18. November 2020 / 17:45 Uhr

Naldo über eine Rückkehr nach Wolfsburg: "Man weiß nie, was die Zukunft so bringt..."

Naldo über eine Rückkehr nach Wolfsburg: "Man weiß nie, was die Zukunft so bringt..."

Engelbert Hensel
Wolfsburger Allgemeine / Aller-Zeitung
Naldo Inter
Freut sich aufs Wiedersehen mit dem VfL Wolfsburg: Naldo, der neue Co-Trainer von Schalke 04.
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Die Fans des VfL Wolfsburg liebten Naldo für seine Leidenschaft auf dem Platz und seine Identifikation mit dem Klub und der Stadt. Jetzt muss der Brasilianer in neuer Funktion gegen seinen alten Klub ran...

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Na-Na-Na Naldo - der Brasilianer ist eine Bundesliga-Legende. Der ehemalige Innenverteidiger gewann sowohl mit dem VfL Wolfsburg (2015) als auch mit Werder Bremen (2009) den DFB-Pokal und spielte mit Wolfsburg und mit dem FC Schalke 04 in der Champions League. Bis zum Winter hatte der torgefährliche Innenverteidiger bei der AS Monaco unter Vertrag gestanden, jetzt ist er Co-Trainer bei den Schalkern, die am Samstag (15.30 Uhr) die Wolfsburger zu Gast haben. Im SPORTBUZZER-Interview spricht der 38-Jährige über das Wiedersehen, seinen neuen Job - und eine mögliche Rückkehr nach Wolfsburg.

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Ihr ehemaliger Mitspieler Maximilian Arnold hat am Dienstag gesagt: ,Ich hätte nie gedacht, dass Naldo mal Co-Trainer wird‘. Hatten Sie im Sommer, als Sie mit Ihrer Familie noch in Monaco waren, damit gerechnet?

Nein, habe ich damals nicht. (lacht) Aber als die Anfrage von Schalke kam, ist auf einmal alles ganz schnell gegangen. Ich denke, es ist ein guter Schritt für mich.

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Wollten Sie schon immer Trainer werden?

Sagen wir es so: Es war nicht mein primäres Ziel. Ich habe lange überlegt, ob ich möglicherweise Berater werde. Aber jetzt bin ich hier auf Schalke und freue mich darüber. Ich lerne jeden Tag dazu, es macht mir viel Spaß.

Schalke, für das Sie auch gespielt haben, steckt in Schwierigkeiten, hat 23 Spiele in Folge nicht mehr gewinnen können und ist vor dem Duell mit dem VfL Tabellenvorletzter. Sie hätten sich zum Start ins Trainerleben ja auch etwas leichteres aussuchen können…

...ja, die Situation ist keine einfache . Aber das Leben ist nicht immer leicht. Ich möchte in dieser schwierigen Situation dem Club helfen und dazu lernen.

Was sprach für Schalke?

Ich kenne die Spieler, ich kenne die Kabine. Das haben mir auch Michael Reschke (technischer Direktor des Klubs, Anmerk. d. Red.) und Jochen Schneider (Sportvorstand von S04, Anmerk. d. Red.) in den Telefonaten gesagt. Sie meinten: Naldo, du kannst uns helfen. Ich habe zwar noch keine Trainerlizenz, aber die werde ich in Kürze angehen. Doch zunächst einmal ist es wichtig, dass es auf Schalke wieder in die richtige Richtung geht, dabei werde ich mithelfen.

Was hat Ihre Familie dazu gesagt, als der Anruf kam?

Wir haben lange über diese Chance gesprochen. Meine Frau hat gesagt: ,Das ist eine neue Herausforderung, ein neues Abenteuer, das du angehen solltest.‘ Meine Familie ist noch in Monaco, weil unsere Kinder dort in die Schule gehen. Unser Sohn ist 15 Jahre alt und er will nicht schon wieder die Schule wechseln, deshalb bleiben meine Frau und die Kinder erst einmal in Monaco.

Kannten Sie Schalkes neuen Cheftrainer Manuel Baum persönlich?

Nein, aber das ist kein Problem. Wir haben ein gutes Telefonat geführt, in dem ich gespürt habe, dass er mich unbedingt will. Das Arbeiten mit ihm und unserem Trainerteam funktioniert gut, jeder hat seine Aufgaben und bringt sich ein. Manuel ist der Kopf, er hat ein gutes Gespür für die Mannschaft. Er fragt mich häufig, wie ich bestimmte Dinge bewerte. Ich kann sagen: Zwischen uns passt es perfekt.

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Die VfL-Brasilianer in der Bundesliga ©

In der Bundesliga haben Sie als Innenverteidiger bei Werder Bremen, dem VfL und Schalke bleibenden Eindruck hinterlassen – wie schwer war es, die aktive Karriere zu beenden?

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Das war natürlich nicht einfach, zumal ich über 15 Jahre lang als Spieler auf dem Platz gestanden habe. Ich dachte, meine Karriere ist noch nicht zu Ende, aber mir war auch klar: Nehme ich das Angebot von Schalke an, dann ist Schluss auf dem Platz. Ich denke, es war die richtige Entscheidung, die ich getroffen habe, weil ich seit Februar, März nicht mehr gespielt und nur noch allein trainiert habe. Ich bin jetzt weiterhin jeden Tag auf dem Platz, aber eben in einer anderen Funktion.

Sie haben dieser Tage mittrainiert…

...ich bin immer noch topfit. Und wenn ein Spieler fehlt, dann fragt Manuel Baum, ob ich im Trainingsspiel aushelfen kann. Ansonsten werde ich nicht mehr spielen, wir haben genug gute Innenverteidiger.

Welche Tipps werden Sie in dieser Woche Manuel Baum in Sachen VfL Wolfsburg geben?

Manuel braucht keine Tipps, er ist schon lange dabei. Er kennt Spieler wie etwa Maximilian Arnold, der eine super Entwicklung genommen hat. Als er zum ersten Mal in der Bundesliga gespielt hat, konnte man schon sehen, dass er einer mit großem Willen ist. Inzwischen hat er viel Erfahrung sammeln können, er hat eine Chefrolle in der Mannschaft übernommen und er ist mit und ohne Ball ein unangenehmer Spieler. Ich freue mich riesig für ihn, dass er diese Schritte in seiner Karriere machen konnte. Aber wie gesagt: Manuel Baum kennt Arnold und den VfL richtig gut.

Sie haben den VfL 2016 nach Ärger mit dem damaligen Manager Klaus Allofs verlassen, wie bewerten Sie die Entwicklung des Klubs in der Zeit danach?

Nach zwei schwierigen Jahren mit zwei Fast-Abstiegen haben sie beim VfL eine gute Mannschaft aufgebaut, die presst und die viel läuft. Es wird nicht einfach, sie zu schlagen. Aber wir werden trotzdem alles geben, um Wolfsburg in Schwierigkeiten zu bringen und endlich den ersten Sieg in der Liga zu feiern.

Wen kennen Sie noch aus dem VfL-Team?

Maximilian Arnold, Josuha Guilavogui, William, Koen Casteels und Marcel Schäfer, der jetzt einen Super-Job als Sportdirektor macht.

Guilavogui und Sie sind befreundet…

...ja, das stimmt. Wir telefonieren regelmäßig. Guilavogui ist ein Leader geworden, er ist sehr wichtig für die Mannschaft, vor allem für die ausländischen Spieler.

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Werden Sie auch in dieser Woche miteinander telefonieren?

Nein, wir werden uns am Samstag treffen und werden nach dem Spiel quatschen.

Wo landet der VfL am Saisonende?

Der VfL Wolfsburg kann einen Europa-League-Platz schaffen, da bin ich mir ganz sicher, die Truppe ist gut.

Und wo wird Schalke landen?

Ich hoffe, dass wir schnell einen Weg aus dem Tabellenkeller finden, es ins Mittelfeld schaffen - und da auch bleiben. Ich weiß, es ist ein langer Weg, aber ich glaube daran, dass wir ihn meistern können.

Können Sie sich vorstellen, mal VfL-Trainer zu werden?

Man weiß nie. Ich fühle mich gerade total wohl auf Schalke, bin am Anfang meiner Trainer-Karriere. Der Verein hat mir die Möglichkeit gegeben, diesen Weg einzuschlagen. Sie haben mir das Vertrauen geschenkt, das will ich jetzt zurückzahlen.

Und eine Rückkehr nach Wolfsburg ist damit vom Tisch?

Wie gesagt: Man weiß nie, was die Zukunft so bringt - aber mein Kopf ist gerade zu hundert Prozent auf Schalke.