13. Januar 2021 / 10:45 Uhr

Nachwuchskicker bleiben Brandenburger Vereinen (noch) treu

Nachwuchskicker bleiben Brandenburger Vereinen (noch) treu

Redaktion Sportbuzzer
RedaktionsNetzwerk Deutschland
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Fußballtraining für den Nachwuchs, wie hier in Niemegk, ist für die jungen Kicker in Brandenburg seit Anfang November nicht möglich. © Antonia Mandel
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Brandenburg: Trotz des erneuten Sport-Lockdowns sind die Mitgliedszahlen in den Jugendbereichen vieler Fußballvereine stabil - auch dank der Kreativität ihrer Nachwuchstrainer. Die DFB-Chefausbilder geben jetzt Tipps, wie das auch so bleibt.

Ein bisschen muss Jana Schuldig selbst staunen. Obwohl auch beim Oranienburger FC Eintracht nun schon seit fast zweieinhalb Monaten kein Ball rollt, gibt es bislang kaum Abmeldungen, wie die Nachwuchsfußball-Chefin des Vereins aus Oberhavel berichtet. „Ich glaube, wir kommen nicht mal auf fünf Austritte. Wir freuen uns sehr, dass uns fast alle die Stange halten“, sagt sie. Das sei auch ein Verdienst der vielen engagierten Trainer und Übungsleiter, die sich für ihre Kids so manche kreative Idee einfallen lassen, damit man sich in Lockdown-Zeiten nicht aus den Augen verliert. Doch wie lange geht das noch gut?

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Damir Dugandzic ist Sportlicher Leiter des Talentförderprogramms im Deutschen Fußball-Bund (DFB). Er rät Jugendtrainern jetzt: „Fragen Sie Ihre Spieler nach dem Warum! Suchen Sie den persönlichen Kontakt, sehen Sie den Menschen, nicht nur die Spieler. Dann muss man zuhören und sich für den Menschen interessieren.“ Das könne auch über Videos, Telefonate und Textnachrichten erfolgen, findet Markus Nadler, der beim DFB die Trainerausbildung leitet. „Die Jugendlichen fühlen sich bei den digitalen Medien vielleicht eher abgeholt als wir Trainer. Wir benötigen eine Haltungsänderung und nicht die Einstellung: Bringt doch alles nichts, ich gehöre auf den Fußballplatz“, findet der Chefausbilder.

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In Oranienburg habe man genau das bereits beherzigt, berichtet Jana Schuldig. „Die Trainer sind sehr aktiv, sie geben Übungen vor, lassen sich Videos schicken“, sagt die Jugendleiterin. Vor Weihnachten hätten viele Übungsleiter sogar jeden einzelnen Schützling besucht und ein kleines Geschenk vorbeigebracht. „Trotzdem sind viele Kinder natürlich todtraurig, dass sie nicht auf den Platz können.“

Auch beim MSV Neuruppin würde man seine Stars von morgen nur zu gerne wieder im Volksparkstadion begrüßen. „Einige Trainer stehen mit ihren Kids aber regelmäßig in Kontakt, auch virtuelle Einheiten wurden schon absolviert“, erzählt Selina Köhn. Die Nachwuchschefin ist froh, dass eine Fluktuation bis dato ausblieb: „Der Großteil bleibt uns treu, Abmeldungen waren die Ausnahme. Für mich ist das nicht selbstverständlich, es fehlt das Ziel.“ Vom Weihnachtsmann gab es laut Köhn Trainingsmaterialien für die MSV-Kicker: „Da haben sich die Eltern Gedanken gemacht. Sehr beliebt war ein Rebounder – da spielt das Gerät den Ball zurück.“ Es sind die strahlenden Gesichter, die Selina Köhn vermisst: „Ich freue mich auf das erste Training, die ersten Tore und auch die ersten Handshakes und Umarmungen.“

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Die fehlen aktuell auch den rund 700 Jugendspielerinnen und Spielern des RSV Eintracht 1949. „Vor allem bei den Jüngeren fehlt natürlich das Zusammenkommen und die körperliche Bewegung. Da kann man nicht so gut digital trainieren“, sagt Wolfgang Kremer, Vorsitzender der Jugendfußball-Abteilung. Ab der U12/13 sei dies dagegen gut möglich. Der Verein vermittelt seinen 65 Übungsleitern per Videokonferenz Ideen für das Onlinetraining, die diese dann wiederum an ihre Schützlinge weitertragen. Besonders ehrgeizige Spieler konnten – als Ergänzung zum virtuellen Training – bis Mitte Dezember sogar ein Individualtraining beim Verein absolvieren, danach ließ das die neue Pandemie-Verordnung nicht mehr zu. So schaffte es der Verein, dass es bislang so gut wie keine Austritte aus der Jugendfußball-Abteilung gab, „wofür wir sehr dankbar sind“, sagt Kremer. „Man erkennt wohl an, dass wir uns bemühen, ein Angebot zur Verfügung zu stellen.“

Diese Anerkennung für die Bemühungen vieler Vereine in der Mark hat die Oranienburgerin Jana Schuldig nach dem ersten Lockdown im vergangenen Jahr hingegen vermisst. „Nicht nur wir, sondern auch viele andere Vereine, haben sich da richtig Gedanken gemacht, Hygienekonzepte erarbeitet und auf und neben dem Platz Abstand gehalten“, erinnert sie sich. „Man hatte aber das Gefühl, dass es niemanden interessiert hat. Das stimmt einen schon irgendwie traurig.“


DFB-Talente-Chef Dugandzic ist grundsätzlich optimistisch, dass dem Fußball durch Corona nicht zu viele Nachwuchskicker verloren gehen. Bedenken hegt er dennoch: „Wenn sie sich einer anderen Sportart widmen, wäre das noch okay. Ich habe Sorge, dass sie sich dem Sport ganz entziehen.“