Der Nazi-Eklat im Trainingslager von Hannover 96 in Kärnten vergangenen Juli kommt vor Gericht – in Österreich. Die Staatsanwaltschaft Klagenfurt hat Anklage gegen Timm G. erhoben. Der 29-Jährige, der in einem Fan-Tross die Mannschaft bei ihrem Aufenthalt in Velden am Wörthersee begleitet hatte, zeigte während eines Testspiels gegen das Team von Kayserispor (Türkei) den Hitler-Gruß.
„Das ist kein Kavaliersdelikt“, sagt Markus Kitz von der Medienstelle der Klagenfurter Staatsanwaltschaft. G. droht in Österreich eine Gefängnisstrafe von mindestens einem Jahr. Auch in Deutschland hatte er wegen seiner rechten Gesinnung schon Ärger mit der Justiz: Er wurde hierzulande wegen Verwendens von Kennzeichen verfassungswidriger Organisationen bereits verurteilt.
Heftige Beleidigungen gegenüber Kayserispor
Der 27. Juli 2017: Augenzeugen berichten, dass G. sich bei dem 96-Kick gegen das türkische Team hinter die Bänke von Kayserispor gestellt und Spieler sowie Trainer beleidigt und provoziert hatte. Laut Anklage zeigte er den Hitlergruß und brüllte „Fuck, Allah!“ Die Entgleisung hatte heftige Empörung ausgelöst: 96 erteilte dem 29-Jährigen einen Platzverweis und distanzierte sich von ihm.
Das taten auch die mitgereisten Fan-Gruppen – dabei war G. nur wenige Monate zuvor in der Nordkurve der HDI-Arena noch gefeiert worden. Nach Sportbuzzer-Informationen war der Fußball-Chaot nach einem längeren Gefängnisaufenthalt mit einem Banner begrüßt worden: „Aus dem Versteck – rein ins Geschehen … Willkommen zurück, Timm!“, war da zu lesen. Wer für die Zeilen verantwortlich zeichnete, stand ebenfalls auf dem Spruchband: „Ultras, Fans, Hooligans“.
Hannover 96: Bilder aus dem Trainingslager (Tag 1)
"Er hat ein Stadionverbot bis Sommer 2019 erhalten"
96 hat den 29-Jährigen nach dem Nazi-Eklat in Österreich vor die Tür gesetzt: „Er hat ein Stadionverbot bis Sommer 2019 erhalten“, so Mediendirektor Heiko Rehberg. G. sei aber kein Dauerkarten-Besitzer bei 96 gewesen.
Der 29-Jährige soll im Bereich Bielefeld wohnen, sich eine Zeit lang im Umfeld der Anhängerschaft von Arminia getummelt haben und sich auch in Richtung Hannover 96 orientiert haben. Die Fanszenen von Hannover und Bielefeld bilden gemeinsam mit dem HSV die sogenannte „Nordallianz“.
G. droht harte Strafe
Der Nazi-Eklat von Kärnten bringt G. nun vor das Landesgericht Klagenfurt. Laut Mediensprecher Markus Kitz werden dort zwei Berufsrichter und acht Geschworene über den Fall entscheiden. Die Staatsanwaltschaft wirft dem Fußball-Chaoten wegen des Hitlergrußes einen Verstoß gegen das „Verbot der NSDAP“ (kurz „Verbotsgesetz“) vor. Strafmaß: von einem Jahr bis zu zehn Jahren.
Die zwei Worte „Fuck, Allah!“ stellen nach dem österreichischen Strafrecht eine „Herabwürdigung religiöser Lehren“ dar. Darauf stehen bis zu sechs Monate Haft oder Geldstrafe. In Österreich sei bekannt, dass G. in Deutschland zehn Vorstrafen hat, so Kitz: „Eine davon ist einschlägig.“ Nämlich die wegen Verwendens von Kennzeichen verfassungswidriger Organisationen.
Kitz empfiehlt dem 29-Jährigen dringend, zur Verhandlung in Klagenfurt zu erscheinen. Falls nicht, würden sich die Strafverfolger „andere Schritte überlegen. Bei Nichterscheinen würde es einen europäischen Haftbefehl geben.“