02. September 2019 / 14:26 Uhr

Nazi-Shirts und ekelhafte Spruchbänder: Dynamo Dresden drohen bis zu 150.000 Euro Strafe

Nazi-Shirts und ekelhafte Spruchbänder: Dynamo Dresden drohen bis zu 150.000 Euro Strafe

Redaktion Sportbuzzer
RedaktionsNetzwerk Deutschland
Zwei Mitarbeiter des Sicherheitsdienstes im Rudolf-Harbig-Stadion zeigten fragwürdige Shirts.
Zwei Mitarbeiter des Sicherheitsdienstes im Rudolf-Harbig-Stadion zeigten fragwürdige Shirts. © dpa
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Nachdem zwei Security-Mitarbeiter Shirts mit nationalsozialistisher Symbolik trugen und einige Fans sexistische und homophobe Banner zeigten, sieht sich Dynamo Dresden einmal mehr einer Welle der Entrüstung ausgesetzt. Die Vorfälle könnten für den Zweitligisten auch finanziell richtig teuer werden.

Dresden. Die eigenen Fans haben den Ruf von Dynamo Dresden durch zahlreiche Aussetzer bereits gründlich ramponiert. Dass nun jedoch zwei Ordnungskräfte wie im Spiel des Fußball-Zweitligisten gegen St. Pauli ganz offen T-Shirts mit nationalsozialistischer Symbolik tragen, ist nicht nur ein neuer Tiefpunkt. Es spiegelt auch Teile des Milieus wieder, aus dem sich der eigentlich von einer heterogenen Fanszene geprägte Verein offenbar nicht befreien kann.

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Welle der Empörung

Die Polizei hat gegen die Ordner Strafanzeige gestellt und Ermittlungen wegen des Verdachts der Verwendung von verfassungswidrigen Symbolen eingeleitet. Zu Beginn des Spiels hatten sich die beiden Männer der Anweisung des Leiters des Sicherheitsdienstes widersetzt, eine Deutschland-Fahne aus einem Fluchtweg zu entfernen. Als umgehende Maßnahme wurde das Duo freigestellt. Daraufhin hatten sich die Männer ihrer Dienstkleidung entledigt und T-Shirts zum Vorschein gebracht, auf denen die Worte „3. Division für Sicherheit des deutschen Volkes“ sowie ein an das Symbol einer SS-Division erinnernder Totenkopf gedruckt waren.

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Dynamo-Geschäftsführer Michael Born verurteilte die Aktion und zeigte sich „fassungslos“. Doch der Welle der Empörung, die nun auf Dynamo zurollt, kann der Club kaum Herr werden. Zumal schnelle Urteile über Dynamo, die Stadt Dresden sowie Sachsen im Allgemeinen durch das Ergebnis der AfD (27,5 Prozent) bei den Landtagswahlen am Sonntag zusätzlich befeuert werden.

Entschuldigung beim Pauli-Präsidenten

Neben dem wiederholt ramponierten Image wird es für Dynamo ein wohl teures Nachspiel geben. Der Kontrollausschuss des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) hat Ermittlungen eingeleitet und wird den Verein zu einer Stellungnahme auffordern. Es droht eine Geldstrafe zwischen 18.000 und 150.000 Euro. Denn neben dem Ordner-Eklat gab es während des Spiels zahlreiche frauenfeindliche und menschenverachtende Banner im Stadion.

Auch von diesen distanzierte sich Born, der St. Paulis Präsidenten Oke Göttlich direkt vor Ort um Entschuldigung bat. Es seien Dinge vorgefallen, „die wir zutiefst verurteilen und so nicht akzeptieren werden, weil sie menschenverachtend sind, gegen unser Leitbild und die Fancharta verstoßen sowie die Werte unserer Sportgemeinschaft mit Füßen treten„, wurde Born in einer Vereinsmitteilung zitiert.

Durchklicken: Leitbild der SG Dynamo Dresden

Wir sind eine Gemeinschaft.
Wir sind die Sportgemeinschaft Dynamo Dresden. Unsere Urkraft liegt im Zusammenhalt, erwachsen aus Erfolgen, Niederlagen und Umbrüchen. Unser Wappen tragen wir mit Stolz. Unser Auftritt ist geschlossen – auf dem Rasen, auf den Rängen, überall und zu jeder Zeit. Zur Galerie
Wir sind eine Gemeinschaft. Wir sind die Sportgemeinschaft Dynamo Dresden. Unsere Urkraft liegt im Zusammenhalt, erwachsen aus Erfolgen, Niederlagen und Umbrüchen. Unser Wappen tragen wir mit Stolz. Unser Auftritt ist geschlossen – auf dem Rasen, auf den Rängen, überall und zu jeder Zeit. ©

Borns Worte sind nicht neu. Bereits nach Ausschreitungen im Dezember vor und nach dem Spiel bei St. Pauli, hatte Born gesagt, es seien Dinge vorgefallen, „die wir zutiefst ablehnen und verurteilen, weil sie menschenverachtend sind und die Werte unserer Sportgemeinschaft mit Füßen treten.“ Born verspricht jedenfalls Aufklärung. „Wir werden das kommende Turnustreffen mit unseren Fanvertretern nutzen, um die Dinge schonungslos an- und auszusprechen“, sagte der Geschäftsführer.


Thomas Bachmann