23. Oktober 2020 / 17:21 Uhr

Nach vielen Rückschlägen: Ende der Leidenszeit für Dirk Atlas

Nach vielen Rückschlägen: Ende der Leidenszeit für Dirk Atlas

Marius Böttcher
Märkische Allgemeine Zeitung
Dirk Atlas hat sich nach vielen verletzungsbedingten Rückschlägen auf den grünen Rasen zurückgekämpft.
Dirk Atlas hat sich nach vielen verletzungsbedingten Rückschlägen auf den grünen Rasen zurückgekämpft. © Marius Böttcher
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Landesliga Nord: Nach vielen Jahren kann der 24-jährige Angreifer des FK Hansa Wittstock wieder schmerzfrei auf dem Fußballplatz stehen - Kellerduell gegen Babelsberg 03 II ist abgesagt.

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Ob zehn, 15, 20 oder gar 30 Tore – eine etatmäßige Offensivkraft setzt sich vor dem Start der Fußball-Saison üblicherweise eine eigene Tormarke. Bei Dirk Atlas verhält sich das gegenwärtig ganz anders. Der 24-jährige Angreifer des FK Hansa Wittstock konzentriert sich auf Dinge, die für einen Landesliga-Kicker längst fundamental sein sollten. „Mein erstes Ziel ist es, mir wieder eine gewisse Technik anzueignen. Einfache Sachen wie Ballannahme oder Pässe in die Tiefe fallen mir noch schwer“, verrät Atlas. Das Kellerduell mit dem SV Babelsberg 03 II fällt am Samstag jedoch aus, da sich zwei FKH-Kicker in Quarantäne befinden.

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Es scheint, als habe der gebürtige Pritzwalker, welcher in Zaatzke aufgewachsen ist, das Dasein des unfreiwilligen Zuschauers endgültig beendet. Der Weg, den Dirk Atlas in den letzten Jahren bestritt, war steinig und voller Hürden, hinter der langen Leidenszeit will er aber nun ein Häkchen machen – und als einer von elf Hanseaten dem runden Leder nachjagen. „Vor allem gedanklich ist dieses Gefühl, wieder auf dem Fußballplatz zu stehen, sehr befreiend“, erklärt der Vollblutstürmer, dessen Verletzungsmisere im Mai 2017 ihren Anfang genommen hatte.

In Bildern: 7:0-Kantersieg für Schwarz-Rot Neustadt im Derby gegen Hansa Wittstock.

Die Hausherren (rote Trikots) drehen nach der Pause auf und feiern den dritten Sieg in Serie. Tarik Wenzel erzielte im zweiten Durchgang drei Treffer. Zur Galerie
Die Hausherren (rote Trikots) drehen nach der Pause auf und feiern den dritten Sieg in Serie. Tarik Wenzel erzielte im zweiten Durchgang drei Treffer. © Marius Böttcher

Noch im Trikot des BSV Zaatzke aktiv, war Dirk Atlas bewusst, dass er sich nach dem feststehenden Abstieg aus der Landesklasse West in einer höheren Liga beweisen will – sogar Gespräche mit dem MSV Neuruppin, bei dem er als A-Junior ein Jahr spielte, gab es. „Mehrere komplexe Bänderrisse haben die Situation aber nicht einfacher gemacht, ich konnte nicht abschätzen, wie lange ich ausfallen würde“, erklärt er. Der FK Hansa – zu diesem Zeitpunkt frisch gebackener Landesliga-Aufsteiger – nahm diese Ungewissheit in Kauf und bemühte sich um die Dienste des Torjägers. Dass die kommenden Monate und sogar Jahre aber solch einen negativen Verlauf nehmen würden, ahnten beide Seiten nicht.

In den kommenden drei Spielzeiten war Atlas bloß in zwei Pflichtpartien für den FKH im Einsatz: am 16. Juni 2018 beim 7:0-Sieg gegen die SG Michendorf kam er auf sechs Minuten (und ein Tor), weitere 45 folgten am 24. Februar 2019 gegen Chemie Premnitz. „Es traten immer wieder Schwierigkeiten auf, Knochenmarködeme hatten sich gebildet, vermutlich hätte der Heilungsprozess noch andauern sollen. Mittlerweile habe ich schon zwei Operationen hinter mir, ohne Schmerzen konnte ich meinen Fuß eine Zeit lang kaum bewegen“, betont der Polizeibeamte, der seine Ausbildung in Neustrelitz absolvierte, nun jedoch in der Nähe von Rosenheim arbeitet. Wegen seiner Krankenakte wird Atlas, der alsbald in die Heimat für ein Studium zurückkehren will, im Innendienst eingesetzt.

Rückkehr nach Zaatzke nicht ausgeschlossen

Die 0:7-Schlappe in Neustadt am 5. Spieltag tat den Hanseaten mächtig weh, einer machte aber innerlich Freudensprünge. Auch wenn die 45 Minuten inklusive sechs Gegentoren sportlich alles andere als erfolgreich waren, stand Atlas endlich wieder auf dem Fußballplatz. Eine Woche später zog er bei der 2:5-Niederlage gegen Ahrensfelde sogar 90 Minuten durch. „Das ist ein Riesenerfolg für mich. Auf dem Platz selbst bin ich schmerzfrei, an den Tagen danach will der Fuß noch nicht immer so, wie ich es will. Die Unterschiede sind aber enorm“, freut sich Atlas, dessen Rückkehr sich positiv bemerkbar machte. Gegen Ahrensfelde gelang ihm nach 23 Minuten die 1:0-Führung, zudem bietet er dem Trainer-Duo Tino Sasse/Erik Sonnenberg eine Alternative.

„Die beiden machen eine Top-Arbeit, ohnehin liegt der Spaßfaktor innerhalb der Truppe bei 100 Prozent.“ Jene Komponenten lassen Dirk Atlas positiv in den weiteren Saisonverlauf blicken: „Ich glaube, dass wir die Klasse halten. Der Zusammenhalt stimmt und wenn wir das taktische Konzept umsetzen, lässt der Erfolg nicht mehr lange auf sich warten.“ Seine Konzentration gilt dem FKH, auch wenn er sich eine Rückkehr ins Heimatdorf Zaatzke, wo Papa Jörn Vorsitzender ist, vorstellen kann: „Zum Ende der Laufbahn vielleicht. Noch bin ich aber zu ambitioniert, trotz der verletzungsbedingten Vorgeschichte.“