24. März 2020 / 10:09 Uhr

"Appelliere an die Vernunft": Ex-96er Marcel Halstenberg sorgt sich um seinen Vater

"Appelliere an die Vernunft": Ex-96er Marcel Halstenberg sorgt sich um seinen Vater

Jonas Szemkus
Hannoversche Allgemeine / Neue Presse
Nationalspieler Marcel Halstenberg appelliert an die Vernunft der Bürger.
Nationalspieler Marcel Halstenberg appelliert an die Vernunft der Bürger. © GEPA Pictures
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Marcel Halstenberg ist Hannoveraner. Er ist in Laatzen aufgewachsen, hat das Fußballspielen bei 96 gelernt. Freunde und Familie leben in der Region - und um die sorgt sich der Nationalspieler von RB Leipzig in der Corona-Pandemie sehr, besonders um seinen vorerkrankten Vater.

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Marcel Halstenberg ist ein echter Hannoveraner: aufgewachsen in Laatzen, fußballerisch gereift in der Jugend von 96. Mittlerweile spielt der Linksverteidiger bei RB Leipzig und ist Nationalspieler. Die Verbindung nach Hannover ist dennoch stark wie eh und je – erst recht in Zeiten von Corona. Die Familie wohnt hier, viele Freunde. Deshalb hat der 28-Jährige einen emotionalen Appell.

Mehrere Risikofälle in der Familie

Denn Halstenberg hat gleich mehrere Risikofälle in der Familie. Und er spricht offen darüber – auch, um andere in diesen Zeiten zu sensibilisieren. Schwiegervater und Schwiegermutter gehören zu Risikogruppen. Und: „Mein Papa hat Ende 2017 die Diagnose Knochenkrebs bekommen“, erzählt der Profi. „Leute mit schwachem Immunsystem sind ja besonders anfällig für Corona.“

Jeden zweiten Tag fährt Papa Halstenberg zur Chemotherapie in eine hannoversche Klinik, daran ändert sich auch in diesen komplizierten Corona-Tagen nichts. „Na­tür­lich hat man Angst, dass er sich irgendwie ansteckt, weil jemand das Virus weiterträgt.“ Halstenberg hofft auf Umsicht und Vorsicht: „Ich appelliere an die Vernunft der Mitmenschen, dass niemand ein unnötiges Risiko eingehen sollte.“

Ob in Hannover geboren, als Talent verpflichtet oder Stammkraft im 96-Nachwuchs: Diese Talente schafften ihren Durchbruch nicht bei 96 und verdienen jetzt woanders mit dem Fußball ihr Geld.

Niko Gießelmann: Der linke Verteidiger wurde 1991 in Hannover geboren. Mit 15 Jahren wechselte er von der SC Langenhagen zu Hannover 96. Dort war er sechs Jahre aktiv, lief in der Reserve der Roten 74 Mal auf (15 Tore, 5 Vorlagen). Mit den Profis auf dem Feld zu stehen, war ihm nicht vergönnt. 2013 wechselte er zu Greuther Fürth, absolvierte 132 Spiele im Kleeblatt-Dress und ist aktuell Stammspieler beim Fortuna Düsseldorf.  Zur Galerie
Niko Gießelmann: Der linke Verteidiger wurde 1991 in Hannover geboren. Mit 15 Jahren wechselte er von der SC Langenhagen zu Hannover 96. Dort war er sechs Jahre aktiv, lief in der Reserve der "Roten" 74 Mal auf (15 Tore, 5 Vorlagen). Mit den Profis auf dem Feld zu stehen, war ihm nicht vergönnt. 2013 wechselte er zu Greuther Fürth, absolvierte 132 Spiele im "Kleeblatt"-Dress und ist aktuell Stammspieler beim Fortuna Düsseldorf.  ©

Mit seinem Papa telefoniert der Profi täglich. Und er kann Vaterfreuden mit ihm teilen. Am Dienstag wird Halstenbergs Tochter acht Monate alt. Es ist das erste Kind des Verteidigers und seiner Frau Franziska, und für die beiden hat er in diesen Tagen mehr Zeit als sonst im Fußballer-Alltag. „Sonst bin ich ja viel unterwegs. Das ist schon schön!“ Wenigstens etwas Positives in der Corona-Krise, da fällt sogar frühes Aufstehen gar nicht so schwer. „Das macht Spaß, die Zeit vergeht schnell“, erzählt der 28-Jährige, „aber mit Ausschlafen ist nichts. Die Nächte sind turbulent!“ Er lacht.

Die Zeit mit der Familie tut gut

Der neue, schöne Alltag: Aufstehen gegen 7 Uhr, Frühstück, später vielleicht noch mal ein Powernap auf dem Sofa oder ab auf die Terrasse („Da hängt eine Hängematte“). Die Zeit mit der Familie tut gut, und auch mit Freunden hält er engen Kontakt – per Videoanruf. „Wir spielen im Moment viel Onlinepoker“, verrät der Fußballer, „da vergeht die Zeit noch besser.“ Ob er bald auch da Profi wird? Halstenberg lacht. „Nein, nein. Ich mache das aus Spaß, nicht aus Ehrgeiz.“ Kurze Sprechpause. „Na gut, ein bisschen rege ich mich schon auf, wenn ich verliere!“

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Es sind Emotionen, die ihm sonst der Sport gibt. Mit Leipzig sind es in dieser Saison meist Erfolgserlebnisse, RB ist Tabellendritter. Jetzt die Pause. „Klar fehlt etwas: auf dem Platz stehen, kicken.“ Zwar trainiert Leipzig noch auf Rasen, aber eben doch anders. „Beim Reingehen ins Gebäude desinfizieren wir erst mal die Hände. Wir ziehen uns nicht in der Kabine um, sondern einzeln in eigenen Zimmern. Auf dem Platz stehen wir weit auseinander, haben keinen Körperkontakt, haben einen Athletiktrainer zur Seite gestellt. Es geht mehr darum, das Gefühl mit Ball auf dem Rasen nicht zu verlieren.“

Halstenberg engagiert sich bei "We kick Corona"

Gut möglich, dass auch das bald ruht. „Wir haben mit dem Mannschaftsrat darüber gesprochen, auch ich möchte das eigentlich nicht mehr verantworten, wenn die Frauen und Kinder daheim sind und wir das Virus dann doch irgendwie mitbringen“, bestätigt Halstenberg.

Der Laatzener nimmt Corona ernst – und will was dagegen tun. Deshalb engagiert er sich bei der Initiative „We kick Corona“ der Bayern-Profis Joshua Kimmich und Leon Goretzka. Halstenberg kennt sie aus dem Nationalteam gut: „Sie haben mich gefragt, ob ich mitmachen will. Ich habe keine zwei Minuten überlegt und mir dann die Bankdaten geben lassen.“ Halstenberg hat einen sechsstelligen Betrag gespendet. Sein „kleiner“ Beitrag für den Zusammenhalt in einer großen Krise.