25. Oktober 2020 / 20:26 Uhr

Nach Tunc-Traumtor: VfR Evesen holt beim VfL Bückeburg den Derbysieg +++ Mit Galerie und Video

Nach Tunc-Traumtor: VfR Evesen holt beim VfL Bückeburg den Derbysieg +++ Mit Galerie und Video

Jörg Bressem
Schaumburger Ztg. / Schaumburger Nachrichten
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Die Teams schenken sich nichts: VfL-Torwart Josef Werner stellt sich Niko Kleiber entgegen. © Uwe Kläfker
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Heiß erwartet, wie der Klimawandel: Das Derby zwischen dem VfL Bückeburg und dem VfR Evesen hielt was es im Vorfeld versprach. Und das mit dem besseren Ausgang für den VfR Evesen.

Es durften nur 100 Zuschauer dabei sein und das Wetter war miserabel. Mehr nagative Aspekte gab es aber wirklich nicht im Schaumburger Landesliga-Gipfeltreffen, das der VfR Evesen mit 2:0 gewann. Das sportliche Niveau war extrem hoch und die Intensität, mit der Spiel austragen wurde, war es auch. Der VfL Bückeburg und der VfR Evesen machten Werbung für den heimischen Fußball, der sich gestern von einer wunderbaren Seite zeigte. Denn trotz allen Kampfes, trotz verbissener Zweikämpfe, trotz aller Leidenschaft kam die spielerische Seite und auch die Fairness im innerstädtischen Machtkampf nicht zu kurz. Das 2:0 der Gäste war am Ende auch ein Sieg der größeren Routine, insbesondere der von Caglayan „Charly“ Tunc mit seinem eleganten 2:0.

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Vor der Halbzeit lief es allerdings nicht besonders gut für die Gäste. Die junge Mannschaft des VfL Bückeburg kniete sich entschlossen in das Spiel hinein, war erstaunlicherweise in den Zweikämpfen überlegen, trug auch die weitaus besseren Angriffe vor. Mit welcher Selbstverständlichkeit sich Spieler wie Julian Steierberg, Michel-David Kümmel oder Christian Paul Schwier in den eindringlichen Duellen behaupteten, mit welcher Selbstverständlichkeit sie ans Werk gingen, das war großer Fußball.

VfL nutzt die Chancen nicht

Der VfL Bückeburg war in der ersten Halbzeit auch spielerisch die bessere Mannschaft. Gut und gerne hätte er mit einer 2:0-Führung in die Pause gehen können. Aber Finn-Kristian Fischer zog den Ball zweimal am langen Eck vorbei und Cedric Schröder schaffte es nicht, ihn aus einem Meter im Getümmel über die Linie zu stochern. Zudem gab es mehrere wilde Aktionen, bei denen ein Elfmeter für Bückeburg denkbar gewesen wäre. Schiedsrichter Gabriel Müller aus Algesdorf zeigte sich aber großzügig, leitete das leidenschaftliche Spiel ohnehin so generös, dass es ihm in einigen Phasen beinahe entglitten wäre.

VfL Bückeburg - VfR Evesen

Dass nicht der VfL Bückeburg, sondern der VfR Evesen mit einer 1:0-Führung in die Kabine ging, entstand in der 24. Minute eher zufällig. Ein Freistoß von Burak Buruk prallte im Strafraum ab, der Ball fiel Jannis Städter vor die Füße, der ihn einlochte. Schwer zu verteidigen für den VfL Bückeburg. Nach der Pause ging es zunächst einmal ähnlich weiter. Der VfL Bückeburg trug die besseren, die flüssigeren Kombinationen vor. Doch die Konzentration bei den Platzherren ließ langsam nach. Die Angriffe wurden ungenauer und mit zunehmender Spielzeit unkonkreter.

Landesliga-Derby: VfL Bückeburg - VfR Evesen

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Der VfR Evesen tauchte seltener vor dem Tor des Gegners auf, war dann aber wesentlich gefährlicher als Bückeburg. VfL-Torwart Josef Werner bewies in dieser Phase, wie stark er geworden ist. Er lenkte den Schuss von Niko Kleiber über die Latte, hielt auch gegen Tunc und Paskal Fichter. Geschlagen war er erst, als Tunc den Ball von halblinks mit perfekter Flugbahn über ihn hinweg zum 2:0 in den Winkel schlenzte. Das war in der 66. Minute und es wäre noch Zeit gewesen für den VfL Bückeburg.

Caglayan Tunc erzielt das 2:0 für den VfR Evesen gegen den VfL Bückeburg

Aber die Abwehr des VfR Evesen hatte sich mittlerweile gut auf die Angriffswellen der Platzherren eingestellt. Das Spiel blieb intensiv und auch fußballerisch hochwertig, doch die ganz großen Torszenen erspielte sich der VfL Bückeburg jetzt nicht mehr. Als Müller drei Minuten vor Schluss nach einem Foul von Nils Rinne auf Elfmeter für Evesen entschied, wäre fast das 3:0 gefallen, was dem Spielverlauf nun wirklich nicht mehr entsprochen hätte. Buruk Burak scheiterte aber an Werner, der seine starke Leistung damit krönte.


VfL Bückeburg: Werner, Struckmeier, Christian Paul Schwier, Kümmel (70. Othmer), Bremer, Rinne, Julian Steierberg, Jan-Malte Schwier, Bastian Könemann, Schröder, Fischer.

VfR Evesen: Förster, Städter, Buruk, Bennett Heine, Siepe, Tunc, Kleiber (88. Elsner), Hull, Stolte (89. Moritz Heine), Lennard Heine, Fichtner (78. Rogowski).

Stimmen zum Spiel

Torben Brandt (Trainer VfL Bückeburg): Es tut natürlich weh, aber ich kann meiner Mannschaft eigentlich keinen großen Vorwurf machen. Sie kämpfte gut, sie spielte auch gut. Der Schiedsrichter hätte in der ersten Halbzeit zwei Elfmeter für uns geben müssen. Dann wäre es anders gelaufen.

Bastian Könemann (Stürmer VfL Bückeburg): Ich bin stolz auf unsere jungen Leute. Es war großer Sport, wie selbstbewusst sie den VfR Evesen bekämpft haben. Wenn diese Mannschaft zusammenbleibt, hat der VfL Bückeburg in den nächsten Jahren eine große Zukunft.

„Charly“ Tunc (Siegtorschütze des VfR Evesen): Es war ein starkes Spiel von uns. Wir waren reifer, deshalb gewannen wir verdient. Aber wir haben uns zeitweise dem Bückeburger Spiel mit langen Bällen angepasst. In der ersten Halbzeit mussten wir auch kritische Szenen überstehen.

Jonas Abram (früher VfL Bückeburg, seit Sommer VfR Evesen): So geht Fußball. Im richtigen Moment waren wir da, deshalb geht das 2:0 in Ordnung. Es war aber natürlich auch eine kleine Portion Glück dabei.

Josef Werner (Torwart VfL Bückeburg): Insgesamt fand ich unser Spiel gut, in der ersten Halbzeit sogar sehr gut. Es hat mir toll gefallen, wie wir den VfR Evesen bearbeitet haben, wie er zeitweise kaum etwas zustande brachte.

Alexander Bremer (36-jähriger Torjäger des VfL Bückeburg): Ich fand, dass es ein Spiel auf Augenhöhe war, mit dem wir sehr zufrieden sein können. Wenn wir mit einer Führung in die Pause gehen, was wir müssen, dann hätten wir dieses Spiel auch gewonnen.

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Außenansichten

… von Andreas Bomba. Der 55-jährige Beamte spielte früher selbst erfolgreich für den VfL Bückeburg und ist der Vater von Michel-David Kümmel: "Trotz der Niederlage war ich auch vom Spiel des VfL Bückeburg angenehm überrascht. Das war kein Hau-Ruck-Fußball, das war ein ganz starkes Landesliga-Spiel, was wir hier heute sahen. Ich hätte eher ein Unentschieden als gerecht empfunden."

… von Fynn Marzinowski. Der Abwehrspieler des VfR Evesen startete mit erstaunlich starken Leistungen in die Saison, verletzte dann aber schwer. "Der VfL Bückeburg hätte ganz klar in Führung gehen können. In der zweiten Halbzeit habe ich aber ein gutes Spiel von uns gesehen. Das war keine B-Ware und das war auch nicht charakterlos, wie es zu lesen war."

… von Christoph Stork. Der 27-jährige war früher beim VfR Evesen und ist multifunktional unterwegs. Er trainiert die U13 des VfL Bückeburg und er ist der Torwarttrainer bei den Herrenmannschaften. Außerdem ist er Stand-By-Torwart beim SV Obernkirchen. "Wir hatten ein klares Chancenplus, müssen aber die größere Erfahrung des VfR Evesen anerkennen. Der Schiedsrichter ließ nach meinem Geschmack zu viel durchgehen und war dem Spiel nicht gewachsen."

…. von Andreas Müller. Der 59-jährige wohnt in Bückeburg und ist schon deshalb Anhänger des VfR Evesen, weil Burak Buruk sein sein Arbeitskollege im Fliesenfachhandel ist. "In der ersten Halbzeit fand ich den VfR Evesen schwach, in einzelnen Szenen sogar erschreckend schwach. Am Ende setzte sich die größere Routine verdient durch."

…. von Klaus Bremer. Der Vater von VfL-Torjäger „Bubi“ Bremer ist Stammgast im Jahnstadion. "Wir hätten unsere guten Angriffen in der ersten Halbzeit besser zu Ende spielen müssen. Es fehlte das Tor, es fehlte im Anschluss vielleicht auch manchmal die Erfahrung."