27. November 2020 / 18:19 Uhr

Nach Rassismusvorfall: Fünf Spiele Sperre und hohe Geldbuße gegen Spieler des Langener SV

Nach Rassismusvorfall: Fünf Spiele Sperre und hohe Geldbuße gegen Spieler des Langener SV

Marius Böttcher
Märkische Allgemeine Zeitung
Vor dem Spiel gegen Nauen setzten die Langener mit Anti-Rassismus-Shirts ein Statement.
Vor dem Spiel gegen Nauen setzten die Langener mit Anti-Rassismus-Shirts ein Statement. © Verein
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Landesklasse West: Das FLB-Sportgericht hat den Verdacht auf rassistische Äußerungen in der Partie gegen den Teltower FV verhandelt.

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Fünf Spiele Sperre und eine Geldbuße in Höhe von 500 Euro: Das ist die Strafe für einen Fußballer des Langener SV. Das Sportgericht des Fußball-Landesverbandes Brandenburg (FLB) sah es als erwiesen an, dass der Beschuldigte (Name ist der Redaktion bekannt) bei einer Partie der Landesklasse West einen Gegenspieler des Teltower FV rassistisch beleidigt hat. Der Vorfall ereignete sich am 19. September 2020 auf der Jahnsportstätte in Langen. Das Spiel hatten die Gäste 7:1 gewonnen.

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Der Teltower FV trug im Verfahren vor, dass der Langener Verteidiger bei einem Laufduell drei deutlich hörbare Affenlaute in Richtung eines dunkelhäutigen TFV-Angreifers ausgestoßen habe. Der Langener SV hatte in seiner Stellungnahme dargelegt, der Beschuldigte habe keine Affengeräusche gemacht, sondern Frustsignale oder Unmutsäußerungen wegen der Überlegenheit der Gäste. Der Aufforderung des Sportgerichts, dies genauer zu erklären, kam der Verein nicht nach.

In Bildern: Teltower FV feiert Kantersieg beim Langener SV.

<b>Langener SV – Teltower FV 1:7 (1:4)</b> Tore: 0:1 Kühne (9.), 0:2 Ferl (18.), 0:3 Kühne (35.), 0:4 Schütt (37.), 1:4 Bernhardt (44.), 1:5 Ferl (46.), 1:6 Kuppke (77./Strafstoß), 1:7 Tchilepou Tsoupa (87.). Zuschauer: 70. Zur Galerie
Langener SV – Teltower FV 1:7 (1:4) Tore: 0:1 Kühne (9.), 0:2 Ferl (18.), 0:3 Kühne (35.), 0:4 Schütt (37.), 1:4 Bernhardt (44.), 1:5 Ferl (46.), 1:6 Kuppke (77./Strafstoß), 1:7 Tchilepou Tsoupa (87.). Zuschauer: 70. © JM3

Schon direkt nach dem Abpfiff entschuldigte sich Langen-Trainer Daniel Schrumpf beim Gegner für die Aktion seines Spielers und schickte ihn nach der Partie in die TFV-Kabine, wo dieser sich ebenfalls entschuldigte, erklärte Teltow-Coach Holger Wünsche der MAZ. Der LSV und der Spieler stritten einen rassistischen Hintergrund der Äußerungen ab.

Das Sportgericht wertete das Verhalten aber als diskriminierend. Es wurde nur die Mindeststrafe verhängt. Strafmildernd wurde berücksichtigt, dass der Spieler bisher sportgerichtlich noch nicht in Erscheinung getreten ist, er – „wenn auch halbherzig“ sowie sein Trainer Schrumpf sich entschuldigten. Im nächsten Heimspiel setzte der Langener SV dann auch noch ein Zeichen: Die Mannschaft trug Shirts mit der Aufschrift „No Racism“ („Kein Rassismus“) – schon 2018 hatten LSV-Kicker solche Shirts als Botschaft getragen.

Das FLB-Sportgericht übte indes auch Kritik am Schiedsrichter der Partie. Dessen Verhalten, hieß es, sei „völlig inakzeptabel“ gewesen, weil er den Vorfall nicht in einem Sonderbericht vermerkt hatte. Völlig unerheblich sei dabei, dass er die Äußerungen möglicherweise nicht persönlich gehört hat. Doch allein die Reaktion auf dem Rasen hätte ihn dazu veranlassen müssen. Teltows Kapitän hatte nach den Äußerungen den Ball gestoppt und sich an den Referee gewandt. Dazu gab es deutliche Proteste aus den Reihen des Teltower FV.