16. Januar 2021 / 19:33 Uhr

Nächster Corona-Wirbel bei Handball-WM: Deutschland-Spiel gegen Kap Verde wird "zu 99 Prozent" abgesagt

Nächster Corona-Wirbel bei Handball-WM: Deutschland-Spiel gegen Kap Verde wird "zu 99 Prozent" abgesagt

Jens Kürbis
Lübecker Nachrichten
Die deutsche Handball-Nationalmannschaft wird wohl nicht gegen Kap Verde antreten.
Die deutsche Handball-Nationalmannschaft wird wohl nicht gegen Kap Verde antreten. © imago images/Bildbyran (2)/Montage
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Das zweite deutsche Vorrundenspiel der Handball-WM wird wohl abgesagt. Bei Deutschland-Gegner Kap Verde haben sich zwei weitere Spieler mit dem Coronavirus infiziert. DHB-Delegationsleiter Axel Kromer geht deshalb "zu 99 Prozent" von einer Absage des für Sonntag angesetzten Duells aus.

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Axel Kromer saß gerade in seinem "Büro" im "Mena-House"-Hotel in Gizeh, als ihn am frühen Samstagabend die Nachricht von der IHF erreichte. Der Weltverband informierte den Delegationsleiter der deutschen Handballer, dass es im Team der Kap Verde zwei weitere Corona-Fälle gebe. Das zweite Gruppenspiel der Deutschen gegen den WM-Neuling am Sonntag (18 Uhr/ARD) steht somit vor der Absage.

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"Wir gehen zu 99 Prozent davon aus, dass das Spiel nicht stattfindet“, erklärte Kromer auf SPORTBUZZER-Nachfrage. Nach der Nachricht habe er umgehend Teammanager Oliver Roggisch in der Halle informiert. "Alfred (Bundestrainer Gislason, d. Red.) hat sofort das Training umgestellt, mehr Härte, mehr Intensität reingebracht." Denn nun geht es erst am Dienstag weiter – im letzten Gruppenspiel gegen Ungarn (20.30 Uhr). Doch selbst für die Partie "bleibt ein mulmiges Gefühl", gibt Kromer zu. "Kap Verde hat ja schon gegen Ungarn gespielt. Keiner weiß, wie infektiös die zwei Spieler sind, und ob sie ungarische Spieler angesteckt haben."

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Kap Verde hat vor Deutschland-Spiel nur noch neun Spieler zur Verfügung

Fakt ist: Die ohnehin schon fragile WM-Blase im Land der Pyramiden hat weitere, diesmal große Risse erhalten. Kap Verde könnte sie sogar zum platzen bringen. Im Trainingslager in Lissabon hatten sich sechs Spieler und vier Offizielle mit Corona infiziert. Die Mission "Zehn Inseln, ein Traum" wurde dennoch angetreten. Nach der Einreise in Kairo wurden vom Rumpfteam nochmals vier Spieler positiv getestet. Der Weltverband IHF hob dennoch den Daumen. Die jüngsten Tests seien alle negativ ausgefallen, hieß es. Die Afrikaner bestritten so ihren WM-Auftakt gegen Ungarn (27:34), wohnen seitdem auch im Teamhotel der Deutschen.

Nun der nächste Rückschlag. Kap Verde hat jetzt nur noch neun Spieler zur Verfügung, darf laut WM-Krisenplan somit nicht antreten. Die Partie würde in dem Fall mit 10:0 für die deutsche Mannschaft gewertet werden. "Sie haben aber theoretisch die Möglichkeit, Spieler nachzuholen", erklärte Kromer. Einer würde genügen. Doch der müsste einen aktuell gültigen PCR-Test vorlegen, sich nach der Einreise einem weiteren unterziehen. "Das Ergebnis müsste bis eine Stunde vor dem Anwurf da sein. Das halte ich für unmöglich", erklärte Kromer. Er habe auch das Gefühl, dass die IHF froh sei, wenn Kap Verde die Option nicht zieht. Kromer deutete an, dass die Kap Verder das Spiel abschenken, um sich dann mit einem Sieg gegen Uruguay noch für die Hauptrunde zu qualifizieren.

DHB-Keeper Bitter: Spiel gegen Kap Verde wäre "verantwortungslos" und "fahrlässig"

Der Mindener Juri Knorr sieht eine Ansetzung kritisch, stellt sie in Frage. Keeper Jogi Bitter wurde sogar noch deutlicher, sprach von "verantwortungslos" und "fahrlässig". Knorr wie Bitter wissen, wie schnell man sich infizieren kann. Beide gehörten zu den Nationalspielern, die sich im November wahrscheinlich im Länderspiel gegen Bosnien-Herzegowina angesteckt hatten. Knorr ist seitdem besonders sensibilisiert: "Schweißausbrüche, Schüttelfrost, Fieber, Husten, Kopfschmerzen – ich hatte das volle Programm. Ich konnte nachts auch nicht schlafen. Ja, ich war überrascht, dass es mich so hart getroffen hatte." Erst Mitte Dezember kehrte er zurück aufs Feld.

Der mühelose WM-Auftakt gegen Uruguay, das 43:14 – der zweithöchste Sieg in einem WM-Eröffnungsspiel, nur getoppt vom 46:4 gegen Luxemburg 1958 – geriet angesichts der Corona-Diskussion komplett in den Hintergrund. In der Video-Konferenz am Morgen danach wollte Kromer zum Spiel gegen einen Gegner mit "Problemen mit dem Arbeitsgerät" und einer "Neigung zum Übergewicht", wie DHB-Vize Bob Hanning fand, so auch nicht viel sagen. Zumindest die Quote sei erfreulich gewesen. Knapp vier Millionen Menschen hatten das Spiel gesehen. Er berichtete stattdessen von klaren Sicherheitsfortschritten im Hotel. So gebe es für vier europäische Teams jetzt einen eigenen Frühstücksraum, der norwegische und deutsche Koch könnten in einer Extraküche ihrem Handwerk auch endlich nachgehen. Zu Kap Verde versuchte er sich in einem verbalen Spagat: "Wären sie nicht da gewesen, hätten wir nicht geklagt, jetzt sind sie da, und wir spielen gerne." Ein paar Stunden später hörte sich das anders an.