26. März 2020 / 13:02 Uhr

Nach Verlegung: Cathérine Bader hofft auf sorgenfreie Paralympics 2021

Nach Verlegung: Cathérine Bader hofft auf sorgenfreie Paralympics 2021

Carsten Schmidt
Hannoversche Allgemeine / Neue Presse
Leichtathletik-Landestrainerin Cathérine Bader (2.v.l.) wnedetet sich in einem Appell an das IOC.
Leichtathletik-Landestrainerin Cathérine Bader (2.v.l.) wnedetet sich in einem Appell an das IOC. © Nancy Heusel
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BSN-Trainerin Cathérine Baders Appell wurde erhört: Das IOC hat die Olympischen Spiele und die Paralympics 2020 in Tokio um ein Jahr verschoben. Bader befürchtete nicht nur ein mögliches Qualifikationschaos, sondern auch dass die Athleten um unvergleichliche Eindrücke gebracht werden.

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Das hatte sich Cathérine Bader nicht träumen lassen. Die Leichtathletik-Trainerin, die beim Behindertensportverband Niedersachsen (BSN) eine erfolgreiche Arbeit leistet und ihre Athleten schon zu internationalen Medaillen führte, musste nur zwei Tage warten, bis ihr Appell zur Verschiebung der Olympischen Spiele und der Paralympics erhört wurde. Bader hatte sich kurz zuvor in die wachsende Schar der Befürworter einer solchen Maßnahme wegen der Corona-Pandemie eingereiht.

„Viele Sportler haben keinerlei Möglichkeiten mehr, professionell zu trainieren, Trainingsstätten sind geschlossen, Trainingslager abgesagt“, schrieb sie in einem Appell an das Internationale Olympische Komitee (IOC). „Wir befinden uns in einer globalen Ausnahmesituation.“ Daher war die Entscheidung des IOC mit Präsident Thomas Bach an der Spitze und der japanischen Regierung, die Veranstaltungen erst im Sommer 2021 auszutragen, für Bader längst überfällig.

 „Kontakt zu den Sportlern habe ich über Skype“

Die Trainerin spürt die Besonderheit der Lage auch lokal. Sie leitet derzeit die Aktiven nicht direkt am Rande der Tartanbahn an. „Ich sitze im Homeoffice“, sagte die 54-Jährige. „Kontakt zu den Sportlern habe ich über Skype.“ Trainingspläne gibt es per E-Mail. Und auch da ist Fantasie gefragt. „Viele kommen ja gar nicht mehr zu den Einheiten in die Hallen oder Stadien.“

Ihre Sportler trainieren im Wald, die Rennrollstuhlfahrer auf „asphaltierten Wirtschaftswegen, die haben eine glattere Oberfläche und sind daher für sie besser geeignet.“ Im Schnelligkeitstraining geht es dann auch nicht von exakt vermessenen Bahnmarken aus, sondern „von Baum zu Baum. Das sind dann eben auch mal 212 statt 200 Meter, da muss man improvisieren“, sagte Bader.

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„Es wäre ein Witz gewesen, dann die aktuelle Weltrangliste heranzuziehen“

Paralympics 2020 wäre für sie aus mehreren Gründen undenkbar gewesen. „Es hätte ein Qualifikationschaos gegeben.“ Die meisten Wettkämpfe um die Tickets in der ersten Jahreshälfte waren bereits lange vor der Verlegung der Spiele abgesagt worden. „Es wäre ein Witz gewesen, dann die aktuelle Weltrangliste heranzuziehen“, sagte die Trainerin.

Zumal auch die Sportler ganz unterschiedlich von der Pandemie betroffen sind. In Asien gibt es schon wieder die ersten Meetings, in Europa und Amerika dagegen ruht der Betrieb. Verzichte von Kanada und weiteren Ländern hätten einen großen Schatten auf eine Veranstaltung geworfen, die sich auch als „Fest der Völker“ versteht.

Bader hofft auf sorgenfreie Spiele 2021

Bader hegte zudem Zweifel, ob unter diesen Vorzeichen überhaupt die rechte Stimmung aufkommen könne. „Ich selbst habe den sensationellen Geist von Paralympischen Spielen miterlebt“, sagte sie. 2000 gewann die gebürtige Leipzigerin, der von Geburt an der rechte Unterarm fehlt, in Sydney Gold im Weitsprung.

„Ich habe hart für dieses Ereignis trainiert“, sagte sie und nahm außer der Medaille auch noch unvergleichliche Eindrücke mit – über „das Zusammenleben der Sportler im olympischen Dorf, die Begeisterung in den Stadien und die tollen Partys in den Ausrichterstädten“. Auch diese Erlebnisse machen die Spiele aus. Daher hofft Bader nun, dass die Wettkämpfe 2021 in Tokio frei von Sorgen um die Gesundheit stattfinden können.

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