29. Juli 2020 / 20:50 Uhr

Nach Rücktrittsforderung: Der NFV-Kreis Schaumburg Vorsitzende Marco Vankann will vorerst im Amt bleiben

Nach Rücktrittsforderung: Der NFV-Kreis Schaumburg Vorsitzende Marco Vankann will vorerst im Amt bleiben

Jörg Bressem
Schaumburger Ztg. / Schaumburger Nachrichten
Marco Vankann
Marco Vankann © Archiv
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Nachdem es aus dem Vorstand des NFV-Kreis Schaumburg Rücktrittsforderungen an den Vorsitzenden Marco Vankann gegeben hat, äußert er sich im Interview zu den Anschuldigen.

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Die Streitigkeiten in der Vorstandsmannschaft des NFV-Fußballkreises gehen in die nächste Runde. Der in der Kritik stehende Vorsitzende Marco Vankann nahm zu den Vorwürfen seines Stellvertreters Rolf Schmidt und seines Sportgerichts-Vorsitzenden Volker Müller schriftlich gegenüber dem Kreisvorstand Stellung.

Er sagt, dass er nicht wie gefordert zurücktreten will, lässt aber erstmals mehrere Hintertürchen offen. Er wisse noch nicht, ob er erneut kandidieren wolle, schreibt er an seine Vorstandskollegen. Sollte es zu einer Kampfabstimmung kommen, könne er damit leben, keine Mehrheit zu bekommen. Wir unterhielten uns mit Marco Vankann.

Von Schmidt und Müller wird Ihnen vorgeworfen, dass Sie kein Vertrauen in die Arbeit der Kollegen hätten, dass sie schlecht delegieren können und kommunikationsschwach sind. Sie schreiben, dass diese Punkte in der letzten Vorstandssitzung geklärt wurden. Wie soll das gehen, wo es sich doch um persönliche Merkmale handelt?

Es gab auch sehr spezielle Vorwürfe, die sich auf den Einzelfall bezogen, Im Verbandsvorstand, in dem ich sitze, wurde zum Beispiel vereinbart, geplante Regelungen im Zusammenhang mit Corona vertraulich zu behandeln und auch nicht an den Kreisvorstand weiterzuleiten. Daran habe ich mich gehalten, was mir von einigen hiesigen Kollegen vorgeworfen wurde. Was das fehlende Vertrauen meinerseits angeht, denke ich nicht, dass ich mich in die Zuständigkeiten der Vorstandskollegen oder Ausschüsse eingemischt hätte.

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Vielleicht ist das der große Irrtum. In den Protokollen liest sich das, als wäre es abgearbeitet. Die Papiere sind sauber, aber die Beziehungsebene ist nicht geklärt, deshalb flammt die Unruhe immer wieder auf. Ist das möglich?

Es stimmt, dass die Beziehung zu einigen Mitgliedern gestört ist, das ist offenkundig. Fakt ist aber, dass wir auf einer Vorstandssitzung am 28. Mai erstmals über Personalien bezüglich der anstehenden Neuwahlen sprachen. Von Rolf Schmidt wurde eine weitere Vorstandssitzung zu diesem Thema beantragt, die am 14. Juli stattfand und in der ich ihm bewusst sofort das Wort erteilte.

Ich stelle fest, dass von den zehn Stimmberechtigten die Mehrheit mit meinen Antworten einverstanden war. Wir haben auch über konzeptionelle Angelegenheiten gesprochen, zum Beispiel darüber, wie die verloren gegangene Verbindung zur Basis verbessert werden kann, was übrigens kein Schaumburger Phänomen ist, sondern sich deutschlandweit zeigt. Die Kreise haben nun mal die oftmals unpopuläre Aufgabe, die Vorhaben der überordneten Verbände umzusetzen.

Schatzmeister Guntram Frühauf schien sich die Arbeit aber auch anders vorgestellt zu haben, war schon mal frustriert zurückgetreten und fühlt sich nach unserer Information bis zum heutigen Tag in seinen Kompetenzen beschnitten. Sie räumen ein, dass er wegen Ihnen Schluss machen will. Was läuft da bloß schief?

Er tritt wegen mir nicht mehr an, dem widerspreche ich nicht. In seiner Kompetenz wurde er von mir aber nicht beschnitten. Er hat die Konto-Vollmacht, aber es stimmt, dass ich ihm den Zahlungsverkehr nie übergeben habe, den er konkret 2019 angefordert hat.

Kommen wir zum altverdienten Schiedsrichter-Obmann Wilhelm Kläfker. Auch er hat Sie aufgefordert, sich zu fragen, ob Sie noch der Richtige sind. Was glauben Sie, hat ihn dazu veranlasst?

Es gab keinen konkreten Anlass. Es war eher eine generelle Kritik wie die von Rolf Schmidt und Volker Müller.

Sie schreiben, dass Sie einen Rücktritt gegenwärtig ausschließen? Was muss in der Zukunft noch passieren, damit Sie sich dazu entschließen?

Ich würde zurücktreten, wenn ich einen kompletten Vertrauensverlust im Vorstand spüren würde, kann das aber nur bei drei bis vier Personen erkennen. Zurzeit macht ein Rücktritt ohnehin keinen Sinn, weil der Kreistag nicht mehr weit ist.

Sie stehen nach eigener Aussage vielleicht nicht für eine erneute Kandidatur zur Verfügung. Wäre es im Sinne des Fußballs in Schaumburg dann nicht vernünftiger, jetzt sofort zu erklären, nicht mehr zu kandidieren, damit Klarheit besteht und sich eine neue Vorstandsmannschaft zusammenfinden kann?

Es war so gemeint, dass ich die einzelnen Vorstandsmitglieder befragen werden, ob sie noch hinter mir stehen. Wenn 80 Prozent sagen, dass das der Fall ist, mache ich weiter. Andernfalls kandidiere ich nicht. Ich werde über meine Kandidatur erst nach diesen Gesprächen entscheiden. Aktuell bin ich mir sicher, dass über die Hälfte der Kollegen hinter mir steht.

Sie schreiben außerdem, dass Sie damit leben könnten, auf dem Kreistag keine Mehrheit zu bekommen. Das würde auf eine Kampfabstimmung hinauslaufen. Haben Sie jemals erlebt, dass Konflikte auf Versammlungen zu guten Lösungen führen? Droht dann nicht schon wieder die Gefahr, dass ein Vorstand zusammengewürfelt wird, der nicht harmoniert?

Wenn es einen alternativen Kandidaten gibt, wie es geschrieben stand, kann es auch so laufen, dass die Versammlung über die Mannschaft A einschließlich ihres Konzeptes oder die Mannschaft B abstimmt. Auch das wäre eine saubere Lösung.

Die schlechte Erreichbarkeit, die Ihnen nicht nur von den Vorstandskollegen vorgehalten wird, ist vielleicht auch Ausdruck einer Überlastung und kann mit der mangelnden Übertragung von Verantwortung in Zusammenhang stehen. Der Chef macht alles selbst und macht die Mitarbeiter unglücklich.

Zur Erreichbarkeit muss ich sagen, dass es offizielle Kommunikationsmöglichkeiten gibt. Dringende Mails beantworte ich sofort, weniger dringende später. Es gibt aber auch WhatsApp oder Facebook-Anfragen von Personen, von denen ich nicht weiß, ob sie offiziell für den Verein sprechen. Da beantworte ich tatsächlich nicht alles. Es stimmt aber, dass viele Anfragen bei mir landen, die eigentlich an die Ausschussvorsitzenden gerichtet werden müssten und es kann sein, dass ich meine Nichtzuständigkeit nicht immer klar genug zum Ausdruck bringe.

Schmidt und Müller bemängeln auch die unzureichende Außendarstellung des NFV-Kreises. Wie finden Sie sie?

Stark verbesserungswürdig, das stimmt. Wir sollten nicht nur reagieren, sondern unsere Arbeit positiv darstellen. Vielleicht habe ich dafür einen Kandidaten, der das im Presseausschuss übernimmt.

Noch ein persönlicher Aspekt. Wenn die Vereine meckern, wenn einige Vorstandskollegen wegen Ihnen nicht weitermachen wollen, macht dann das Ehrenamt wirklich noch Spaß oder geht es nur noch um Pflichterfüllung?

Es macht mir Spaß und es geht keineswegs nur um Pflichterfüllung. Wenn das nicht so wäre, hätte ich schon hingeschmissen. Es ist aber wahrlich nicht immer leicht. Wenn zum Beispiel in einem Kommentar bemängelt wird, dass ich zu einem Freundschaftsspiel nicht erschien, dann sollte man wissen, dass ich 200 Kilometer entfernt im Urlaub war.