23. Juni 2020 / 22:07 Uhr

Nach positivem Corona-Test: Novak Djokovic entschuldigt sich für Adria-Tour - "Es war zu früh"

Nach positivem Corona-Test: Novak Djokovic entschuldigt sich für Adria-Tour - "Es war zu früh"

Redaktion Sportbuzzer
RedaktionsNetzwerk Deutschland
Tennis-Star Novak Djokovic hat sich für die Durchführung der Adria-Tour entschuldigt.
Tennis-Star Novak Djokovic hat sich für die Durchführung der Adria-Tour entschuldigt. © 2020 Getty Images
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Novak Djokovic hat sich nach der endgültigen Absage der Adria-Tour erneut zu Wort gemeldet. Der mit dem Coronavirus infizierte Organisator entschuldigte sich für die Art und Weise der Durchführung des Tennis-Showturniers. Er habe mit seiner Einschätzung falsch gelegen.

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Erst kritisiert, nun infiziert: Der Weltranglisten-Erste Novak Djokovic zahlt mit seiner am Dienstag öffentlich gemachten Corona-Infektion nun persönlich den Preis für den leichtsinnigen Umgang mit der Pandemie und die Missachtung gängiger Hygieneregeln beim von ihm organisierten Tennis-Showturnier Adria-Tour. Mit ihm sind nun vier teilnehmende Profis infiziert. Die weiteren Veranstaltungen der umstrittenen Tour in Banja Luka und Sarajevo wurden angesichts der Entwicklungen abgesagt. Djokovic meldete sich am Abend mit einem neuen Statement über seine sozialen Kanäle zu Wort. "Wir lagen falsch, es war zu früh. Ich kann nicht deutlich genug ausdrücken, wie leid mir das tut", schrieb der Serbe.

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Am Montagabend hatte nach dem Bulgaren Grigor Dimitrow und dem Kroaten Borna Coric auch sein Landsmann Viktor Troicki einen positiven Test öffentlich gemacht. "Jeder einzelne Fall tut mir extrem leid", schrieb Djokovic. Der Hamburger Alexander Zverev war nach eigenen Angaben negativ getestet worden. Er hatte an beiden Stationen in Belgrad und Zadar in Kroatien teilgenommen und sich in eine selbstverordnete Isolation begeben. Die weiteren Veranstaltungen der umstrittenen Tour in Banja Luka und Sarajevo wurden angesichts der Entwicklungen abgesagt

"Alles, was wir im vergangenen Monat gemacht haben, passierte mit reinem Herzen und ernsthaften Absichten", schrieb Djokovic zur Tour, mit der er dank prominenter und weniger prominenter Akteure Spenden sammeln und seinen Kollegen Spielpraxis verschaffen wollte. Es habe alles mit einer philanthropischen Idee begonnen. Trotz der guten Absicht unterschätzte auch Djokovic die Gefahr und betonte zunächst, es sei nicht gegen örtliche Regeln verstoßen worden. Nun erklärte er, das Turnier sei organisiert worden, als sich das Virus abgeschwächt habe und die Bedingungen als gegeben erschienen. "Wir glaubten, dass Turnier würde alle Gesundheitsvorgaben erfüllen - auch sprach die allgemeine gesundheitliche Entwicklung in unserer Region dafür, dass man endlich Menschen zu wohltätigen Zwecken wieder zusammenbringen konnte", so Djokovic. Er sieht seinen Fehler ein. "Ich kann nicht deutlich genug ausdrücken, wie leid mir das tut."

Tennis-Star Novak Djokovic: Seine Karriere in Bildern

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Er ist einer der größten Tennis-Spieler aller Zeiten: Serbiens Ass Novak Djokovic. Der SPORTBUZZER zeigt seine Karriere in Bildern. ©

Patrick Kühnen: Djokovic hat mit seinem Turnier "alle Bemühungen im Kampf gegen Corona mit Füßen getreten"

Die Kritik an ihm und auch den anderen Teilnehmern der Adria-Tour ging zuvor weiter. Wimbledonsieger Andy Murray erinnerte seine Kollegen an ihre Vorbildfunktion. Die einstige Nummer eins der Welt aus Großbritannien sagte der britischen Tageszeitung The Times: "Ich hatte immer ein gutes Verhältnis zu Novak. In der Nachbetrachtung macht das, was da passiert ist, aber keinen guten Eindruck." Top-Athleten auf der ganzen Welt müssten zeigen, "dass wir das ernst nehmen und uns darüber im Klaren sind, dass wir Abstandsregeln einhalten". Murray weiter: "Ich hoffe, dass wir daraus lernen, weil letztendlich wird die ATP Tour nicht zurückkommen, wenn wir jede Woche Probleme haben und die Spieler machen, was sie wollen."

Auch der frühere Davis-Cup-Kapitän Patrick Kühnen kritisierte Djokovic harsch: Bei dem Turnier seien "alle Bemühungen im Kampf gegen Corona mit Füßen getreten" worden, sagte Kühnen bei Sport1 und fügte hinzu: "Solche Bilder, wie wir sie dort gesehen haben, sind absolut verstörend und passen überhaupt nicht in diese Zeit." Djokovic habe dem Tennis einen "Bärendienst" erwiesen: "Das Konzept mit Maskenpflicht und Abstandsregeln wurde über Wochen erstellt. Diese Bilder von der Adria Tour konterkarieren die komplette Tennis-Szene", monierte Kühnen. Dafür machte der frühere Tennis-Profi auch Djokovic verantwortlich: "Wenn man so ein Event auf die Beine stellt, muss man um die Situation wissen. Da ist Djokovic seiner Verantwortung überhaupt nicht gerecht geworden."