „für seine Zwecke instrumentalisiert.“ Gegen den Mann wurde Strafanzeige wegen Volksverhetzung gestellt.

Zweite Chance

Die Jugendlichen sollen jetzt eine zweite Chance im Verein bekommen, so Voigt. Im Gespräch seien die Jugendlichen sehr betroffen gewesen und hätten sich entschuldigt, so der Lok-Vizepräsident. Offenbar haben die Teenager, die um die 16 Jahre alt sind, die Tragweite ihrer Aktion unterschätzt, meint Voigt. Jetzt bekamen die junge Leute die klare Ansage: „Ihr müsst Euch damit auseinandersetzen“.

Gemeinsam mit dem Landessportbund (LSB) wird Lok Leipzig Workshops zum Thema Demokratieverständnis anbieten. Themen wie Antisemitismus und Gewalt spielen eine Rolle, so Voigt. Möglich seien auch Fahrten zu Holocaust-Gedenkstätten. Robert Großpietsch vom Landessportbund äußerte sich in einer Mitteilung: „Der 1. FC Lok hat in den vergangenen Jahren eine hervorragende Arbeit geleistet. Dass der Verein in diesem Fall so schnell reagiert hat, zeigt, dass der er dieses Thema sehr ernst nimmt.“

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Vereinsschädigend

Denn als Streich will der Verein den Hitlergruß nicht durchgehen lassen. „Beim Zeigen dieses Grußes handelt es sich nicht nur um den Straftatbestand der Volksverhetzung, er steht stellvertretend für die millionenfache Ermordung von Menschen in einem Unrechtssystem“, so Lok in einer Erklärung. Dort heißt es weiter: „In unserem Leipziger Traditionsverein spielen über 250 Kinder und Jugendliche aus 22 Nationen. Und das ist auch gut so!“

Das Verhalten der Jugendlichen sei vereinsschädigend, stellte Voigt klar. Seit Jahren muss sich Lok Leipzig mit dem Thema Rechtsextremismus und Hooligans im Fanlager auseinandersetzen. Dass dieses Problem nun auch in den Spielbetrieb hineinreicht, wurmt den Vorstand.

Sportliche Chancen verbaut

Sportlich sind die Konsequenzen bereits gezogen: Die beteiligten Spieler der B1-Nachwuchsmannschaft wurden bis zum Saisonende vom Spielbetrieb suspendiert. „Damit haben sie sich die Chance verbaut, in die Regionalliga aufzusteigen“, zeigt der Vizepräsident auf. Das Team spielt in der Landesliga Sachsen, rangiert dort mit vier Punkten Vorsprung auf den VFC Plauen auf Platz eins. Menschlich, sagt Voigt, „geben wir keinen so schnell auf“.

Dazu gehört auch Aufklärung und Transparenz. Lok Leipzig hat für den kommenden Freitag, 11. Mai, um 19 Uhr einen Mitgliederabend einberufen. Dann stehen Lok-Präsident Thomas Löwe, sein Vize Alexander Voigt und der Aufsichtsratsvorsitzende Olaf Winkler Rede und Antwort.

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