14. Juni 2020 / 08:00 Uhr

NBA-Profi Isaac Bonga spricht über Rassismus, Donald Trump, LeBron James und sein Karriere-Ziel

NBA-Profi Isaac Bonga spricht über Rassismus, Donald Trump, LeBron James und sein Karriere-Ziel

Stefan Döring
RedaktionsNetzwerk Deutschland
Spricht im <b>SPORT</b>BUZZER-Interview über Rassismus und die Protestbewegung in den USA: Isaac Bonga.
Spricht im SPORTBUZZER-Interview über Rassismus und die Protestbewegung in den USA: Isaac Bonga. © Schüler/imago images
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Der deutsche NBA-Profi Isaac Bonga erlebt die Proteste gegen Rassismus in den USA hautnah mit. Er selbst ist schwarz und hofft auf eine Veränderung, wie er im SPORTBUZZER-Interview erklärt. Dafür will er seine Reichweite in den sozialen Medien nutzen. Zudem spricht er über den Restart der Basketball-Saison.

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Nach dem gewaltsamen Tod des Afroamerikaners Georg Floyd ist eine Protestwelle gegen Rassismus und Polizeigewalt entstanden. Vor allem in den USA gehen täglich Tausende Menschen auf die Straße. Der deutsche Basketball-Profi Isaac Bonga erlebt diese Demonstrationen in seiner neuen Heimatstadt Washington. Dort spielt er für die Wizards in der NBA. Im SPORTBUZZER-Interview spricht er über den Kampf gegen Rassismus, LeBron James und den Restart in der NBA.

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SPORTBUZZER: Herr Bonga, in den USA und weltweit wird derzeit gegen Rassismus und Polizeigewalt protestiert. Wie nehmen Sie die Situation in Washington wahr?

Isaac Bonga (20): Es ist spannend, wie sich das entwickelt hat. Ich bin in Deutschland aufgewachsen und kannte solche Bilder nur aus dem Fernsehen. Jetzt bin ich hier und erlebe die Proteste hautnah. Ich bin froh, dass auf die Probleme aufmerksam gemacht wird. Es ist an der Zeit, dass Rassismus als solcher benannt wird. Das Problem ist nicht plötzlich aufgekommen, sondern es gibt Rassismus schon sehr lange. Es ist wichtig, dass wir alle die Stimme erheben. Es braucht eine Lösung.

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Ihr deutscher Teamkollege Moritz Wagner ist selbst auf Demos mitgelaufen. Waren Sie auch schon bei Protestzügen dabei?


Noch nicht, aber wir planen als Team der Washington Wizards die geschlossene Teilnahme an einem Protestzug, um unsere Unterstützung für diesen Kampf zu zeigen. Die Stadt D.C., wir Basketballer und die ganze Welt stehen in dieser Sache zusammen.

Bonga: Rassismus ist immer ein Thema

Wie sind die Proteste nach dem Tod von George Floyd in der Mannschaft wahrgenommen worden?

Es kommt auf jede einzelne Person an, und jeder hat eine eigene Geschichte. Alle Spieler waren von dem Tod betroffen. Der Fall hat uns allen vor Augen geführt, dass Rassismus weiterhin ein Thema ist. Wer dachte, dass das kein Thema mehr ist, liegt leider falsch – auch wenn es vielen Leuten schwerfällt, dies einzusehen.

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Daniel Theis
 (von links), Dennis Schröder und Maximilian Kleber spielen in der NBA. Zur Galerie
Daniel Theis (von links), Dennis Schröder und Maximilian Kleber spielen in der NBA. © Imago Images

Haben Sie zuletzt auch Erfahrungen mit Rassismus machen müssen?

Gott sei Dank nicht. Ich erinnere mich aber an Dinge in meiner Kinder- und Jugendzeit. Wenn Menschen mich zum Beispiel als Affen bezeichnet haben, habe ich früher immer gedacht, dass sie es als Scherz meinen. Ich habe erst später realisiert, dass ich rassistisch beleidigt wurde.

Zuletzt machten Videos die Runde, in denen schwarzen Kindern erklärt wird, wie sie sich bei Polizeikontrollen verhalten müssen. Haben Sie Angst vor solchen Szenarien?

Ich habe solche Situationen noch nicht erleben müssen, aber ich habe Respekt davor. Ich hoffe, dass die Polizisten uns genauso respektieren, wie wir sie respektieren. Die Polizei soll uns beschützen – das ist deren Job. Ich glaube, dass die überwiegende Anzahl der Polizisten gute Menschen sind. Aber man muss vorbereitet sein und man sollte wissen, wie man sich gegenüber Polizisten verhält.

Schon 2016 gab es eine Protestwelle gegen Rassismus und Polizeigewalt in den USA – mitinitiiert von dem NFL-Quarterback Colin Kaepernick. Glauben Sie, dass sich nun wirklich etwas ändert?

Die Hoffnung darauf ist groß! Wenn wir zusammen auf Änderungen dringen, dann können wir das schaffen. Dafür gehen die Leute auf die Straße – und dafür möchte ich mich als Sportler auch einsetzen.

Bonga schwärmt von LeBron James

Ihnen als Sportler wird allerdings derzeit die große Bühne genommen, da auch die Basketball-Liga NBA noch aufgrund der Coronavirus-Pandemie pausiert.

Es ist generell schwer für uns, nicht spielen zu dürfen. Basketball bedeutete auch immer Ablenkung. Für mich war der Sport ein Ventil. Wir können aber trotzdem den Kampf gegen Rassismus unterstützen. Wir alle haben große Reichweiten über Social Media – dort können wir Probleme ansprechen, Aktionen bekannt machen und zeigen, wie man helfen kann. Wir müssen uns engagieren und zusammenarbeiten.

In Ihrem ersten Jahr als NBA-Profi haben Sie mit LeBron James in Los Angeles zusammengespielt. Er ist nicht nur ein herausragender Basketballer, sondern auch eine laute Stimme gegen Rassismus. Wie haben Sie ihn wahrgenommen?

Er ist ein Anführer, der zeigt, dass er außerhalb des Sports etwas zu sagen hat. Er hat beispielsweise eine Schule eröffnet, die er mitfinanziert hat. Das war ihm wichtig. Er kämpft schon lange gegen Rassismus, geht wie Kaepernick voran, nutzt seine Popularität. Er ist ein großartiger Mensch.

Anders als US-Präsident Donald Trump, der sich zu unmöglichen Äußerungen hinreißen lässt und für eine Bevölkerungsgruppe steht, von der Rassismus ausgeht.

Es wird immer Menschen geben, die andere Meinungen haben. Das können wir nicht ändern. Aber wir müssen versuchen, sie davon zu überzeugen, dass sich etwas ändern muss. Wir alle hoffen darauf, dass auch Trump sich ändern kann. Alle Leute wissen, wie er mit der Situation umgeht, wie er sich äußert. Es ist schwer, einen richtig guten Leader zu haben.

Positiv für Sie ist, dass die NBA-Saison am 31. Juli einen Restart hinlegen wird.

Basketball ist meine Leidenschaft und mein Ventil im Alltag. Als Corona sich ausgebreitet hatte, war es schwierig für mich. Ich durfte nicht mehr trainieren und konnte draußen nicht einmal auf die Körbe werfen, weil die Ringe abgenommen wurden. Die Sache, die ich jeden Tag gemacht habe, wurde mir weggenommen. Jetzt freue ich mich, dass wir bald wieder anfangen. Aktuell trainiere ich allein, bald geht es dann im Team wieder los.

Bonga träumt vom NBA-Titel

Es ist keine neue Saison, sondern die Weiterführung der laufenden. Wie gehen Sie damit um?

Ich hoffe natürlich, dass wir alle wieder gut in Form kommen, uns schnell einspielen. Wir wollen noch in die Play-offs. Aber in erster Linie bin ich froh, dass es die Möglichkeit gibt, wieder zu spielen.

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Gerechtigkeit für den ermordeten George Floyd: BVB-Profi Jadon Sancho mit einer klaren Botschaft nach seinem Treffer zum 2:0 gegen den SC Paderborn am 29. Bundesliga-Spieltag. ©

Seit Sie von den Lakers gedraftet wurden, spielen Sie mit Moritz Wagner zusammen. Sie wurden dann beide nach Washington getradet. Wie wichtig ist es, dass Sie nicht auf sich allein gestellt sind?

Ich bin froh, ihn zu haben, und es machte manche Dinger einfacher. Lustig ist, dass Moe und ich uns vorher gar nicht kannten. Wenn ich bei der Nationalmannschaft war, war er nicht dabei – und umgekehrt. Wir haben uns erst in Los Angeles kennengelernt. Er hat mir vor allem in den ersten Monaten viel geholfen, weil er schon länger in den USA ist, in Michigan am College war. Er konnte mir Tipps geben.

Welchen Karriereplan verfolgen Sie?

Ich will jedes Jahr besser werden – und mir dadurch hier einen Namen machen. Natürlich träume ich von einem NBA-Titel. Ich weiß aber, dass zur Sekunde da draußen zig Spieler sind, die meinen Platz im Team einnehmen wollen. Ich mache mir das jeden Tag klar, damit ich nie nachlasse. Ich will mich hier durchsetzen.