06. Oktober 2020 / 15:19 Uhr

Nationalspieler Julian Draxler über geplanten PSG-Abgang: "Es war schwierig, einen Verein zu finden"

Nationalspieler Julian Draxler über geplanten PSG-Abgang: "Es war schwierig, einen Verein zu finden"

Tim Lüddecke
RedaktionsNetzwerk Deutschland
Nationalspieler Julian Draxler von Paris Saint-Germain hätte gerne den Verein gewechselt.
Nationalspieler Julian Draxler von Paris Saint-Germain hätte gerne den Verein gewechselt. © Markus Gilliar/GES/Imago Images
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Nach einer "Saison zum Vergessen" dachte Julian Draxler im Sommer darüber nach, Paris Saint-Germain zu verlassen. Weil sich jedoch kein geeigneter Verein für ihn fand, will der Nationalspieler den Bundestrainer mit mehr Einsatzzeit in Paris davon überzeugen, weiter auf ihn zu bauen. Der Saisonstart verlief gelungen.

Auch Julian Draxler selbst hat feststellen müssen, dass er bereits zu den „alten Hasen“ bei der deutschen Nationalmannschaft zählt, auch wenn er Wert darauf legt, nicht als „Routinier“ bezeichnet zu werden – er sei ja „auch noch relativ jung“, mit seinen 27 Jahren. Und doch gibt es nicht mehr viele Spieler, „die mehr Länderspiele haben und die älter sind als ich“, sagt der 53-malige Nationalspieler. Wenn die DFB-Elf an diesem Mittwoch (20.45 Uhr, RTL) in Köln auf die Auswahl der Türkei trifft, soll der Profi von Paris Saint-Germain die Mannschaft anführen, wie DFB-Direktor Oliver Bierhoff bereits durchblicken ließ.

Nach der allmählich vollzogenen Verjüngung der deutschen Mannschaft ist Draxler als einer der erfahrensten Akteure verblieben: Weltmeister 2014, Confed-Cup-Sieger 2017. Seit über drei Jahren schon ist er zudem Profi beim europäischen Topklub PSG, und hat damit auch in dieser Hinsicht vielen Nationalspielern etwas voraus. Einige von ihnen wie Timo Werner und Kai Havertz (beide FC Chelsea), Robin Koch (Leeds United) oder Luca Waldschmidt (Benfica Lissabon) haben gerade erst vor wenigen Wochen den Weg ins Ausland angetreten.

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Draxler begrüßt den Schritt seiner Teamkollegen. Er selbst habe dadurch eine „Lebenserfahrung“ gemacht: eine fremde Sprache, eine andere Kultur und Fußballkultur kennengelernt. „Gerade am Anfang lernt man relativ viel in kurzer Zeit dazu. Timo und Kai werden diese Erfahrung auch bei Chelsea sehr schnell machen; dass gewisse Sachen anders ablaufen als in Deutschland.“ Ein Wechsel ins Ausland könne jedenfalls „für jeden Spieler nur von Vorteil“ sein, meint er. Und man könne ja dann immer noch darüber entscheiden, ob es einem dort gefällt oder ob man wieder nach Deutschland zurückkehren möchte.

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Draxler in vier von sechs Spielen in der PSG-Startelf

Draxler dachte im Sommer ebenfalls stark darüber nach, den Verein zu verlassen. Womöglich zu Bayer Leverkusen, vielleicht sogar zum FC Bayern – wie beides kolportiert wurde. Obwohl er mit PSG im Champions-League-Finale spielte und mal wieder französischer Meister wurde im vorzeitig abgebrochenen Ligabetrieb, sei es für Draxler persönliche „eine Saison zum Vergessen“ gewesen. Größtenteils verletzungsbedingt, aber auch aufgrund sportlicher Gründe kam er nur zu elf Ligaeinsätzen. „Da hat man sich sicher seine Gedanken gemacht“, erklärt er.

Ein Wechsel kam in dieser Transferperiode auch aufgrund der schwierigen finanziellen Situation vieler Klubs nicht zustande. „Es war wenig Geld auf dem Markt war, da war es schlussendlich schwierig, einen Verein zu finden, auf den ich Lust hatte und bei dem es mit PSG und meinem Vertrag gut zusammengepasst hätte“, so Draxler. Daher habe er sich früh entschlossen, „keinen Schnellschuss zu machen, sondern meine Chance bei PSG weiter zu suchen“. Einen „Riesendruck zu wechseln“ habe er auch deshalb nicht gespürt, weil er bei dem eng getakteten Spielplan überzeugt ist, viele Spiele zu absolvieren. „Und die Saison hat ja auch ganz gut angefangen.“ In vier von sechs Spielen stand er in der Startelf von Paris-Trainer Thomas Tuchel, zwei Treffer erzielte er dabei.

Löw und Draxler nötig: Mehr Einsätze nötig

Am Ende der Saison läuft sein Vertrag in Frankreich aus. Stand jetzt sieht es trotzdem nach einem Abgang aus. „Nächstes Jahr würde das Ganze ein bisschen anders aussehen“, sagt Draxler, und meint damit einen ablösefreien Wechsel. Sein neuer Klub müsse jedoch einer sein, wo er „eine wichtige Rolle“ spielen kann. Dafür würde er auch Abstriche im Vergleich zu seinem jetzigen Gehalt machen. „Die oberste Priorität ist jetzt nicht, dass ich den gleichen Vertrag wie in Paris unterschreibe.“


Auch der Bundestrainer spielt schon seit längerem eine Rolle, was die sportlichen Entscheidungen Draxlers anbelangt, erklärt der 27-Jährige: „Die Meinung von Jogi ist mir sehr wichtig. Deswegen gab es bereits das eine oder andere Vieraugengespräch. Das war schon immer so, dass er sich erkundigt, wie es im Verein läuft – und er seine Meinung dazu mitteilt.“ Dass er öfter zum Einsatz kommen muss als in der abgelaufenen Saison, darüber seien sich Spieler und Trainer einig. Und nun, da ein Wechsel erstmal vom Tisch ist, sagt Draxler, „habe ich mich dafür entschieden, dass ich dem Jogi über den Weg Paris trotzdem genug Spielpraxis liefern kann.