17. Mai 2021 / 09:01 Uhr

Nach schweren Ausschreitungen: Reaktionen nach Dynamo Dresdens Aufstieg getrübt

Nach schweren Ausschreitungen: Reaktionen nach Dynamo Dresdens Aufstieg getrübt

Caroline Grossmann und Stefan Schramm
Dresdner Neueste Nachrichten
16.05.2021, Sachsen, Dresden: Fußball: 3. Liga, SG Dynamo Dresden - Türkgücü München, 37. Spieltag. Polizisten laufen vor dem Stadion durch den Nebel von Pyrotechnik. Foto: Sebastian Kahnert/dpa +++ dpa-Bildfunk +++
Rundum das Dynamo-Spiel kam es zu Ausschreitungen und die Polizei musste eingreifen. © dpa
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Es hätte eine Freudenfest werden können und es endete im Chaos. Der Wiederaufstieg von Dynamo Dresden in die 2. Fußball-Bundesliga wird überschattet von Gewaltexzessen der Fans. Nun steht Aufarbeitung an.

Dresden. „Die halbe Nachbarschaft zündet Feuerwerk ... ist schon Silvester? Ach nee, Dynamo ist aufgestiegen!“, schrieb ein Fan der Schwarz-Gelben kurz nach Abpfiff via Twitter – und ein anderer jubelte: „Wir haben es tatsächlich geschafft! Ich bin total durch, aber überglücklich. Fühlt euch ALLE gedrückt, egal ob Dynamo oder nicht.“ Die große Anhängerschaft der SGD feierte überwiegend friedlich die Rückkehr in die 2. Bundesliga. Und der Verein erhielt viele Glückwünsche, zum Beispiel von der Dresdner CDU-Stadtratsfraktion: „Gratulation an Dynamo Dresden. 2. Liga, wir kommen zurück!“ hieß es da. Und auch Drittligist FSV Zwickau freute sich mit und twitterte: „Glückwunsch zum Aufstieg, Dynamo Dresden. Rockt die Liga! Auf ein baldiges Wiedersehen!“

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Allerdings rückten schon bald die Geschehnisse, die sich entlang der Lennéstraße außerhalb des Stadions während der zweiten Halbzeit und danach zutrugen, in den Mittelpunkt der Reaktionen. Dort wehrte sich die Polizei gegen Gewalttäter, die Augenzeugen zufolge in Richtung Stadion durchbrechen wollten. „Keine Ahnung, was hier gerade abgeht, aber es ist schade, dass es so endet“, meinte ein Twitter-User. „Wie erwartet der beschissenste Aufstieg der Geschichte ... trotzdem Glückwunsch“, teilte jemand seine Gedanken. Denn auch eine gemeinsame Feier der Fans mit dem Team war, wie zuvor angekündigt, anders als üblich nicht machbar.

DURCHKLICKEN: Bilder zu den Ausschreitungen

Am Rande des Dynamo-Aufstiegs kam es in Dresden zu Ausschreitungen und turbulenten Szenen. Zur Galerie
Am Rande des Dynamo-Aufstiegs kam es in Dresden zu Ausschreitungen und turbulenten Szenen. ©

„Auch wenn wir uns alle über den Aufstieg von Dynamo Dresden freuen: Die Gewalt am Stadion gegenüber den Einsatzkräften ist nicht akzeptabel“, teilte Dresdens Oberbürgermeister Dirk Hilbert mit. „Wir müssen als Gesellschaft in den vergangenen Monaten auf eine Menge verzichten und auch unsere Grundrechte wurden stark eingeschränkt. Umso geringer ist mein Verständnis, wenn sogenannte Fußballfans meinen, sie würden außerhalb dieser geltenden Regeln und Gesetze stehen. Die Gewalt und Aggressivität nach Spielende sind leider ein bitterer Beigeschmack für diesen sportlich so wichtigen Tag“, so der OB, der von Dynamo umfassende Aufarbeitung der Vorkommnisse erwarte. Leidtragende seien „vor allem die Fans, die seit Monaten geduldig auf die Rückkehr ins Stadion warten und dafür auch Verantwortung übernommen haben.“

"Verantwortungslos und gefährlich"

In die gleiche Kerbe schlug Albrecht Pallas: „Was heute in Dresden am Harbig-Stadion passierte, ist beschämend und lässt die Freude über den Aufstieg von Dynamo Dresden verblassen. Die Ausschreitungen gegen die Polizei und die Angriffe auf Journalisten sind schlicht kriminell und haben mit Fußball nichts zu tun“, so der innenpolitische Sprecher der SPD-Landtagsfraktion.

„Es war klar, dass es wegen der anhaltenden Corona-Pandemie keine ausgelassene Feier mit der Mannschaft geben kann. Verein, die Stadt und die Polizei hatten dazu aufgerufen, zu Hause zu bleiben. Seit Monaten werden Versammlungen wegen Corona beschränkt oder verboten. Die Stadt Dresden und die Polizei setzen das für die Gesundheit aller durch. Den gewaltbereiten ‚Fans‘ geht es nur um sich, ihren Frust und nicht um andere. Das ist verantwortungslos und gefährlich“, so Pallas.

Der Verein versprach noch am Abend, die Vorkommnisse intensiv aufzuarbeiten. Derweil mussten durch den Polizei-Einsatz auch die Dynamo-Granden aus alten Zeiten nach Abpfiff lange warten, bis sie vom Stadion-Parkplatz rollen durften. Ein Fan, der das sah, twitterte: „Klaus Sammer und Hansi Kreische können’s auch nicht fassen. ,Wäre ich heute lieber mit dem Fahrrad gefahren’, so Sammer vorhin zu mir.“