28. April 2021 / 10:10 Uhr

RB Leipzig, Nagelsmann und der Wechsel zu Bayern: Vertrauen verspielt

RB Leipzig, Nagelsmann und der Wechsel zu Bayern: Vertrauen verspielt

Antje Henselin-Rudolph
Leipziger Volkszeitung
Julian Nagelsmann warb immer wieder um Vertrauen. Und enttäuschte es.
Julian Nagelsmann warb immer wieder um Vertrauen. Und enttäuschte es. © Getty Images / André Kempner / Archiv
Anzeige

"Es gibt und gab keine Gespräche mit dem FC Bayern München." Julian Nagelsmann wurde in den vergangenen Tagen und Wochen nicht müde, das immer wieder zu betonen. Auch als aus dem vielleicht ursprünglich richtigen Satz längst eine Unwahrheit geworden war. Vorgänge wie diese führen zu Vertrauensverlust, sagt LVZ-Sportchefin Antje Henselin-Rudolph. Und der macht den Profi-Fußball zunehmend unerträglich.

Anzeige

Leipzig. Es ist nicht gut bestellt um die Wahrhaftigkeit, um die Ehrlichkeit im Profizirkus Fußball. Das ist keine neue Erkenntnis, erst recht nicht nach den Wechsel-Ankündigungen von Marco Rose und Adi Hütter in der laufenden Bundesliga-Saison. Beide wurden begleitet von mindestens interessanten verbalen Kopfständen, Treuebekundungen und Ausweichtaktiken. Bei beiden Gelegenheiten kochte der Fan-Zorn hoch. Wortbruch war noch einer der netteren Vorwürfe.

Anzeige

Vielleicht auch deshalb warb Julian Nagelsmann in den vergangenen Tagen um Vertrauen. So erklärte RB Leipzigs Coach am 18. April auf die Frage eines Journalisten, ob es Neues in Sachen Wechsel zum FC Bayern München gäbe (das Thema köchelte nach einer Aussage von Lothar Matthäus schon ordentlich vor sich hin): „Es gibt keinen neuen Stand. Es gibt und gab keine Gespräche.“ Eine Woche später, am Sky-Mikrofon nach dem 2:0 gegen Stuttgart bekräftigte er noch einmal: „Es gibt keine neue Entwicklung.“ Das Ergebnis ist bekannt. Am Dienstag verkündeten RB und der Rekordmeister: Der 33-Jährige tauscht im Sommer Bundesliga-Fußball an der Pleiße gegen den an der Isar. So weit, so wenig überraschend.

Mehr zum Nagelsmann-Wechsel

Doch dann sagte Nagelsmann am Dienstag diesen Satz: „Nach dem Spiel gegen Hoffenheim gab es das erste Gespräch zwischen mir und dem Olli (Mintzlaff, d. Red.) und auch die erste Kontaktaufnahme von Bayern-Seite.“ Die Partie gegen die TSG stieg am 16. April. Die Einen mögen das Wortbruch nennen, die Wohlmeinenderen Flunkerei, die Hardliner Lüge. Klar ist: Julian Nagelsmann hat schlicht nicht die Wahrheit gesagt.



Warum noch zuhören?

Das ist enttäuschend und hinterlässt ein schales Gefühl. Eben, weil sich RB Leipzigs Noch-Coach zuvor so beharrlich um Glaubwürdigkeit bemüht hatte. Bei jedem „Ich habe schon mehrfach gesagt, dass ich hier Vertrag bis 2023 habe“ schwang ein halb-trotziges „Nun glaubt mir doch endlich mal“ mit. Die das taten, sind nun die Dummen und müssen sich fragen lassen, wie naiv sie eigentlich sind.

Vorgänge wie diese führen zu Vertrauensverlust. Es ist dieser Vertrauensverlust, der den Profizirkus Fußball für Viele zunehmend unerträglich macht. Wenn ich mir nicht mehr sicher sein kann, ob mein Gegenüber die Wahrheit sagt, warum ihm dann noch zuhören, warum noch Fragen stellen, warum Interesse zeigen?

Profi-Fußball ist ein Geschäft, es geht bisweilen um hunderte Millionen Euro, Sponsoren, Arbeitsplätze. Das Geschäft lebt von den Fans, die ihrem Club ihr Herz schenken und ganz nebenbei Tickets (sofern möglich), Trikots, Schals und mehr kaufen. Herzensangelegenheiten gibt es aber nicht ohne Vertrauen.