01. Juni 2020 / 18:27 Uhr

Nach Protesten von Sancho & Co: DFB erklärt Überprüfung – Keller kann Spieler "moralisch verstehen"

Nach Protesten von Sancho & Co: DFB erklärt Überprüfung – Keller kann Spieler "moralisch verstehen"

Redaktion Sportbuzzer
RedaktionsNetzwerk Deutschland
DFB-Präsident Fritz Keller hat Stellung zu den Botschaften von unter anderem Jadon Sancho und Marcus Thuram bezogen.
DFB-Präsident Fritz Keller hat Stellung zu den Botschaften von unter anderem Jadon Sancho und Marcus Thuram bezogen. © Getty Images Europe/Pool/dpa/Montage
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Die Proteste von Jadon Sancho, Marcus Thuram und Co. gegen Rassismus und Polizeigewalt hatten am Wochenende für weltweite Aufmerksamkeit gesorgt. DFB-Präsident Fritz Keller hat sich nun über die Aktionen geäußert. Er wünsche sich "mündige Spieler". Zudem erklärte der DFB, warum die Proteste überprüft werden müssen.

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Der Deutsche Fußball-Bund hat sich in einem Statement auf der eigenen Website zu möglichen Ermittlungen gegen die BVB-Profis Jadon Sancho und Achraf Hakimi, den Gladbacher Marcus Thuram und den Schalker Weston McKennie wegen ihrer Proteste gegen den gewaltsamen Tod von George Floyd in US-Polizeigewalt geäußert. Am Vormittag war publik geworden, dass sich der DFB-Kontrollausschuss wegen der Botschaften eingeschaltet hat.

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Neben einem kurzen Überblick des DFB über die Sachlage (laut DFB-Richtlinien sind "politische und/oder andere Mitteilungen auf den Ausrüstungsgegenständen keinesfalls erlaubt", zudem seien "Slogans, Botschaften oder Bilder mit Bezug auf jegliche lebende oder verstorbene Person“ in "jedem Fall unzulässig") äußerte sich auch Fritz Keller zu den Vorfällen am Wochenende. "Ich habe großen Respekt vor Spielerinnen und Spielern, die Haltung haben und ihre Solidarität zeigen, solche mündigen Spielerinnen und Spieler wünsche ich mir, auf sie bin ich stolz", sagte der DFB-Präsident. "Moralisch kann ich die Aktionen am vergangenen Wochenende absolut verstehen. Was in den USA passiert ist, kann niemanden kalt lassen." Dennoch müsse die Situation überprüft werden, ergänzte sein Vize, Dr. Rainer Koch: "Ob es in den vorliegenden Fällen zu Sanktionen kommen muss, bleibt abzuwarten."

Während McKennie beim Spiel der Schalker am Samstag gegen Werder Bremen (0:1) an seiner Kapitänsbinde die Botschaft "Justice for George" zeigte, offenbarten Sancho und Hakimi beim BVB-Spiel gegen Paderborn beim Torjubel Shirts unter ihren Trikots, auf denen die Worte "Justice for George Floyd" zu sehen waren. Gladbachs Thuram war nach seinem Treffer gegen Union Berlin (4:1) auf die Knie gegangen. Floyd war vergangene Woche nach einem gewaltsamen Polizeieinsatz in den USA gestorben, seither gibt es international heftige Proteste.

Koch: Vor und nach Anpfiff "Möglichkeiten für entsprechende Aktionen"

Der Kontrollausschuss habe die Aufgabe, "die Einhaltung der Satzung und Ordnungen des DFB zu überwachen und bei Verstößen den Sachverhalt zu überprüfen", erklärte Koch. Dies geschehe nun auch bezüglich der Handlungen vom Wochenende. "Bei diesen Überprüfungen geht es auch darum festzustellen, ob das Spiel und das Spielfeld der richtige Ort für diese Handlungen sind. International gilt, dass die unmittelbare Phase des Spiels frei bleiben soll von politischen Äußerungen und Botschaften jeder Art." Vor und nach dem Anpfiff gebe es, so Koch weiter, "selbstverständlich Möglichkeiten für entsprechende Aktionen".