22. August 2020 / 17:49 Uhr

Nächster Eilenburger Coup bleibt aus: Chemnitzer FC holt Sachsenpokal

Nächster Eilenburger Coup bleibt aus: Chemnitzer FC holt Sachsenpokal

Antje Henselin-Rudolph
Leipziger Volkszeitung
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Die Chemnitzer Mannschaft feiert ihren Triumph im Sachsenpokal. © PICTURE POINT
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Auch wenn es am Ende noch einmal eng wurde: Der Chemnitzer FC ließ im Finale des Sachsenpokals beim FC Eilenburg selten Zweifel an seinem Sieg aufkommen. Der fiel mit 2:1 (1:0) eigentlich deutlich zu niedrig aus. Die Gastgeber boten dem Favoriten einen beherzten Kampf.

Eilenburg. Sie hatten die BSG Chemie und den 1. FC Lok Leipzig aus dem Wettbewerb gekegelt, aber der Chemnitzer FC war dann doch zu abgezockt für den FC Eilenburg. 2:1 (1:0) setzten sich die Himmelblauen am Samstagnachmittag beim Oberligisten durch, holten sich zum elften Mal den Sachsenpokal - und: sicherten sich die erhoffte Teilnahme am DFB-Pokal. Dort wartet in drei Wochen mit der TSG Hoffenheim immerhin ein Bundesligist.

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Gefährliche Eilenburger Szenen Mangelware

"Es ist schon wichtig, dass wir nach dieser Saison auch mal ein positives Gefühl haben", bekannte ein glücklicher Kevin Freiberger nach dem Abpfiff. Eine große Feier werde es indes nicht geben. Schließlich muss der CFC bereits am Mittwoch wieder in der Regionalliga ran, reist zum VfB Auerbach. "Genießen werden wir den Titel aber schon." Während Freiberger strahlte musste sein Coach Daniel Berlinski erstmal durchatmen. "Wenn man unsere Chancenverwertung sieht, war das an der Seitenlinie schon ganz schön Nerven strapazierend. Wir sind selbst schuld, dass wir zittern mussten."

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Der Chemnitzer FC gewinnt das Sachsenpokalfinale am 22. August 2020 gegen Eilenburg mit 2:1. Anschließend wartete im DFB-Pokal die TSG Hoffenheim. Zur Galerie
Der Chemnitzer FC gewinnt das Sachsenpokalfinale am 22. August 2020 gegen Eilenburg mit 2:1. Anschließend wartete im DFB-Pokal die TSG Hoffenheim. ©

Beim FCE war die Gefühlslage - wen wundert's - weniger freudbetont. "Ich fühle mich beschissen", bekannte Coach Nico Knaubel gewohnt ehrlich und direkt. Er sei dennoch brutal stolz auf seine Jungs. "So ein Spiel können wir nur mit unserer besten Mannschaft bestehen. Die konnten wir ja aber leider nicht bringen."


Was der Trainer so kurz nach Spielschluss meinte: Philipp Sauer und Tim Bunge fehlten gelbgesperrt. Ein Eilantrag der Eilenburger, um das Problem aus der Welt zu schaffen, war in dieser Woche gescheitert. Tatsächlich machte sich vor allem das Fehlen von Bunge im Angriff schmerzhaft bemerkbar. Für ihn durfte Emilio Monteiro Luis als einzige Spitze ran. Gefährliche Szenen seinerseits in Halbzeit eins: keine. Nur einmal sorgten die Gastgeber im ersten Abschnitt für echte Gefahr. Ein satter Schuss von Dennis Kummer aus rund 30 Metern knallte in der 13. Minute nur an die Querlatte.

Chemnitz vergibt Elfmeter

Ansonsten waren es die Chemnitzer, die die offensiven Akzente setzten. 7:1-Ecken in den ersten 45 Minuten waren nur ein Beleg dafür. Der Favorit hatte deutlich mehr Ballbesitz und die Partie souverän im Griff. Der Führungstreffer, er war eine Frage der Zeit. Der CFC musste geduldig bleiben. Und das blieb er. Der "Brustlöser": In der 40. Minute findet eine Hereingabe von Nils Köhler den Weg zu Danny Breitfelder, der den Ball im langen Eck unterbringt - 0:1 aus Sicht der Gastgeber. Damit ging es in die Kabinen. Breitfelder selbst sowie Knechtel ließen eine höhere Pausenführung liegen.

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FCE-Coach Knaubel wusste: Vorn ist das zu wenig. Zur zweiten Halbzeit kam deshalb Adam Fiedler für Christoph Bartlog. Fiedler hatte bekanntlich im Halbfinale gegen Lok den goldenen Treffer erzielt. Wenig später durfte auch Steven Hache, Neuzugang von Hartenfels Torgau, vorn mit ran. All das half allerdings nichts, denn Chemnitz blieb am Ball und produzierte jetzt Chance um Chance. Aber weder Tim Campulka, Kevin Freiberger oder Danny Breitfelder brachten das Leder im Kasten von Andreas Naumann unter. Tobias Müller konnte den Schlussmann der Hausherren in der 64. Minute nicht einmal per Elfmeter überwinden. Der Keeper der Gastgeber heimste später völlig zurecht die Ehrung als "Man of the Match" ein.

Umkämpfte Schlussphase nach Anschlusstreffer

In der 71. Minute war aber auch er machtlos. Freiberger köpfte sich den Ball nach Flanke von Christian Bickel zwar auf den rechten Oberschenkel, von dort sprang er dann aber ins Tor - 0:2, alle Messen gelesen. DENKSTE! Die Eilenburger hatten im Wettbewerb schon mehrfach unter Beweis gestellt, dass ihre Qualitäten im Endspurt liegen. Und das war auch am Samstag so. In der 78. Minute landete eine verkorkste Flanke von Kummer an der Latte, prallte von dort direkt vor die Füße von Hache, der nicht lange fackelte - der Anschlusstreffer. "Ich habe natürlich Glück, dass der Ball da noch um den Gegner rumkommt", so der Stürmer später. "Aber drin ist drin."

Sein Tor verschaffte dem Oberligisten noch einmal Schwung, plötzlich war die Partie eng, umkämpft, mindestens die Verlängerung lag in der Luft. Aber auch Jakub Jakubov im Chemnitzer Kasten konnte nun zeigen, dass er sein Handwerk versteht. Spätestens in seinen Armen endeten die Offensivbemühungen des FCE, dem so schlussendlich nur die ungeliebte Silbermedaille und ein wehmütiger Blick auf den Siegerpokal blieb.

"Wir hatten Probleme, die Lücken zu schließen, die Seiten zuzumachen", analysierte Coach Knaubel im Nachgang. "Vielleicht läuft alles anders, wenn der Sonntagsschuss von Kummer am Anfang reingeht." Ja, man sei traurig jetzt. "Aber wir schütteln uns und dann geht's weiter, Ziel Oberliga-Meisterschaft."