13. Dezember 2020 / 14:40 Uhr

Nachdenkliche Adventszeit bei Regionalligist Chemie Leipzig

Nachdenkliche Adventszeit bei Regionalligist Chemie Leipzig

Jens Fuge
Leipziger Volkszeitung
Bei Chemie Leipzig ist das Jahr 2020 beendet - eine nachdenkliche Adventszeit steht den Leutzschern bevor.
Bei Chemie Leipzig ist das Jahr 2020 beendet - eine nachdenkliche Adventszeit steht den Leutzschern bevor. © Andre Kempner
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2020 gibt es bei Chemie kein Training mehr. Und auch die BSG kommt nicht ohne Quarantäne und Coronafälle durch. Für Trainer Jagatic ist  „jetzt anderes wichtig“.

Leipzig. Die BSG Chemie sagt leise Servus – und verabschiedet sich vom im wahrsten Sinne des Wortes „Seuchenjahr“ 2020. Am Freitagabend versammelte Trainer Miro Jagatic ein letztes Mal die Seinen zum Training und verabschiedete die Mannschaft bis zum Januar nächsten Jahres. Dabei musste er wie schon zuletzt auf einige Spieler verzichten – coronabedingt.

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Tests inzwischen alle negativ

Mit Alexander Bury und Benjamin Schmidt befinden sich zwei Chemie-Kicker mittlerweile seit zehn Tagen in Quarantäne – eine Mitbewohnerin in Schmidts WG war positiv getestet worden. „Seit heute darf ich endlich wieder raus“, atmete Bury auf, „immer nur daheim, höchstens Mal auf dem Balkon frische Luft schnappen, das ist schon nervenaufreibend“.

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Der Mittelfeldspieler behalf sich während der Quarantäne mit Playstation und Serien: „Netflix ist mein bester Freund geworden. Aber auch fürs Studium macht man automatisch mehr als zuvor.“

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Im Chemie-Umfeld war es zuletzt zu zwei Corona-Fällen gekommen. Hauptsponsor Uwe Thomas hatte sich infiziert, hat sich inzwischen aber wieder erholt. Thomas: „Zwei Tage Beschwerden, dann ging es wieder. Aber einerlei war mir das nicht.“ Inzwischen seien alle Tests negativ verlaufen, Thomas fühle sich noch etwas schlapp, aber besser. Auch einen weiteren Fall im Führungszirkel gab es, weitere Informationen wurden mit Verweis auf die Privatsphäre des Betreffenden nicht gegeben.

„Es ist absolut richtig, jetzt einen Cut zu machen“

Für die Zeit des Totalstillstandes haben die Spieler nun ihre individuellen Trainingspläne mit nach Hause bekommen, um sich fit zu halten. Miro Jagatic findet die Entscheidung des vorzeitigen „Aus“ vernünftig: „Alles andere wäre der falsche Ansatz. Wenn man die Gesundheit nicht mehr hat, was hat man denn dann?“ Er plädiert für eine Art Quarantäne, in die sich jetzt vor den Feiertagen Jedermann begeben sollte, um zu den Feiertagen sich und seine Familie zu schützen: „Da gab es auch bei uns ein Umdenken, damit auch niemand wirklich angesteckt wird.“

Die Entscheidung habe man getroffen, bevor die Politik die Zügel anzog. Trotzdem bleiben Trainer und Verantwortliche im täglichen Kontakt: „Wir reden viel, spielen alle Möglichkeiten ständig durch. Die Situation schweißt uns noch enger zusammen als ohnehin schon.“

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Für Routinier Benny Boltze fühlt sich die frühe Pause mehr als ungewohnt an: „Ich habe noch nie in meiner Karriere jemandem so früh frohe Weihnachten gewünscht. Gut geht es einem damit natürlich nicht, man muss sich arrangieren – es ist absolut richtig, jetzt einen Cut zu machen. Aber es nervt ungemein, vor allem, dass man nicht weiß, wie es weitergeht.“

„So möchte ich auf keinen Fall aufhören!“

Eigentlich läuft sein letztes Vertragsjahr, aber so still und leise will Boltze nicht von der Fußballbühne abtreten: „Ich kann noch mithalten, es macht Riesenspaß mit dieser geilen Truppe hier. Es ist jetzt natürlich nicht an der Zeit, über Verträge zu reden, aber so möchte ich auf keinen Fall aufhören!“ Auch finanziell sind die Spieler nicht auf Rosen gebettet. Boltze beispielsweise, der bei Chemie-Ausrüster „11teamsports“ im Außendienst arbeitet, ist seit November auf Kurzarbeit gesetzt, andere Kicker betrifft das ebenso.

Die Gedanken sind meist aber bei anderen, denen es noch schlechter geht. Alex Bury denkt nach seiner Quarantänezeit an die, „die ganz allein sind. Wie mag sich das für die anfühlen?“ Und Trainer Jagatic fasst es so zusammen: „Fußball kann man immer spielen, jetzt ist anderes wichtiger. Jeder Tote ist einer zu viel!“ Ein besinnliches Weihnachten steht bevor – auch bei der BSG Chemie.