14. Januar 2022 / 21:05 Uhr

Gislason muss "einmal tief durchatmen": DHB-Team gelingt Sieg zum EM-Auftakt

Gislason muss "einmal tief durchatmen": DHB-Team gelingt Sieg zum EM-Auftakt

Jens Kürbis
Lübecker Nachrichten
Zieht ab: Deutschlands Marcel Schiller (links) wirft auf das Tor von Belarus-Torhüter Viachaslau Saldatsenka. 
Zieht ab: Deutschlands Marcel Schiller (links) wirft auf das Tor von Belarus-Torhüter Viachaslau Saldatsenka.  © Marijan Murat/dpa
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Das Team von Trainer Alfred Gislason startete bei ihrem Auftakt in die Handball-EM gegen Belarus zunächst schleppend in die Partie, übernahm dann aber das Kommando. Am Ende siegte das DHB-Team mit vier Toren Vorsprung. Torhüter und Abwehr müssen sich steigern.

Alfred Gislason ballte kurz die Hand zur Faust, gab Torhüter Andreas Wolff lachend einen Klaps auf den Hintern. Die Erleichterung war dem Bundestrainer anzusehen. Nach einem turbulenten Auftakt sind Deutschlands Handballer in Bratislava am Ende souverän in die EM gestartet. 33:29 (17:18) gegen Belarus – die ersten zwei Punkte auf dem Weg in die Hauptrunde. "Natürlich musste ich erst einmal sehr tief durchatmen", gab Gislason zu, „wir sind schwer reingekommen.“ 17 Tore zur Pause waren nicht das Problem, 18 Gegentore schon. "Wir müssen uns in der Abwehr und im Tor steigern", brachte es Gislason auf den Punkt. Nächster Gegner ist an diesem Sonntag Österreich (18 Uhr, ARD).

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Mit dem Spiel hat sich die schwarz-rot-goldene Wundertüte geöffnet. Mit neun EM-Neulingen nach Bratislava gereist, davon acht, die weniger als 15 Länderspiele in ihrer Vita stehen haben, waren die Fragezeichen groß. Die Nationalmannschaft ist eine im Umbruch. Die Euro 2022 – auch die WM im kommenden Jahr – sind nur Durchgangsstationen auf dem Weg zu den Höhepunkten im eigenen Land, der EM 2024 und der WM 2027. Dann sollen Kapitän Johannes Golla und Co. um die Medaillen spielen. Die Erwartungen in der Heimat sind dennoch hoch. Das sind sie immer, wenn die Nationalmannschaft der stärksten Liga der Welt zu großen Titelkämpfen reist.

2:7-Rückstand nach elf Minuten

Aber: Diese Mannschaft steht für Vorfreude, für Lust, macht neugierig. "Die Jungs brennen", hatte Gislason vorher festgestellt. Er selbst setzte auf der Schlüsselposition sofort auf einen der jungen Wilden, gab im Tor Till Klimpke (23) den Vorzug vor Andreas Wolff (30). "Till hat einen guten Eindruck im Training gemacht, ich wollte, dass Andi von hinten kommt", erklärte Gislason. Doch der Schachzug ging nicht auf. Das Flaggschiff kam nach den ersten zehn EM-Minuten in schwere See. Unvorbereitete Würfe, Stürmerfouls, Abspiele, die ihren Adressaten nicht fanden – die Fehlerzahl häufte sich. Die Hände zitterten. Da auch die Abwehr inklusive Klimpke keinen Zugriff fand, war der Fehlstart perfekt: 2:7 nach elf Minuten.


Nach einer Auszeit kam Erfahrung ins Spiel. Wolff rückte zwischen die Pfosten, Julius Kühn für den glücklosen Sebastian Heymann in den linken Rückraum. Der Anzug passte – in der Offensive. Doch das reichte, um sich ins Spiel zurückzukämpfen (11:10/21.). Die Abwehr verdiente sich ihren Namen weiterhin nicht, fand vor allem gegen Kreisläufer Artsem Karalek kein Mittel. So fehlte dem deutschen Spiel das Tempo nach vorn. 17:18 zur Pause, nur ein gehaltener Ball der Torhüter – zu wenig. "Dass wir gerade in der Abwehr keine Lösungen finden, hatte ich so nicht erwartet", sagte DHB-Sportvorstand Axel Kromer zur Pause.

Es wurde besser. Die Abwehr – beweglicher, agiler – packte zu. Und so kam endlich Tempo ins Spiel. Die Konterwelle rollte. Auch im Positionsangriff fanden die Deutschen die Lücken. Kai Häfner (10 Würfe/8 Treffer) war der Motor, der„Man of the Match“, Julius Kühn der treffsichere Shooter (8 Würfe/6 Treffer). Dazu führte Philipp Weber klug Regie. Jetzt zahlte sich auch der breitere Kader aus. Nach 41 Minuten war Deutschland auf vier Plus enteilt (25:21). "Entscheidend ist weiter die Arbeit. Wir müssen sie kaputt machen", forderte Gislason in der Auszeit. Der Matchplan ging auf. Als Linksaußen Marcel Schiller mit seinem siebten Treffer zum 31:26 netzte, die weißrussischen Köpfe nach unten gingen, war der erste EM-Sieg im Kasten. "Sieg, Sieg", stimmten 200 deutsche Fans an. Ein Sieg, der selbstbewusst machen sollte für die nächsten Aufgaben.