08. November 2020 / 22:38 Uhr

Nach Transfer-Kritik: Wolfsburg-Trainer Glasner geht auf Kuschelkurs und muss zum Rapport

Nach Transfer-Kritik: Wolfsburg-Trainer Glasner geht auf Kuschelkurs und muss zum Rapport

Engelbert Hensel und Jürgen Braun
RedaktionsNetzwerk Deutschland
 Cheftrainer Oliver Glasner VfL Wolfsburg DFL REGULATIONS PROHIBIT ANY USE OF PHOTOGRAPHS AS IMAGE SEQUENCES AND/OR QUASI-VIDEO. *** Head Coach Oliver Glasner VfL Wolfsburg DFL REGULATIONS PROHIBIT ANY USE OF PHOTOGRAPHS AS IMAGE SEQUENCES AND OR QUASI VIDEO
Siegte mit seinem Team gegen 1899 Hoffenheim: Oliver Glasner, der Trainer des VfL Wolfsburg. © imago images/Hübner
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Trotz des Ärgers im Vorfeld der Partie siegte der VfL Wolfsburg am Sonntag gegen 1899 Hoffenheim mit 2:1 – Oliver Glasner versuchte vor und nach dem Spiel, die Wogen zu glätten...

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Diese Tage wird Oliver Glasner in seinem Trainerleben so schnell nicht vergessen. Am Donnerstag (bei Sky) und am Freitag (in der Pressekonferenz) hatte der VfL-Coach Kritik an den Transfers des Wolfsburger Bundesligisten geübt – und damit für ordentlich Zoff gesorgt. Der Österreicher hätte gern einen Offensivspieler mit Tempo und Tiefgang gehabt, ihn jedoch nicht bekommen. Doch rund um den 2:1-Sieg (Renato Steffen und Wout Weghorst trafen für den VfL, Sargis Adamyan für die Gäste) am Sonntag gegen 1899 Hoffenheim versuchte der Österreicher, die Wogen zu glätten. Der Sieg und der Sprung auf Platz sechs konnten dabei ein wenig helfen. Dennoch: Der 46-Jährige muss zum Rapport.

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Denn: Der VfL-Führungsriege um Manager Jörg Schmadtke und Sportdirektor Marcel Schäfer gefiel es gar nicht, was Glasner da gemacht hatte. Er haderte damit, dass es nicht gelungen sei, einen Offensivspieler mit Tempo und Tiefgang zu holen. Davon rückte er auch in der offiziellen Spieltags-Pressekonferenz nicht ab. Im Winter hatte man sich VfL-intern die Frage gestellt, ob man in die Offensive oder in die Defensive investieren wolle – man entschied sich in Absprache mit Glasner für die Defensive und tätigte mit der Verpflichtung von Marin Pongracic (war für rund 10 Millionen Euro von RB Salzburg gekommen) einen Vorgriff auf den Sommer. Mit Pongracic bekam Glasner seinen absoluten Wunschspieler...

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Die Glasner-Kritik an den Transfers hat auch in weiten Teilen der Mannschaft für Kopfschütteln gesorgt. Und: VfL-intern heißt es immer mal wieder, der Trainer habe Heimweh, die Trennung von der Familie, die in Österreich geblieben ist, falle ihm nicht leicht, zumal die Corona-Pandemie Besuche gerade unmöglich macht.



In den nächsten Tagen wird nun Tacheles geredet. „Das ist ein Vorfall, den wir besprechen werden. Der Zeitpunkt war mehr als unglücklich. Es gibt Themen, die man besser intern bespricht – und das Thema Kaderplanung gehört dazu“, sagte Schäfer im Sky-Interview. Dass beide Seiten bis 2022 (so lange läuft Glasners Vertrag) zusammenarbeiten werden, scheint immer unwahrscheinlicher. Am übernächsten Samstag, im ersten Liga-Spiel nach der Länderspiel-Pause, wenn die Wolfsburger bei Kellerkind Schalke ran müssen, soll Glasner auf der Bank sitzen. Man werde die Partie „mit dem jetzigen Trainer“ angehen, so Schäfer.

Auch Glasner selbst geht davon aus, dass er im Duell mit Königsblau auf der VfL-Bank sitzen wird. „Wir werden jetzt die Länderspiel-Pause nutzen, um uns zusammenzusetzen und die Sache zu besprechen“, sagte er. Er habe mit seinen Aussagen keinen Schaden anrichten wollen und sah auch keine Grenze überschritten. Er habe immer vom „Wir“ gesprochen, man habe jedoch einen Transfer eines Spielers, der für mehr Tiefe im Spiel hätte sorgen können, gemeinsam nicht erreicht. So etwas komme schon mal vor. „Und ich habe nicht mehr und nicht weniger dazu gesagt.“

An einen Rücktritt denke er nicht. „Das steht in keinster Weise zur Debatte.“ Mit einer Trennung seitens des Vereins rechnet er ebenso wenig: „Ich kann versprechen, dass wir weiter alles gemeinsam für den Erfolg des VfL tun werden.“ Glasner lobte die Neuzugänge Ridle Baku, Maximilian Philipp, Maxence Lacroix und Bartosz Bialek. „Wir haben tolle Möglichkeiten, haben den Kader sehr gut ergänzt und verstärkt.“ Einzig „ein Anforderungsprofil“ habe halt nicht realisiert werden können. „Das ist so im Fußball, das gibt es immer wieder.“ Das alles klang nach Schadensbegrenzung und nach Kuschelkurs, nachdem er selbst mit seinen Aussagen eine Welle erzeugt hatte.