22. Januar 2020 / 15:21 Uhr

Nah dran: Aber Vorsfelde-Judoka Scoccimarro blendet Olympia am liebsten aus

Nah dran: Aber Vorsfelde-Judoka Scoccimarro blendet Olympia am liebsten aus

Jürgen Braun
Wolfsburger Allgemeine / Aller-Zeitung
Duell ums Olympia-Ticket: Manchmal, wie hier, stehen sich Giovanna Scoccimarro (l.) und Miriam Butkereit auf der Matte gegenüber. Auch am Freitag ist das nicht ausgeschlossen.
Duell ums Olympia-Ticket: Manchmal, wie hier, stehen sich Giovanna Scoccimarro (l.) und Miriam Butkereit auf der Matte gegenüber. Auch am Freitag ist das nicht ausgeschlossen. © IJF/Marina Mayorova
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Vor wenigen Jahren war es nur ihr ferner Traum, jetzt könnte er wahr werden. Doch das erhöht auch die Anspannung bei Giovanna Scoccimarro. Olympia 2020 in Tokio – die Sportlerin des MTV Vorsfelde steht dicht davor, ihren Judo-Traum zu verwirklichen. Am Freitag geht es in Tel Aviv mal wieder um wichtige Weltranglisten-Punkte. Viel wichtiger als jetzt waren die noch nie.

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Scoccimarro verzichtet stets auf Vorsätze zu Silvester. Die für dieses Jahr hätten einerseits auf der Hand gelegen. Andererseits, so gibt Scoccimarro Einblick in ihr Seelenleben, „versuche ich im Grunde, das Thema Olympia und die Gedanken daran zu vermeiden“.

Noch hat sie ihr Ziel nicht erreicht. Ihr Blick richtet sich immer nur auf das nächste Turnier, gar eigentlich immer nur auf den nächsten Kampf. So viele Kämpfe wie möglich in jedem Turnier zu gewinnen, das ist immer die Devise. So bedeutsam wie seit eineinhalb Jahren aber waren diese Siege noch nie, seitdem die ehemalige U21-Weltmeisterin bei den Erwachsenen kämpft – und darum, die beste Deutsche ihrer Gewichtsklasse zu werden und obendrein hier unter den Top 18 zu sein. Letzteres ist die Grundvoraussetzung für ein Olympia-Ticket.

Es lief bislang. Sie ist Weltranglisten-Zwölfte und beste Deutsche. Mit Miriam Butkereit sitzt ihr aber noch Konkurrenz im Nacken. Tel Aviv wird wichtig werden, noch wichtiger aber der Grand Slam (21. bis 23. Februar) in Düsseldorf. Da werden die beiden besten Deutschen der Gewichtsklasse erneut auf die Matte gehen, da sollte Scoccimarro – wenn überhaupt – am Ende nicht weit hinter der Konkurrentin platziert sein. Denn danach wird sich der Bundestrainer wahrscheinlich schon auf die Olympiastarterin festlegen. Zukunftsmusik. Erst einmal richtet sich alle Spannung auf den Wettkampf in Israel.

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Die vergangenen Wochen waren für die Angestellte von Volkswagen Hannover stressig. Mehrere Tage standen Leistungstests und -Diagnostik in München an, dann ging es mit dem DJB ins Trainingslager nach Mittersee in Österreich. Seit November trainiert sie täglich drei bis vier Stunden. Sie weiß: „Jetzt kommen zwei bis drei Turniere, wo es laufen muss.“ Der Druck ist enorm – wenn man ihn zu sehr an sich ran lässt. Doch Scoccimarro versucht, auch Lockerheit zu behalten. Was ihr dabei hilft: die Freude an ihrem Sport. Trotz der hohen Übungsintensität, der Lehrgänge, der Flüge um die Welt (sie war in den vergangenen Monaten unter anderem in China, Japan und Kanada) und der Arbeit bei VW verliert sie die nie. Scoccimarro: „Ohne Spaß am Judo würde ich Judo nicht machen.“

Auch die Familie gibt Halt. Trotz der hohen Belastung, „schaffe ich es immer, noch alle zwei bis drei Wochen mal nach Hause, nach Lessien, zu kommen“, so die 22-Jährige. Ihre älteren Brüder hatten sie einst mit dem Judo-Virus infiziert, sie ist nun das Ass der Familie, wobei die Brüder Luigi und Federico auch gut sind. Beide sind für die deutsche Meisterschaft am Wochenende für den MTV Vorsfelde qualifiziert. Genau wie Scoccimarros Freund Benjamin Bouizgarne. Giovanna Scoccimarro ist natürlich auch qualifiziert. Doch für sie geht der Grand Prix in Tel Aviv vor, ein weiterer Meilenstein auf der „Road to Tokyo“, wie der DJB die kommenden Top-Wettkämpfe nennt