31. März 2020 / 12:14 Uhr

NBA, NHL, NFL und Co. in der Corona-Krise: So ist der Stand in den US-Ligen

NBA, NHL, NFL und Co. in der Corona-Krise: So ist der Stand in den US-Ligen

Angelo Freimuth
RedaktionsNetzwerk Deutschland
Für die US-Sportstars Lebron James und Leon Draisaitl steht wegen der Corona-Krise aktuell eine Pause an.
Für die US-Sportstars Lebron James und Leon Draisaitl steht wegen der Corona-Krise aktuell eine Pause an. © imago images/ZUMA Wire/Montage
Anzeige

Die Coronavirus-Pandemie trifft auch die USA hart. Von Basketball bis Eishockey: Die Ligen müssen pausieren. Der SPORTBUZZER gibt ein Update über den US-Sport in der Corona-Krise. 

Anzeige

In den vergangenen Tagen eskalierte die Corona-Krise in den USA. In keinem anderen Land der Welt werden täglich so viele neue Infektionen gemeldet, insgesamt sind bereits über 150.000 Menschen mit dem Virus angesteckt. In weiten Teilen des Landes steht die gesamte Gesellschaft still. Der Sport ist bereits seit Wochen von der Coronavirus-Pandemie betroffen, allen voran die NBA, in der am 11. März als erster großer Star Rudy Gobert positiv getestet worden war.

Anzeige

Die beste Basketball-Liga der Welt setzte daraufhin ihren Spielbetrieb aus. Die NHL (Eishockey) und MLS (Fußball) folgten, die Baseball-Liga MLB verschob ihren ursprünglich am 26. März angesetzten Saisonstart. Auch die NFL, die ihren Spielbetrieb für gewöhnlich erst im Herbst aufnimmt, bekommt bereits die Auswirkungen der Corona-Krise zu spüren. So ist der aktuelle Stand in den US-Ligen:

NBA

Die reguläre Saison war bereits in der Schlussphase, als am 11. März innerhalb weniger Stunden beschlossen wurde, die Spielzeit vorerst für 30 Tage auszusetzen. Dass die NBA-Stars im April wieder das Parkett betreten, scheint angesichts der aktuellen Eskalation der Lage in den USA aber ausgeschlossen.

Mehr vom SPORTBUZZER

Maxi Kleber von den Dallas Mavericks sprach sich deshalb bereits für eine Absage der Saison aus und nannte es den „moralisch richtigen Weg“. Aber auch andere Modelle werden intensiv diskutiert. So könnte die NBA im Sommer fortgesetzt werden, um kurz vor dem Start der NFL im Herbst die Playoffs beenden zu können. Auch ein vorzeitiges Ende der regulären Saison und ein direkter Einstieg in die Playoffs scheint möglich – das wäre allerdings besonders bitter für Teams wie die Portland Trail Blazers oder die New Orleans Pelicans, die noch auf einen Platz in der K.o.-Runde hoffen.


Der finanzielle Schaden für die NBA ist indes schon jetzt enorm. In der Saison 2018/19 setzten die 30 Teams der Liga insgesamt deutlich über acht Milliarden US-Dollar um. Besonders lukrativ sind die Playoffs, die in dieser Saison im schlimmsten Fall aber ganz entfallen könnten. Ein Verlust in Milliarden-Höhe wäre dann wohl die Folge. Auch die Stars sind betroffen, da Gehaltszahlungen oft an tatsächliche Einsatzzeiten gebunden sind. Immerhin sind Spieler und vor allem die Teams – oft dank wohlhabender Besitzer im Hintergrund – finanziell aber weitgehend abgesichert. Schlimmer trifft es die zahlreichen Mitarbeiter von Teams und Arenen, die nicht mehr arbeiten können. Viele Mannschaften und auch zahlreiche Profis sagten deshalb bereits ihre Unterstützung zu und richteten Fonds ein, um die Betroffenen zu versorgen.

Das IOC und Japan als Gastgeberland haben die Olympischen Spiele in Tokio wegen der Coronavirus-Pandemie verschoben. Der SPORTBUZZER hat dazu internationale Pressestimmen gesammelt. Zur Galerie
Das IOC und Japan als Gastgeberland haben die Olympischen Spiele in Tokio wegen der Coronavirus-Pandemie verschoben. Der SPORTBUZZER hat dazu internationale Pressestimmen gesammelt. ©

NFL

Der große Vorteil der Football-Liga ist ihre lange Pause vor Beginn der nächsten Saison. Nach dem Super Bowl im Februar wird der Spielbetrieb für gewöhnlich erst wieder im Herbst aufgenommen. Dennoch bekommt auch die NFL die Corona-Krise zu spüren. Der Draft, sonst ein großes Event, das von tausenden Fans besucht wird, findet voraussichtlich im April unter Ausschluss der Öffentlichkeit statt. Eine Absage ist laut Liga-Chef Roger Goodell nicht geplant, hängt aber auch von der weiteren Entwicklung ab.

Für Probleme sorgt das Coronavirus außerdem vor allem beim Scouting-Prozess. Talente und Profis können längst nicht so genau unter die Lupe genommen werden wie sonst, das steigert das Risiko für die Teams erheblich. Auch etablierte Stars der NFL sind davon betroffen. Quarterback Cam Newton, 2015 als bester Spieler der Liga ausgezeichnet, wurde am 24. März von seinen Carolina Panthers entlassen, nachdem ein Trade mit einem anderen Team gescheitert war. Der Grund: Wegen der Ausgangsbeschränkungen waren keine medizinischen Untersuchungen möglich, das Risiko einer Verpflichtung wegen Newtons Verletzungshistorie daher zu groß. Das betrifft auch andere Stars, die zuletzt mit Verletzungen zu kämpfen hatten und jetzt um die Fortsetzung ihrer Karrieren bangen müssen.

NHL

Wie die NBA befand sich auch die nordamerikanische Eishockey-Liga NHL in der Hochphase der Saison. Am 13. März gab die Liga offiziell die Unterbrechung des Spielbetriebs bekannt. Die Verantwortlichen favorisieren eine Fortsetzung der Spielzeit und vor allem der Playoffs im Sommer. Der Vorteil: Durch die Verschiebung der Olympischen Spiele auf 2021 wäre ein Zeitfenster für Eishockey im Sommer möglich.

Mit der Verschiebung des Drafts auf ein bislang noch unbestimmtes Datum ist zumindest der terminliche Grundstein dafür gelegt. Die Auswahl der besten nationalen und internationalen Talente sollte im Juni stattfinden. Dort könnten nun aber die Playoffs und der Kampf um den Stanley Cup in der NHL steigen. Notfalls seien zumindest Superstars wie Sidney Crosby oder Alex Ovechkin dazu bereit, den Rest der regulären Saison zu überspringen. Das hätte aus deutscher Sicht einen weiteren Vorteil: Der gebürtige Kölner Leon Draisaitl von den Edmonton Oilers stünde dann als Top-Scorer der NHL fest und würde die renommierte Art-Ross-Trophäe gewinnen.

MLB

Eigentlich sollte die neue Baseball-Saison in Nordamerika am 26. März starten, doch angesichts der Corona-Krise gab die MLB am 12. März bekannt, dass der Auftakt um zwei Wochen verschoben werde – mindestens. Denn dass die Saison tatsächlich im April beginnt, scheint aktuell mit jedem Tag unwahrscheinlicher. Gewerkschaft und Liga verhandeln nun über einen Start der neuen Spielzeit im Juni, notfalls ohne Fans.

Auch das ist allerdings nur eine vorübergehende und wohl optimistische Einschätzung der Lage. Besonders unsicher ist die Situation für die beiden Top-Teams aus New York, die Yankees und die Mets. Der Metropole an der Ostküste der USA ist stärker als jedes andere Gebiet von dem Coronavirus betroffen. Nach Angaben der Johns Hopkins Universität sind bereits 776 Menschen an den Folgen der Krankheit gestorben. Die bei einem Juni-Saisonstart spätestens im Mai erforderliche Öffnung der Trainingsanlagen ist unter solchen Bedingungen nicht möglich.

Mehr vom SPORTBUZZER

MLS

Die neue Saison war erst zwei Spieltage alt, als sie am 12. März bereits wieder eingestellt werden musste. „Unsere Klubs waren heute vereint in der Entscheidung, unsere Saison vorübergehend zu unterbrechen – ausgehend von der Empfehlung und Führung des CDC (US-Behörde für Seuchenschutz, d. Red.) und anderen öffentlichen Gesundheitseinrichtungen, sowie im Interesse von Fans, Spielern, Verantwortlichen und Angestellten“, begründete MLS-Chef Don Garber die Entscheidung.

Wie in allen anderen US-Ligen ist eine Fortsetzung der Spielzeit in der Major League Soccer inzwischen allerdings in weite Ferne gerückt. Die ursprünglich auf 30 Tage angesetzte Pause wird verlängert, auch ein Mannschaftstraining ist vorerst bis zum 3. April untersagt. Am Mittwoch verfügte die MLS außerdem, dass Spieler erst ihre Klubs um Erlaubnis bitten müssen, bevor sie ihren aktuellen Wohnort ändern. Das dürfte insbesondere bei Spielern aus anderen Ländern für Probleme sorgen.