20. Januar 2015 / 11:58 Uhr

Nach Marathonverhandlung: Mühlenberger Betreuer muss mit Rauswurf rechnen

Nach Marathonverhandlung: Mühlenberger Betreuer muss mit Rauswurf rechnen

Paul Berten
Hannoversche Allgemeine / Neue Presse
Nach Marathonverhandlung: Mühlenberger Betreuer muss mit Rauswurf rechnen
Nach Marathonverhandlung: Mühlenberger Betreuer muss mit Rauswurf rechnen © dpa
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Nach den tätlichen Angriffen auf den Schiedsrichter in einem C-Junioren-Spiel hat das Sportgericht des Kreisverbands Hannover (im Rahmen seiner Möglichkeiten) harte Strafen verhängt. Jetzt erwartet den Haupttäter noch ein Prozess vor dem Amtsgericht.

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Die Verhandlung zog sich über sechs lange Stunden, Schluss war erst gegen Mitternacht. Zuerst sprach der Schiedsrichter, danach die Beschuldigten des Mühlenberger SV, schließlich die Vertreter der Arminia. Das Kreissportgericht Hannover unter Vorsitz von Bernd Ihle hatte einen der schwersten Fälle jugendlicher Gewalt im hannoverschen Amateurfußball zu klären - und es nahm sich Zeit. Am Ende der nicht-öffentlichen Sitzung stand ein mündliches Urteil, das vor allem den Haupttäter in aller Härte traf, aber auch die Mannschaft des Mühlenberger SV nicht verschonte.

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Ein Spielabbruch eskaliert

Am 6. Dezember 2014 eskalierte ein Spielabbruch der C-Junioren-Partie Arminia Hannover III gegen Mühlenberger SV. Das ganze Spiel über sei er beleidigt, jede seiner Entscheidungen kritisiert worden, sagte der Schiedsrichter nach dem Spiel. Verantwortlich dafür: ein Mühlenberger Betreuer, der diese Funktion offiziell gar nicht ausführt und auch kein Vereinsmitglied ist. Dieser habe ihn nach dem Abbruch zunächst weiter beschimpft und dann geschlagen. Daraufhin hätten auch Spieler der Gäste auf ihn eingeschlagen und -getreten. Erst der Trainer der Arminia, Alex Kölzer, konnte ihn befreien. Der Unparteiische landete im Krankenhaus, stellte gemeinsam mit Kölzer Strafanzeige.

Das Sportgericht hörte gestern alle Seiten. Und deren Darstellungen unterschieden sich zum Teil erheblich, sagte ein Prozessbeteiligter dem Sportbuzzer. Das Gericht wollte sich nicht zu der Verhandlung oder dem Urteil äußern, bis das Urteil schriftlich vorliegt.

Harte Strafe für den Haupttäter

Der Hauptangeklagte bestritt seine Tat nicht, zu einhellig waren die Zeugenaussagen zu seinen Attacken. Nach Sportbuzzer-Informationen trifft ihn die Höchststrafe: Das wäre in dieser Instanz der Antrag auf Ausschluss aus dem Verband. Die endgültige Entscheidung darüber müsste allerdings der Verband selbst treffen, das Gericht kann nur den Antrag stellen. Für den Betreuer wäre dies nur die erste Konsequenz aus seiner Entgleisung. Gegen ihn läuft auch ein strafrechtliches Verfahren wegen Körperverletzung. Die Staatsanwaltschaft Hannover wartet aktuell auf eine Stellungnahme der Verteidigung.

Der Mühlenberger SV erhält eine Geldstrafe in dreistelliger Höhe, mehrere Spieler wurden mit Sperren belegt. Zudem wurde offenbar die Mannschaft mit einer schweren Strafe belegt - mutmaßlich dem Ausschluss vom Spielbetrieb.

Erste Reaktionen: "Im Großen und Ganzen zufrieden"

Die Vereine gaben auf Bitte des Gerichts keine Details zum Urteil bekannt, äußerten sich nur allgemein. Kölzer und Michael Cichon, der als Bevollmächtigter des Mühlenberger SV geladen war, lobten die Verhandlungsführung des Gerichts, die in den Worten Kölzers jederzeit "kompetent und sachlich" gewesen sei. "Am Ende steht ein relativ ausgeglichenes Urteil, das den Erwartungen nahekommt und im Großen und Ganzen soweit in Ordnung geht", sagte Cichon.

Nun müssen alle Seiten die schriftliche Ausformulierung des Urteils abwarten. Dies kann ein bis zwei Wochen dauern. Erst dann wird das Urteil rechtskräftig.

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