17. Mai 2021 / 14:00 Uhr

Vom Nazi-Vergleich zum Rücktritt von Fritz Keller: Die Chronologie der DFB-Krise

Vom Nazi-Vergleich zum Rücktritt von Fritz Keller: Die Chronologie der DFB-Krise

Redaktion Sportbuzzer
RedaktionsNetzwerk Deutschland
Die Protagonisten der DFB-Krise: Friedrich Curtius, Rainer Koch und Fritz Keller.
Die Protagonisten der DFB-Krise: Friedrich Curtius, Rainer Koch und Fritz Keller. © IMAGO/Hartenfelser/Martin Hoffmann/Sven Simon (Montage)
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Fritz Keller ist endgültig als DFB-Präsident zurückgetreten Der Verbandschef hatte in den vergangenen Wochen um seinen Job gekämpft, nachdem er seinen Vize Rainer Koch beleidigt hatte, zuletzt aber bereits den Rückzug angekündigt. Die Chronik des jüngsten DFB-Skandals.

Der deutsche Fußball steht einmal mehr ohne Führung da. Schon am vergangegenen Dienstag erklärte der umstrittene DFB-Präsident Fritz Keller seine Bereitschaft zum Rücktritt. Am Montag machte er sein Ende als Chef des Verbands nun offiziell – und übte zum Abschied noch einmal deutliche Kritik. Auch für Generalsekretär Friedrich Curtius und Vizepräsident Rainer Koch hat der jüngste DFB-Skandal Konsequenzen. Curtius wird in Gespräche über eine Vertragsauflösung eintreten, Koch zwar als Interimspräsident die Geschicke des Verbandes leiten, aber seinen Posten beim nächsten DFB-Bundestag zur Verfügung stellen. Der SPORTBUZZER zeigt, wie es dazu kam.

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26. April: Verschiedene Medien berichten, dass DFB-Präsident Fritz Keller seinen Vizepräsidenten Rainer Koch mit Nazi-Richter Roland Freisler verglichen hat. Der DFB äußert sich nicht zu Einzelheiten, bestätigt aber eine Entschuldigung von Keller. Der Vorfall liegt da schon drei Tage zurück.

27. April: Mit "Entsetzen und völligem Unverständnis" reagiert etwa das Präsidium des Süddeutschen Fußball-Verbandes (SFV) auf die verbale Entgleisung von Keller. Koch will ein Gespräch mit dem Verbandschef führen, hat eine Entschuldigung noch nicht angenommen. Dagmar Freitag, die langjährige Sportausschuss-Vorsitzende im Deutschen Bundestag, bezeichnet den Nazi-Vergleich von Keller als "nicht hinnehmbar". Keller will nicht zurücktreten. Generalsekretär Friedrich Curtius und Schatzmeister Stephan Osnabrügge kritisieren Keller.

30. April: Die Spitze des Deutschen Fußball-Bundes trifft in Potsdam zum bevorstehenden DFB-Gipfel ein. Bei dem Treffen an diesem Wochenende will die zerstrittene DFB-Spitze mit den Chefs der Landesverbände das weitere Vorgehen besprechen.

Landes- und Regionalverbände entziehen Keller und Curtius Vertrauen

2. Mai: Die Präsidenten der Landes- und Regionalverbände des Deutschen Fußball-Bundes fordern DFB-Präsident Keller zum Rücktritt auf. Die Funktionäre entziehen Keller und Generalsekretär Friedrich Curtius ihr Vertrauen. Koch akzeptiert eine Entschuldigung von Keller wegen dessen Nazi-Vergleich nicht.

3. Mai: Curtius äußert sich erstmals nach dem Votum der Regional- und Landeschefs, zieht aber zunächst keine persönlichen Konsequenzen. Er kündigt jedoch an, zu Gesprächen bereit zu sein.


4. Mai: Osnabrügge steht in der Führungskrise vor dem Rückzug. Der Funktionär werde nicht mehr antreten, heißt es. Inmitten aller Spekulationen über einen möglichen Rücktritt des schwer beschädigten Keller widerspricht DFB-Vize Koch in einem Schreiben DFL-Chef Christian Seifert und erhebt seinerseits schwere Vorwürfe gegen den Geschäftsführer der Deutschen Fußball Liga.

6. Mai: Keller trifft sich mit Charlotte Knobloch, um sich für seinen Nazi-Vergleich bei einer Präsidiumssitzung zu entschuldigen. Die 88-Jährige ist Präsidentin der Israelitischen Kultusgemeinde München und Oberbayern. Sie nimmt die Entschuldigung an.

Innenminister Seehofer kritisiert "jämmerliches Schauspiel"

7. Mai: Keller tritt trotz des eindeutigen Misstrauensvotums der Amateurvertreter noch nicht zurück. Der 64-Jährige entschuldigt sich und bittet um Verzeihung. Die Führung des DFB will er aber nicht freiwillig aufgeben. Bundesinnenminister Horst Seehofer ruft die Spitzen des deutschen Fußballs in ihrem Dauerstreit zur Räson. "Es wird Zeit, dass die Sportverbände dieses jämmerliche Schauspiel beenden", sagt der CSU-Politiker. "Das ist ein Schlag ins Gesicht für alle Sportfreunde."

8. Mai: Bayern-Chef Karl-Heinz Rummenigge fordert DFB-Vizepräsidenten Koch auf, die Entschuldigung von Verbandschef Fritz Keller anzunehmen.

Das sind die Vorgänger von Fritz Keller als DFB-Präsident

Fritz Keller (links) war der 13. Präsident in der Geschichte des Deutschen Fußball-Bundes – Theo Zwanziger (zweiter von links), Wolfgang Niersbach
 (dritter von links) und Egidius Braun (rechts) gehören zu seinen Vorgängern. Zur Galerie
Fritz Keller (links) war der 13. Präsident in der Geschichte des Deutschen Fußball-Bundes – Theo Zwanziger (zweiter von links), Wolfgang Niersbach (dritter von links) und Egidius Braun (rechts) gehören zu seinen Vorgängern. ©

Keller tritt ab und hinterlässt einen Fünf-Punkte-Plan

9. Mai: Die immer lauter werdenden Rufe nach einer Auswechslung der kompletten Führungsriege des Deutschen Fußball-Bundes prallen an Keller und Koch weiter ab. Der wegen seines unsäglichen Nazi-Vergleichs schwer unter Druck geratene DFB-Boss will seinen Posten ebenso wenig räumen wie sein Stellvertreter Koch. Der DFB gerät in seiner massiven Führungskrise auch durch einen seiner wichtigsten Werbepartner unter Druck. Autobauer Volkswagen fordert den zerstrittenen Verband zur Beruhigung der Situation auf.

11. Mai: Die Führungsspitze des Deutschen Fußball-Bundes zieht fast geschlossen Konsequenzen aus der tiefen Krise innerhalb des Verbandes. Keller erklärt seine Bereitschaft zum Rücktritt, der Vertrag von Curtius soll aufgelöst werden. Koch und Osnabrügge werden beim nächsten Bundestag nicht mehr zur Wiederwahl antreten.

17. Mai: Keller macht seinen Rücktritt offiziell. In seiner Rücktrittserklärung geht er zwar auch mit seiner Rolle in der jüngsten Krise hart ins Gericht, übt aber auch noch einmal deutliche Kritik an den Arbeitsweisen in der weiteren DFB-Führung. Zudem hinterlässt er eine fünf Punkte umfassende Agenda, die "kurzfristig" umgesetzt werden soll. Ein Punkt: Eine komplette Erneuerung der Führungsspitze beim DFB.