10. Januar 2021 / 11:45 Uhr

Nach RB Leipzigs 1:3 gegen den BVB: Nagelsmann lobt Haaland und sieht Parallelen zu Manchester

Nach RB Leipzigs 1:3 gegen den BVB: Nagelsmann lobt Haaland und sieht Parallelen zu Manchester

Antje Henselin-Rudolph
Leipziger Volkszeitung
RB Leipzigs Coach Julian Nagelsmann (mi.) hatte nach der 1:3-Niederlage gegen den BVB positive Worte für Doppeltorschütze Erling Haaland (re.) übrig.
RB Leipzigs Coach Julian Nagelsmann (mi.) hatte nach der 1:3-Niederlage gegen den BVB positive Worte für Doppeltorschütze Erling Haaland (re.) übrig. © dpa
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Mit reichlich Vorschusslorbeeren und Selbstbewusstsein war RB Leipzig ins Topspiel gegen Borussia Dortmund gegangen, kassierte mit dem 1:3 (0:0) am Ende aber doch die erste Heimniederlage der Saison. Wieder einmal fehlte es an Effektivität. 

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Leipzig. "Den Sieg habe ich eingeplant", hatte Julian Nagelsmann zwei Tage vor dem Duell mit Borussia Dortmund gesagt. Der Eine oder Andere wunderte sich schon zu diesem Zeitpunkt. Denn die Bilanz gegen den BVB war bis dato wenig rosig (2-2-4), die letzten beiden Partien waren jeweils an die Schwarz-Gelben gegangen. Vor dem Anpfiff am Samstagabend ruderte der Coach der Messestädter denn auch schon mal sanft zurück. "Ich bereue schon fast, dass ich das gesagt habe", meinte der 33-Jährige am Sky-Mikrofon. Seine Worte seien falsch interpretiert worden. Gemeint habe er etwas anderes. "Wir wollen mutig auftreten und Ideen haben, die auf Sieg ausgerichtet sind."

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Chancen in Halbzeit eins? Äußerst rar

Aber vor allem an Letzteren fehlte es. Denn das Gefühl, dass für die Hausherren an diesem Abend etwas gehen und die Tabellenführung nach Leipzig wechseln könnte, mochte sich beim Betrachter nicht recht einstellen. Ja, die Defensive war klasse in der ersten Halbzeit. Ja, die Balleroberung passte. Aber wenn Dani Olmo und Co. das Leder hatten, ging es irgendwie nicht gefährlich weiter. "Wir hatten zu wenig Tiefe nach den Ballgewinnen", monierte Nagelsmann später. Zu "hektisch und wild" sei das dann gewesen. Da nützte es dann auch nichts, dass die Gastgeber in den ersten 30 Minuten klar die Spiel bestimmende Mannschaft waren, den BVB wie geplant stressten und beschäftigten.

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So hat Guido Schäfer die Leistung der RB-Elf im Duell mit Dortmund gesehen: ©

"Wir haben keine Torchancen herausgespielt, da können wir so viel Ballbesitz haben, wie wir wollen", analysierte Yussuf Poulsen treffend. "Wir können 1:0 in Führung gehen, wenn Tyler den Ball auf den zweiten Pfosten chipt", meinte sein Coach und dachte dabei an die Szene in der 26. Minute, als Emil Forsberg über rechts Adams auf die Reise schickte. Der US-Amerikaner hatte im Strafraum drei Möglichkeiten: selbst abzuschließen, auf den am zweiten Pfosten völlig frei stehenden Angelino zu passen oder den Ball in die Mitte zu geben. Er entschied sich für Letzteres, nur war Poulsen als möglicher Abnehmer nicht einmal ansatzweise in Position. "In so einem Spiel müssen wir da in Führung gehen", so Nagelsmann. Denn es blieb die einzige wirklich gute Offensivaktion seiner Elf in der ersten Hälfte. Ob Kevin Kampl, der wegen Schmerzen im linken Bein fehlte, entscheidende Impulse hätte einbringen können? Das wäre eine billige Argumentation, wehrte Nagelsmann solche Gedanken ab. "Es ist auch ungerecht gegenüber denen, die gespielt haben."

Bis zur nächsten guten Leipziger Strafraumszene dauerte es rund 40 Minuten. Dani Olmo tankte sich nach schöner Körpertäuschung in den Sechzehner vor, setzte den Schuss mit rechts aber lediglich an den linken Pfosten. Es hätte der Ausgleich sein können, denn Jadon Sancho hatte in der 55. Minute auf 0:1 gestellt. "Das hat uns den Rhythmus gebrochen", kommentierte der RB-Coach. Statt dessen machte wenig später Erling Haaland den zweiten schwarz-gelben Treffer. "Das hatte dann zwischendrin eine Zeit lang mal ein bisschen Parallelen dazu, wie es in Manchester war." Dort hatten die Leipziger in der Champions League eine 0:5-Klatsche kassiert. "Als wir realisiert haben, wir versuchen es, aber es gelingt eben nicht so gut, wie wir es uns vorstellen, verzagen wir vielleicht einen Tick zu schnell." Das sei aber menschlich. Er glaube nicht, dass die Niederlage gegen den BVB auf die Mentalität zurückzuführen sei.


Lob für Haaland

Tatsächlich war das 1:3 am Ende auch ein Ergebnis mangelnder Effektivität. Während RB von drei Schüssen auf's Tor einen unterbrachte, fanden von sechs Dortmunder Schüssen drei den Weg in den Kasten. Und während der BVB nach dem Sancho-Tor mehr und mehr Wege in die Tiefe fand, verlor RB den Zugriff sowohl offensiv also auch defensiv. Die Dreierkette Orban-Upamecano-Halstenberg hatte Erling Haaland in Halbzeit eins wirkungsvoll abgemeldet. Dass der Norweger überhaupt auf dem Platz stand, war nicht bemerkbar, Ballkontakte hatte er kaum. Das änderte sich in den zweiten 45 Minuten, auch weil RB sein Abwehr-Bollwerk öffnen musste, sich so mehr Räume ergaben. "Er hat eine unfassbare Quote. Deshalb wollten wir ihn ja auch haben", lobte Nagelsmann Haaland. Er sei noch sehr jung, habe sicher auch noch Entwicklungspotential. "Da wird die Liga noch ihre Freude dran haben. Die Gegner wahrscheinlich nicht immer."

Und seine eigene Elf? Der gelingen große Siege bis dato lediglich in der Königsklasse. In der Bundesliga blieben die Messestädter erneut den Nachweis schuldig, einen der Konkurrenten um Champions-League-Plätze und Tabellenspitze schlagen zu können. Zur Erinnerung: In Leverkusen hatte es ein 1:1 gegeben, in Gladbach eine 0:1-Niederlage, bei den Bayern ein fulminantes 3:3. "Wir müssen unsere Punkte eben auf anderen Plätzen holen." Aber: Als nächste Kontrahenten warten der VfL Wolfsburg (16.01., 15.30 Uhr) und Union Berlin (20.01., 20.30 Uhr). "Wir wussten, dass das Programm im neuen Jahr schwer wird. Die nächsten Gegner sind körperlich schwer zu verteidigen", so Nagelsmann. Ob er sich deshalb Sorgen mache? "Nein."