18. Mai 2021 / 11:24 Uhr

Nagelsmann verabschiedet sich von RB Leipzig: "Bewusst entschieden, nicht zu emotional zu sein"

Nagelsmann verabschiedet sich von RB Leipzig: "Bewusst entschieden, nicht zu emotional zu sein"

Elena Boshkovska
Leipziger Volkszeitung
Nagelsmann
Später Sonntagabend: Julian Nagelsmann verlässt nach seinem letzten Heimspiel mit RB die Red Bull Arena. © Roger Petzsche/Picture Point
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Nach zwei Jahren verabschiedet sich der Trainer von RB Leipzig in Richtung München: Julian Nagelsmann bestritt mit den Roten Bullen gegen den VfL Wolfsburg das letzte Heimspiel der Saison. Einen überaus emotionalen Abschied konnte und wollte der 33-Jährige daraus nicht machen.

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Leipzig. Ein letztes Mal auf der linken Bank am Spielfeldrand sitzen, ein letztes Mal die Ansprache an die Mannschaft in der Heimkabine halten: Für RB Leipzigs Trainer war die Partie gegen den VfL Wolfsburg (2:2) eine mit vielen letzten Malen. Denn Julian Nagelsmann verabschiedet sich nach dem Spiel gegen den 1. FC Union Berlin (Samstag, 15.30 Uhr/Sky). Die Partie gegen die Wölfe war seine letzte als Bullen-Coach. Von Abschied wollte er im Vorfeld nicht viel wissen, ein Heimspiel stand für ihn auf der Leipziger Bank ja noch bevor. Aber dennoch hat er sich ein paar Gefühle nicht nehmen lassen.

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„Ich habe mich bewusst dazu entschieden, auch in Rücksprache mit einem Psychologen, nicht zu emotional zu sein. Auch vor dem Spiel. Weil wir am Donnerstag ein extremes Highlight hatten und uns gegen Wolfsburg für die Saison belohnen, das Positive mitnehmen wollten.“ Er habe seine Jungs nicht extrem pushen wollen, zumindest nicht mehr als sonst. Entsprechend habe er auch nicht über „irgendwelche Abschiedsszenarien“ sprechen wollen, so Nagelsmann. „Die Emotionalität kommt immer erst dann, wenn das nötige Ergebnis da ist. Vorher ist man einfach angespannt. Wir wollten zwingend den zweiten Platz festmachen.“

DURCHKLICKEN: Einige Bilder aus der Partie

Nach einer deutlichen Leistungssteigerung in der zweiten Spielhälfte holt RB Leipzig gegen den VfL Wolfsburg noch einen Punkt und ist damit vom zweiten Tabellenrang nicht mehr zu verdrängen. Zur Galerie
Nach einer deutlichen Leistungssteigerung in der zweiten Spielhälfte holt RB Leipzig gegen den VfL Wolfsburg noch einen Punkt und ist damit vom zweiten Tabellenrang nicht mehr zu verdrängen. ©

Nach dem Spiel habe er aber dennoch seiner aktuellen Mannschaft „noch ein paar Worte mitgegeben“, offenbarte der Noch-Bullen-Coach. „Die waren auch emotional. Ohne Fans ist aber ein Heimspiel leider deutlich weniger emotional und der Abschied auch.“ Denn auch zum Wolfsburg-Spiel ist die Red Bull Arena leer geblieben. So kennt Nagelsmann eigentlich das RB-Stadion fast länger ohne Fans als mit. Denn in seinen aktuell 22 Monaten als Trainer der Leipziger, waren knapp 14 Monate von der Pandemie gezeichnet, die Partien in dieser Zeit wurden als „Geisterspiele“ bezeichnet.



"Nicht selbstverständlich, was die Jungs alles abreißen"

„Trotzdem habe ich mich in der Heimkabine sehr wohl gefühlt. Auch wenn es immer einen Tick zu warm ist und die Luft sehr schlecht ist. Aber der Club kriegt dieses Problem in den Griff, sie arbeiten daran.“ In Zukunft werde er sicherlich gute Erinnerungen an die vielen Heimspiele – „und erst recht an die in diesem Jahr, in dem wir extrem erfolgreich zu Hause waren“ – haben. Den Erfolg – die beste Heimsaison und der zweite Tabellenplatz – durfte die Mannschaft dann im Trainingszentrum am Cottaweg feiern, wo sie zusammen, bis zum letzten Saisonspiel am 22. Mai in Quarantäne sind.

„Ein Bierchen und auch ein Schlückchen Wein wird es heute Abend schon noch geben“, sagte Nagelsmann nach dem Spiel gegen Wolfsburg. „Unser gesamtes Küchenteam ist für solche Fälle auf jeden Fall präpariert. Das dürfen sich die Jungs auch gönnen, weil wir einerseits eine lange Woche zum nächsten Spiel haben und andererseits weil sie es sich verdient haben“, so die lobenden Worte des Trainers.

„Es ist nicht selbstverständlich, was die Jungs alles abreißen. Wir hatten keinen Winterurlaub, eigentlich auch keinen Sommerurlaub und auch keine Vorbereitung, weil wir komplett durchgespielt haben. Fußballerisch, aber auch charakterlich war es eine außergewöhnliche Saison. Es war nicht immer ganz leicht. Und ich glaube schon, dass wir über das ganze Jahr immer sehr fit waren, die Jungs waren top-fokussiert, haben alles gegeben. Dann ist auch ein Bier oder ein Gläschen Wein – Flasche Wein klingt immer so hart, aber es sind ja mehrere Spieler – auch möglich.“