25. November 2021 / 14:09 Uhr

Nachfolger gesucht: Nachwuchsleiter Löser geht beim Döbelner SC in Rente

Nachfolger gesucht: Nachwuchsleiter Löser geht beim Döbelner SC in Rente

Leon Heyde
Leipziger Volkszeitung
Zukünftig will Löser sich auf seine Tätigkeit am DFB-Stützpunkt konzentrieren. 
Zukünftig will Löser sich auf seine Tätigkeit am DFB-Stützpunkt konzentrieren.  © Sven Bartsch
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Ulrich Löser gesteht: „Mir brennt schon etwas das Herz“. Die Gedanken des 64-Jährigen kreisen um die zurückliegenden sieben Jahre und den 31. Dezember. Dann soll Schluss sein für Löser, der seit 2014 die Geschicke im Nachwuchszentrum des Döbelner SC leitet. 

Döbeln. Die Rente verhindert für den mit einer B-Lizenz ausgestatteten Fußballtrainer ein andauerndes hauptamtliches Engagement. Es wird ein ungewohntes Bild sein, Löser nicht mehr sieben Tage die Woche über Döbelner Fußballplätze schwirren zu sehen. Schließlich leitet sich das Döbelner Nachwuchszentrum (DNZ), das zusammen mit Lösers Amtsantritt ins Leben gerufen wurde, nicht von allein. Der Anspruch des DSC ist es, nach den Nachwuchsleistungszentren der sächsischen Bundesligisten, Anlaufstelle Nummer eins in der Region zu sein.

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Suche gestaltet sich kompliziert

Ein erster Schritt dorthin war die Verpflichtung von Löser, der zuvor im Nachwuchs des FSV Oschatz und des FC Eilenburg coachte und zudem als DFB-Stützpunkttrainer in Döbeln aktiv ist. Dessen ist sich auch Thomas Kolbe bewusst, Präsident des Döbelner SC: „Uli war und ist ein wichtiger Baustein für die Entwicklung unseres Vereins. Mit seinen Verbindungen in den sächsischen Fußball konnte er uns auf eine neue Ebene heben und mit seinem fußballerischen sowie methodischen Sachverstand wichtige Impulse setzen.“

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Löser erstellte ein Nachwuchskonzept, das die Kinder des Vereins sowohl sportlich als auch sozial förderte, bildete Trainer aus und coacht gleichzeitig noch immer die vier Mannschaften des DSC im E- und F-Juniorenbereich. Im Mai teilte er dem DSC mit, sich aus dem Verein zurückziehen zu wollen. Zukünftig will Löser sich auf seine Tätigkeit am DFB-Stützpunkt konzentrieren, wo er einmal pro Woche das Training leitet und junge Talente der Region sichtet. Deutlich entspannter könnte Löser in seinen fußballerischen Lebensabend starten, wenn da nicht dieser 31. Dezember wäre und die mit dem Datum verbundene Frage: Wer kommt danach?

Die Suche nach einem hauptamtlichen Nachwuchsleiter (beziehungsweise einer Nachwuchsleiterin) gestaltet sich kompliziert. Der Verein veröffentlichte dazu eine Stellenausschreibung. Eine B-Trainerlizenz soll der Neue besitzen, zudem Erfahrung im Nachwuchssport. Neben der Erstellung eines sportlich-sozialen Konzepts gehört es zum Aufgabenbereich des DNZ-Leiters, Nachwuchsmannschaften und Trainer zu betreuen, Kinder und Jugendliche für den Verein zu akquirieren und die Geschäftsstelle bei Organisation und Sponsorenbetreuung zu unterstützen. „Wir suchen somit nach der Nadel im Heuhaufen“, sagt Kolbe. „Der DSC ist nicht RB oder Aue, aber für jemanden, der die Affinität für den Fußball besitzt, ist das eine sehr attraktive Möglichkeit, einen Verein zu gestalten.“

Spaß am Sport im Vordergrund

Döbeln biete eine spannende Möglichkeit, da die Stadt nicht im direkten Einzugsgebiet der sächsischen Metropolen liege und somit ein großes Spielerpotenzial aufweise. Immer wieder schafften Spieler des DSC in den letzten Jahren den Sprung in die Nachwuchsleistungszentren, alle Teams spielen in der Landesklasse. Die Grundlagen im DSC-Nachwuchs seien somit vielversprechend. „Wir haben uns bewusst für eine Ausschreibung entschieden, um uns als Verein nach außen zu öffnen. Auch junge Bewerber, die sich vielleicht schon ihre ersten Sporen verdient haben, könnten bei uns zum ersten Mal richtig Verantwortung übernehmen“, erzählt Kolbe.

Nachwuchszentrum des Döbelner SC: hier die F-Jugend mit Nachwuchsleiter Ulrich Löser (M).
Nachwuchszentrum des Döbelner SC: hier die F-Jugend mit Nachwuchsleiter Ulrich Löser (M). © Sven Bartsch

Zwar ist die Anforderungsplatte nicht klein, dennoch betont der DSC-Präsident, dass am Ende die menschliche Komponente entscheiden wird: „Wir wollen jemanden, der für unsere Idee brennt, der mitgestalten und mitentwickeln will.“ Über die nächsten Jahre hoffen die Döbelner ihre Rolle im sächsischen Fußball somit weiter etablieren zu können: Ausbildungsverein für Talente, die den nächsten Schritt gehen wollen und Anlaufstelle für Jugendliche, die ihre Zukunft nicht im Leistungssport sehen.


Im breit aufgestellten DSC-Nachwuchs soll sowohl Kindern eine Perspektive geboten werden, bei denen der Spaß am Sport im Vordergrund steht, als auch denjenigen, die leistungsorientiert trainieren und spielen wollen. Beides zu vereinen, wird Aufgabe des neuen Nachwuchsleiters sein. Ulrich Löser steht wie kaum ein zweiter für diese Idee im Verein. „Wir wollen die Botschaft vermitteln: Jeder, der durch das Tor im Heinz-Gruner-Sportpark geht, gehört zum Verein. Jeder kann bei uns eine neue sportliche Heimat finden, unabhängig von seiner Nationalität. Aufgabe des Fußballs ist es, diese Botschaft mitzutragen.“ Löser hofft deshalb auf einen Nachfolger, der diese Werte weitertragen kann und gleichzeitig ein offenes Ohr für Eltern und Spieler besitzt: „Das fachliche ist das eine. Wichtiger ist, dass mein potenzieller Nachfolger pädagogisch und sozial einiges auf dem Kasten hat.“