08. November 2020 / 15:20 Uhr

Nächster Auswärts-Platzverweis für Dynamo Dresden: Heiko Scholz sieht Rot

Nächster Auswärts-Platzverweis für Dynamo Dresden: Heiko Scholz sieht Rot

Stefan Schramm
Dresdner Neueste Nachrichten
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Schiedsrichter Nicolas Winter zeigt Dynamo Dresdens Co-Trainer Heiko Scholz die rote Karte. © dreipass-foto/Kuttner
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Schon wieder gab es auswärts für Dynamo Dresden eine rote Karte zu beklagen. Dieses Mal traf es allerdings keinen Spieler, sondern Co-Trainer Heiko Scholz.

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Saarbrücken/Dresden. Ohne Platzverweise in der Fremde scheint es irgendwie nicht zu gehen bei Dynamo Dresden. Bei Auswärtsspielen ist schon seit Monaten nicht mehr die Frage, ob der Schiedsrichter jemandem von den Schwarz-Gelben die Rote Karte zeigt, sondern wann. Am Sonnabend in Saarbrücken dauerte es bis zur 35. Spielminute. Diesmal erwischte es allerdings keinen Spieler, sondern einen Teamoffiziellen: Co-Trainer Heiko Scholz musste auf die Tribüne.

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"Habt ihr eine Meise oder was?"

Was war passiert? Dynamos Ransford Königsdörffer, als Torschütze in der Vorwoche beim 3:0-Heimsieg gegen Meppen einer der Matchwinner und bei der 1:2-Niederlage an der Saar immerhin Vorlagengeber zu Christoph Daferners Führungstor (16.), ärgerte sich über einen Stockfehler, als ihm vor den Trainerbänken der Ball beim Herunternehmen von der Brust ins Seitenaus sprang. Wütend über sich selbst kickte er den Ersatzball weg, der genau an dieser Stelle in Höhe Mittellinie lag.

DURCHKLICKEN: Die Bilder zur 1:2-Niederlage in Saarbrücken!

Das ist bitter: Die SG Dynamo Dresden unterlag im Spitzenspiel der 3. Liga beim 1. FC Saarbrücken mit 1:2. Zur Galerie
Das ist bitter: Die SG Dynamo Dresden unterlag im Spitzenspiel der 3. Liga beim 1. FC Saarbrücken mit 1:2. ©

Eine Allerweltsaktion, wenn auch unüberlegt. Der von ihm ins Aus beförderte Spielball war wohl durch Mithilfe eines Balljungen schon in der nächsten Sekunde wieder im Besitz des Saarbrücker Einwerfers. Referee Nicolas Winter war das egal, er zückte die Gelbe Karte für Dynamos Youngster. Bernd Heemsoth, Assistenzcoach von Saarbrückens Cheftrainer Lukas Kwasniok, war zuvor aufgesprungen und hatte sich über die Aktion des 19-jährigen Flügelstürmers aufgeregt.

Das wiederum brachte seinen Dresdner Kollegen Scholz auf die Palme. "Habt ihr eine Meise oder was?", rief der gebürtige Görlitzer Beobachtern zufolge mit seinem unverkennbaren Lausitzer Dialekt in Richtung der Trainer der Gastgeber. Für den Unparteiischen war damit das Maß schon voll. Sofort hielt er den roten Karton hoch. Dynamos verdutzter Co-Trainer musste hinter die Bande. Er nahm Schreibblock und Stift und stapfte in den fast menschenleeren Zuschauerblock hinter sich, wo lediglich Dynamos Ersatzspieler und Sport-Geschäftsführer Ralf Becker saßen.

"Vielleicht war das ein bisschen übertrieben"

In den Dresdner Reihen stieß der neuerliche Platzverweis naturgemäß auf Unverständnis. "Das war nicht nötig. Er hat sich beschwert, aber in keiner Weise irgendwie beleidigend, sondern es ging um eine Aktion, in der wir uns ungerecht behandelt gefühlt haben. Er war laut, aber nicht irgendwie unsachlich. Von daher war es für mich überzogen", beurteilte SGD-Cheftrainer Markus Kauczinski die Szene.

Sein Saarbrücker Kollege Lukas Kwasniok sprang ihm sofort bei: "Also wenn man das nicht mehr machen darf und dafür Rote Karten sieht ... Das passiert unter Männern und ich finde einfach, solche Dinge sollten nicht mal mit einer Gelben Karte bestraft werden, sondern aus meiner Sicht würde eine Ermahnung komplett reichen", meinte Kauczinskis früherer Mitstreiter - beide kennen sich aus dem Trainerstab des Karlsruher SC.

DURCHKLICKEN: Die Noten für die Dynamo-Elf

(1) Kevin Broll: Jacobs Abschuss in der 11. Spielminute kommt zentral auf ihn und stellt somit kein Problem für Dynamos Schlussmann dar. Bei Baryllas Distanzschuss in der 15. Minute reaktionsschnell auf der Linie. Angelt dem in der 24. Minute frei in den Fünfmeterraum eingelaufenen Jacob den Ball vom Fuß. Beim 1:1 in der 45. Spielminute durch einen Kopfball von Shipnoski, der im Strafraum viel zu viel Platz zum Abschluss hat, chancenlos. Auch in der Nachspielzeit des zweiten Durchgangs beim 1:2 für die Gastgeber durch die Hacke von Jacob ohne Aktie. Note 3,5. Zur Galerie
(1) Kevin Broll: Jacobs Abschuss in der 11. Spielminute kommt zentral auf ihn und stellt somit kein Problem für Dynamos Schlussmann dar. Bei Baryllas Distanzschuss in der 15. Minute reaktionsschnell auf der Linie. Angelt dem in der 24. Minute frei in den Fünfmeterraum eingelaufenen Jacob den Ball vom Fuß. Beim 1:1 in der 45. Spielminute durch einen Kopfball von Shipnoski, der im Strafraum viel zu viel Platz zum Abschluss hat, chancenlos. Auch in der Nachspielzeit des zweiten Durchgangs beim 1:2 für die Gastgeber durch die Hacke von Jacob ohne Aktie. Note 3,5. ©

"Vielleicht war das ein bisschen übertrieben und übermotivert vom Schiedsrichter. In der Vergangenheit war es gravierender als heute", verglich Paul Will die Situation mit vorangegangenen Platzverweisen gegen die Dynamos. Auch er war in dieser Saison schon betroffen, musste im nicht weit vom Saarland entfernten Kaiserslautern beim 1:0-Sieg gegen den FCK gleich am ersten Spieltag wegen eines Handspiels vorzeitig unter die Dusche (43.).

Wenigstens: Kein Spieler gegen 1860 gesperrt

Die Statistik ist so langsam erschreckend: Saisonübergreifend in sechs der jüngsten sieben Auswärtsspiele gab es Gelb-Rote oder Rote Karten gegen Dynamo Dresden. Nicht wenige davon waren höchst umstritten, so zuletzt die frühe Rote Karte gegen Max Kulke (3.) bei der 0:1-Niederlage gegen den FC Ingolstadt. Auch dort sagte selbst der Gegner, die Schiedsrichterentscheidung sei zu hart gewesen. Sogar der DFB hatte ein Einsehen, sperrte Kulke letztlich nur für ein Spiel.

Vorteil für Dynamo diesmal: Die Dresdner beendeten die Auswärtspartie in Saarbrücken mit elf Mann auf dem Feld, auch ist nächste Woche beim wichtigen Heimspiel gegen 1860 München kein Spieler gesperrt. Welche Folgen der Tribünenverweis - in einem leeren Stadion übrigens ohne jeden Effekt, denn auch von dort war eine Kommunikation mit Mannschaft und Trainer problemlos möglich - für Heiko Scholz hat, wird sich zeigen. Möglicherweise kommt auch auf den 54-Jährigen nun eine Sperre zu.