08. April 2020 / 09:48 Uhr

Nähen statt tanzen: Aktive des SV Triangel machen Mundschutze statt Turniere

Nähen statt tanzen: Aktive des SV Triangel machen Mundschutze statt Turniere

Henning Kampen
Wolfsburger Allgemeine / Aller-Zeitung
Tanzen Schweitz
Nähen Mundschutze: Aktive des SV Triangel (v. l. Birgt Beirith, Veronika und Oskar Schweitz). © privat
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Mit dem Turniertanz ist es wegen Corona vorbei beim SV Triangel. Doch einige Frauen des in Sassenburg ansässigen Vereins haben schnell ein Ersatzhobby gefunden. Sie nähen in der Corona-Krise Mundschutze und spenden diese an medizinische Einrichtungen in Wolfsburg.

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Die Schwiegertochter von Tanztrainerin Veronika Schweitz hatte die Idee. „Sie hatte sich mit Nachbarn unterhalten, die im Krankenhaus arbeiten. Dann dachte ich mir, ich setzte mich mal hin und nähe auch welche“, sagt Veronika Schweitz.

Ehemann Oskar erinnert sich an das letzte Treffen mit dem Tanzverein vor dem Sportverbot zurück: „Wir hatten an dem Tag noch Training, nachmittags hatte uns jemand vom Deutschen Tanzsportverband angerufen und gesagt, dass alles abgeblasen ist. Abends sagten wir zu allen: ‘Ihr braucht keinen Kuchen mehr backen‘.“

Die Vorbereitungen auf das Frühlings-Pokal-Turnier in Gifhorn liefen auf Hochtouren – einen Tag vor Veranstaltungsbeginn, am Freitag den 13. – kam die Absage. Nach der Enttäuschung wandelten Trainerin Schweitz und eine Handvoll Tänzerinnen ihre Energie in das Nähen der Masken um. „Das war für uns sozusagen eine Ersatzbeschäftigung und ist es für einige noch“, sagt Schweitz. Die Tänzerinnen können nämlich mit Nadel und Faden umgehen: ob Halsschmuck, Ohrschmuck oder Trainingsröcke, vieles wird selbst gefertigt.

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Neben dem Roten Kreuz und dem Wolfsburger Klinikum wurde auch der Neffe, der als Internist eine Arztpraxis in Detmerode leitet, ausgestattet. „Die Leute waren alle so glücklich, dass sie diese Masken von uns bekommen haben. Ich habe ihnen gesagt, falls noch Bedarf sein sollte, nähe ich gern noch weiter“, sagt Schweitz. Im Klinikum wurde eigens für die Schutzkleidung eine eigene Waschmaschine beschafft, damit die Masken schneller zur Verfügung stehen.

Die Mundschutze werden aus Baumwollstoff, wie beispielsweise Bettlaken oder Tischdecken hergestellt. Stoff und Bänder können bei bis zu 95 Grad gewaschen werden. Nach den ersten Anfertigungen gab es übrigens einen Engpass bei der Beschaffung des Grundmaterials: „Wir hatten Mühe an die Gummibänder zu kommen, die Händler hatten den Preis in der Zwischenzeit um das Dreifache erhöht“, sagt Schweitz.

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Auch im Selbstversuch kam der Mundschutz bereits zum Einsatz. „Ich saß beim Arzt im Behandlungszimmer. Er untersuchte mich und wir trugen beide einen Mundschutz“, sagt Oskar Schweitz, der mit seiner Frau als Tanztrainer und Wertungsrichter für Triangel im Einsatz ist. Auch die Familie ist inzwischen ausgestattet.

„Sie machen das mit ihrem eigenen Geld und opfern dafür ihre Freizeit“, sagt Mathias Heuberger, Spartenleiter und selbst aktiver Tänzer beim SV Triangel. Er sei „stolz“ auf das Engagement im Verein, gleichzeitig jedoch nicht überrascht: „Wir sind ein echtes Team, diese Gemeinschaft in unserem Verein ist ein Alleinstellungsmerkmal.“