05. Juni 2021 / 10:15 Uhr

Michael Rummenigge: So kann es für das DFB-Team bei der EM auch ohne Mittelstürmer klappen

Michael Rummenigge: So kann es für das DFB-Team bei der EM auch ohne Mittelstürmer klappen

Michael Rummenigge
RedaktionsNetzwerk Deutschland
Der Auswahl von Bundestrainer Joachim Löw (l.) mangelt es an der nötigen Kaltschnäuzigkeit.
Der Auswahl von Bundestrainer Joachim Löw (l.) mangelt es an der nötigen Kaltschnäuzigkeit. © IMAGO/Sven Simon (Montage)
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SPORTBUZZER-Kolumnist Michael Rummenigge analysiert die Abschlussschwäche der deutschen Nationalmannschaft. Er erklärt, welche Mittel Bundestrainer Joachim Löw zur Verfügung hat, um dieses Defizit zu kompensieren und verdeutlicht, warum Kai Havertz noch kein Kandidat für die Startelf ist.

Der Ball will nicht so recht ins Tor – was bei der deutschen Nationalmannschaft in den vergangenen Monaten immer wieder Thema war, offenbarte sich auch am Mittwochabend beim 1:1 im EM-Test gegen Dänemark. Es gab Chancen, aber eben nur einen Treffer. Und dieser war für den Sieg am Ende zu wenig. Es bringt jetzt nichts zu lamentieren. Wir haben seit Miroslav Klose nun einmal keinen echten Mittelstürmer mehr. Ein Robert Lewandowski wäre natürlich Gold wert. Bei den Franzosen, dem EM-Auftaktgegner des DFB-Teams, gibt es sogar drei echte Knipser. Ich denke an Kylian Mbappé, Rückkehrer Karim Benzema oder Antoine Griezmann.

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Joachim Löw muss aus der Situation aber das Beste machen. Und er hat in der Offensive ja durchaus Qualität. Ich würde auf ein Quartett setzen: Serge Gnabry und Leroy Sané auf den Flügeln, Thomas Müller in der Mitte und ganz vorn Timo Werner. Der ehemalige Leipziger lässt für meinen Geschmack zwar zu viele Chancen aus, ich hoffe aber darauf, dass ihm der Champions-League-Sieg mit dem FC Chelsea Selbstvertrauen gibt – auch wenn das Final-Tor ein anderer geschossen hat: Kai Havertz. Es ist ein wenig kurios, dass man über die Abschlussschwäche der Nationalmannschaft diskutiert, der Schütze des entscheidenden Königsklassen-Treffers aber auch in meiner EM-Startelf keinen Platz findet. Doch die Erklärung ist einfach.

Ich sehe Sané, Gnabry und Müller noch ein Stück vor Havertz. Ihn für Werner in der Spitze zu bringen, halte ich für kein gewinnbringendes Mittel – auch wenn Havertz sehr torgefährlich ist und diese Position bei Chelsea hin und wieder gespielt hat. Aber er ist einfach kein echter Stürmer. Daher wird sich der 21-Jährige gedulden müssen. Und ich bin mir sicher: Havertz wird bei der EM auf seine Minuten kommen und noch wichtig werden.

In der Debatte um die mangelnde Torgefährlichkeit bei der DFB-Auswahl kommt mir aber ein Punkt zu kurz: Spiele, Meisterschaften und Turniere werden in der Defensive gewonnen. Wenn man keinen Treffer kassiert, ist sicher, dass man nicht verliert. Sollte die Abwehr um Mats Hummels bei der Europameisterschaft also stabil auftreten, ist die eine oder andere ausgelassene Chance zu verschmerzen. Eine weitere Stärke der Mannschaft: Die Achse stimmt. Manuel Neuer im Tor, davor dann Hummels, Joshua Kimmich und Müller. Dass sich dieses Gerüst in der Spitze nicht fortsetzt, müssen die anderen eben kompensieren. Eine Möglichkeit, wenn es partout nicht laufen will: Löw kann auf ein System mit zwei Spitzen umstellen. Kevin Volland ist für mich zwar kein Startelf-Kandidat, als Joker kann er aber brandgefährlich werden.

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