16. November 2020 / 10:26 Uhr

Nach Spielabbruch: TuS Sachsenhausen bezieht Stellung in offenem Brief

Nach Spielabbruch: TuS Sachsenhausen bezieht Stellung in offenem Brief

Redaktion Sportbuzzer
RedaktionsNetzwerk Deutschland
Torjubel beim TuS 1896 Sachsenhausen, der kurz vor der Pause durch Christopher Groll in Führung ging.
Der TuS Sachsenhausen will bei seinen Heimspielen künftig aktiv auf seine Position gegen Gewalt und Diskriminierung hinweisen. © Matthias Schütt
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Brandenburgliga: Verein mit klarem Bekenntnis gegen Gewalt und Diskriminierung. Fanbeauftragter und Zusammenarbeit mit der Initiative "Tolerantes Brandenburg" sind geplant.

Nach den Vorkommnissen und dem Spielabbruch am 31. Oktober bei der Brandenburgliga-Partie zwischen dem SV Altlüdersdorf und dem TuS Sachsenhausen hatten die Gäste eine umgehende Aufarbeitung des Eklats angekündigt. Aus dem TuS-Fanblock sollen an diesem Tag diskriminierende Äußerungen in Richtung eines dunkelhäutigen Altlüdersdorfer Spielers gerufen worden sein, die dazu führten, dass die SVA-Mannschaft kurz vor dem Ende der regulären Partie geschlossen das Feld verließ. Beim TuS will man nun Konsequenzen ziehen, wie der Verein in einem offenen Brief mitteilt.

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"Dem Ansehen unseres Vereins als einem der höchstklassigen Vertreter der Region wurde in den zurückliegenden Wochen massiver Schaden zugefügt", heißt es in dem Schreiben. Der Vorstand könne nicht zulassen, "dass der im Raum stehende Vorwurf über einen zweifellos inakzeptablen Vorfall während des Meisterschaftsspiels beim SV Altlüdersdorf unsere positive Entwicklung der vergangenen Jahre in Frage stellt". Auch deshalb habe man sich um eine lückenlose Aufklärung des Eklats bemüht.

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In dem offenen Brief heißt es weiter: "Wir haben nach vielen Gesprächen mit unserer Mannschaft, mit Fanvertretern und zahlreichen Partnern beschlossen, die Initiative zu ergreifen, nach vorn zu schauen und weiter nachdrücklich an unserem positiven Erscheinungsbild zu arbeiten. Wir haben uns unmissverständlich wiederholt klar und deutlich gegen jede Art von Gewalt, Rassismus und Diskriminierung positioniert. Diese Position gilt für uns nach wie vor. Dennoch sind wir als Verein in der öffentlichen Wahrnehmung kollektiv in ein schlechtes Licht gerückt worden." Man sei sicher, dass man dort nicht hingehöre, schreibt der TuS.

"Wir als Sportverein wollen nicht ohnmächtig auf ein Sportgerichtsurteil warten, sondern sofort Farbe bekennen und Zeichen setzen. Mit konkreten Maßnahmen und einem Verhaltenskodex ohne Interpretationsspielraum, der sofort nach seiner Inkraftsetzung, zum Leitbild des TuS Sachsenhausen gehören wird." Das Sportgericht des Fußball-Landesverbandes Brandenburg hatte bereits angekündigt, sich erst im kommenden Jahr mit dem Fall auseinanderzusetzen und auch über die sportliche Wertung der abgebrochenen Partie zu entscheiden.

Verein und Fanclub haben sechs Ziele festgelegt

Der Vereinsvorstand und der Fanclub haben nun sechs Ziele festgelegt, die man gemeinsam erreichen will. Dazu gehört die Erarbeitung eines Verhaltenskodexes für Mitglieder des Fanclubs, die auch namentlich erfasst werden sollen. Die Gruppierung "White & Black Company" hatte sich bereits vorher in einem eigenen öffentlichen Statement von den Vorfällen in Altlüdersdorf distanziert und gegen Rassismus und Diskriminierung ausgesprochen.

Der TuS 1896 kündigte weiterhin an, künftig mit der Initiative "Tolerantes Brandenburg" zusammenarbeiten zu wollen. Auch ein Fanbeauftragter als Schnittstelle zwischen Anhängern und Vorstand soll installiert werden. In Vereinsmedien sowie auf Spielplakaten soll es künftig ein klares Bekenntnis gegen Gewalt, Rassismus und Diskriminierung geben. Des Weiteren plant der TuS Sachsenhausen ein offenes Turnier für Mannschaften mit und ohne Migrationshintergrund. Und im Stadion soll nun bei den Heimspielen vom Sprecher offensiv und wiederholt der Hinweis auf die Stadionordnung erfolgen, die ausdrücklich jede Form von Ausgrenzung untersage. Ein Verstoß dagegen werde mit Haus- und Stadionverbot geahndet.


"Der TuS ist ein weltoffener Verein"

Der Verein bezieht in seinem Schreiben klar Stellung: "Der TuS Sachsenhausen ist ein weltoffener Sportverein, der für Toleranz und Vielfalt steht und genau diese Werte im täglichen Spiel- und Trainingsbetrieb lebt. Sowohl im Nachwuchs als auch im Erwachsenenbereich gestaltet sich die selbstverständliche Integration von Spielern mit Migrationshintergrund seit jeher problemlos. Fremdenfeindlichkeit hat bei uns keinen Platz!", heißt es in der Mitteilung des Vorstands abschließend.