05. Juni 2019 / 08:38 Uhr

Nachwuchsakademie von Hannover 96: Präventation mit Biss - Zähne gut, alles gut?

Nachwuchsakademie von Hannover 96: Präventation mit Biss - Zähne gut, alles gut?

Dirk Tietenberg
Hannoversche Allgemeine / Neue Presse
Leon Damer (links) nimmt auf dem Zahnarztstuhl Platz, Dr. Klaus Henning Schwetje prüft seine Beißer. Im rechten Bild bringt Gesundheitsmanager Dominik Suslik Luca Beckenbauer seine Daten auf dem Tablet nahe, die eine Software erfasste.
Leon Damer (links) nimmt auf dem Zahnarztstuhl Platz, Dr. Klaus Henning Schwetje prüft seine Beißer. Im rechten Bild bringt Gesundheitsmanager Dominik Suslik Luca Beckenbauer seine Daten auf dem Tablet nahe, die eine Software erfasste.
Anzeige

Die Profis von morgen auf dem vereinseigenen Zahnarztstuhl: Bei Hannover 96 wird Verletzungsprävention groß geschrieben. Dafür werden Zähne und Kiefer der Jungspunde regelmäßig kontrolliert. Das schlägt sich in den Zahlen nieder, denn die Maßnahmen der Roten greifen. Michael Tarnat erklärt die Idee dahinter. 

Anzeige
Anzeige

„Hallo Doc, wie geht’s?“ Angst hat der U19-Angreifer von Hannover 96 jedenfalls nicht vor dem Zahnarzt. Leon Damer (19) legt sich entspannt auf den Zahnarztstuhl, der inklusive Ausrüstung 50 000 Euro gekostet hat.

Er steht in einem Raum des denkmalgeschützten Teils der umgebauten Nachwuchsakademie: ein neu gestalteter Untersuchungsraum im alten Gemäuer von 1928. Der Doc, Klaus-Henning Schwetje, schaut Leon in den Mund. „Ich muss ja nicht behandeln, ich untersuche nur.“ Schwetje hat nichts zu beanstanden an Leons Gebiss. Zähne gut, alles gut in der Talentschmiede von Hannover 96?

Ob in Hannover geboren, als Talent verpflichtet oder Stammkraft im 96-Nachwuchs: Diese Talente schafften ihren Durchbruch nicht bei 96 und verdienen jetzt woanders mit dem Fußball ihr Geld.

Marius Wolf schaffte den Durchbruch bei den Roten nicht. Hannover 96 holte den schnellen Flügelspieler vom TSV 1860 München. In Hannover konnte er sich allerdings nicht durchsetzten und wurde sogar in die 96-Reserve versetzt. Nach Hannover lief es für Wolf besser. Nach zweifacher Leihe zog Eintracht Frankfurt die Kaufoption und verpflichtete den Flügelspieler für 500.000 Euro fest. Nach dem Pokalsieg mit der SGE wechselte Wolf zu Champions League-Teilnehmer Borussia Dortmund. Zur Galerie
Marius Wolf schaffte den Durchbruch bei den Roten nicht. Hannover 96 holte den schnellen Flügelspieler vom TSV 1860 München. In Hannover konnte er sich allerdings nicht durchsetzten und wurde sogar in die 96-Reserve versetzt. Nach Hannover lief es für Wolf besser. Nach zweifacher Leihe zog Eintracht Frankfurt die Kaufoption und verpflichtete den Flügelspieler für 500.000 Euro fest. Nach dem Pokalsieg mit der SGE wechselte Wolf zu Champions League-Teilnehmer Borussia Dortmund. ©
Anzeige

Verletzungsprävention - 96 macht's vor

Noch hat der Chef der Akademie sein Ziel nicht erreicht. Michael Tarnat wollte mit 96 in der Nachwuchsförderung die Nummer eins im Norden werden. Sportlich ist es noch nicht so weit, Wolfsburg, der Hamburger SV und Werder Bremen sind einige Schritte voraus.

In einem Punkt sieht Tarnat aber Hannover vorn: Beim Thema Verletzungsprävention wurde 96 sogar ausgezeichnet und gewann einen Preis bei der gesetzlichen Unfallversicherung VBG. Mit einer Computersoftware, die Daten der Spieler sammelt und auswertet, vergab die VGB eine Medaille.

„In der U23 hatten wir kaum Langzeitverletzte“, sagt Tarnat. Die Fäden für die Verletzungsprävention, inklusive der Zahnuntersuchungen, laufen bei Dominik Suslik zusammen. Suslik (34) ist Leiter der medizinischen Abteilung, er war Fußballer und Athletiktrainer in Kassel. Bei 96 nennt er sich „Gesundheitsmanager, das klingt gefährlicher als es ist“, sagt Suslik.

Der Kiefer ist ein Fixpunkt

Als Gesundheitsmanager führt Suslik die Ergebnisse der Vorsorge zusammen. Dazu gehören die Zahnuntersuchungen bei Schwetje und die Kieferstatik bei Andreas Dmoch. „Wenn der Kiefer nicht gerade ist, kann das zu anderen Problemen führen“, weiß Tarnat. Dazu prüfen die Experten bei 96 Beweglichkeit, Kraft, Schnelligkeit, Ausdauer.

Diese Talente schafften es bei den Bundesligisten:

Amiri, Arp und Müller (v.l.n.r.) : Drei Spieler, die als Local Player gelten. Zur Galerie
Amiri, Arp und Müller (v.l.n.r.) : Drei Spieler, die als Local Player gelten. ©

"Das Konzept ist einmalig"

Die Sprungkraft wird auf der „Jumpmat“, der Sprungmatte, digital gemessen. Leon Damer springt, ein Gerät zeigt die Leistung an, die Daten fließen in die Software ein. „Das Programm lernt“, sagt Suslik. Und der Spieler weiß, ob er sich verbessert hat. Suslik zeigt dem Kaiserenkel Luca Beckenbauer dessen Daten auf dem Tablet. Luca nickt. Nein, bei seinen früheren Vereinen Bayern oder Schalke habe es so ein genaues System nicht gegeben, sagt er. Und Tarnat glaubt auch: „Das Konzept ist einmalig, da ist Dominik Suslik einmalig in der Branche.“ Es kann sein, dass der Vorsprung irgendwann schmilzt. Der Gesundheitsmanager hält bereits viele Vorträge über seine Vorsorge.

Mehr zu Hannover 96

Gesundheitliche Fürsorge statt großes Geld

Der Abstieg der Profis in die 2. Liga tut natürlich auch der Akademie weh. Aber der Etat, sagte 96-Chef Martin Kind zuletzt, wird für die Ausbildung neuer Spieler grundsätzlich bleiben. Finanziell ist 96 damit auch noch nicht die Nummer eins im Norden. „Wir können nicht mit Geld punkten“, sagt Tarnat. „Aber wir zeigen den Eltern, dass hier für das Kind gesorgt wird. Wir wollten ein Alleinstellungsmerkmal mit Untersuchungen, Scannen und Checken.“

96 analysiert Verletzungen, sorgt vor, damit sie nicht entstehen und bildet sich weiter. Bald soll es so weit sein, dass neben der Zähne oder dem Kiefer auch die Atmung, die Augen und das Gehör genau untersucht werden.

Und wie bissig ist der Nachwuchs von 96 jetzt wirklich? Das fragen wir den Zahnarzt. „Ich bin begeistert von der U19 und der U23“, sagt Schwetje. „Alle haben tolle Zähne.“

Das sind die Talente, die sich bei 96 nicht durchsetzen konnten:

<b>Tor: Timo Königsmann.</b> Der gebürtige Hannoveraner startete seine Karriere in der Jugend von Hannover 96. Den großen Durchbruch in die Profi-Mannschaft schaffte der Torhüter allerdings nicht. In der Regionalliga Nord kam der 21-Jährige für die Reserve von Hannover 96 immerhin auf insgesamt 3510 Einsatzminuten.  Zur Galerie
Tor: Timo Königsmann. Der gebürtige Hannoveraner startete seine Karriere in der Jugend von Hannover 96. Den großen Durchbruch in die Profi-Mannschaft schaffte der Torhüter allerdings nicht. In der Regionalliga Nord kam der 21-Jährige für die Reserve von Hannover 96 immerhin auf insgesamt 3510 Einsatzminuten.  ©

ANZEIGE: Dein Trainingsset für die Saisonvorbereitung! Der Deal of the week im SPORTBUZZER-Shop.

Die aktuellen TOP-THEMEN
Anzeige
Sport aus Hannover
Sport aus aller Welt